Sonntag, 30. März 2008 18:25
Was hat der Neue Ritus inspiriert?
„Dieser Ritus inspirierte die Messen von Palestrina, Mozart, Bach und Beethoven, die großen Kathedralen und wunderbare Werke der Malerei und Bildhauerei“ – so der Kardinal.
Die Alte Messe inspirierte die ganze Kultur des Abendlandes.
Die Alte Messe inspirierte die ganze Kultur des Abendlandes.
(kreuz.net, Vatikan) Dank des Motu Proprio ‘Summorum Pontificum’ haben bereits mehrere Personen und Gruppen um „die volle Einheit“ mit der Kirche angesucht.

Das erklärte der Präsident der Päpstlichen Kommission ‘Ecclesia Dei’, Dario Kardinal Castrillon Hoyos, im Gespräch mit der vatikanischen Tageszeitung ‘Osservatore Romano’.

Als Beispiel nannte der Kirchenfürst die spanische Schwesterngemeinschaft ‘Oase von Jesus dem Hoherpriester’. Es handelt sich um dreißig in Klausur lebende Nonnen.

Die Schwestern wurden bereits Ende Juni – noch vor Erscheinen des Motu Proprio – regularisiert.


Kardinal Castrillon erklärte, daß auch amerikanische, französische und deutsche Gruppen „auf gutem Wege zur Regularisierung“ seien.

Es hätten sogar einzelne Patres der Priesterbruderschaft St. Pius X. um eine Regelung ihrer kirchenrechtlichen Status angesucht und die sogenannte Formula adhæsionis – eine Treuerklärung dem Heiligen Stuhl gegenüber – unterschrieben.

Zustimmung zum Motu Proprio sei auch von Prälaten aus orthodoxen Gemeinschaften sowie von anglikanischen und protestantischen Gläubigen gekommen.

Aussöhnung mit der Piusbruderschaft
Zur Aussöhnung mit der Piusbruderschaft erklärte der Kardinal, daß das „Problem des Konzils“ nicht so schwerwiegend sei.

Er betonte, daß die vier Bischöfe der Bruderschaft das Zweite Vatikanum als ökumenisches Konzil anerkannt hätten:

„Ich denke, daß sich ihre Kritik am Konzil vor allem darauf bezieht, daß es einigen Texten an Klarheit fehle. Dadurch werde der Weg zu Interpretationen geöffnet, die nicht mehr mit der Tradition vereinbar sind“ – so Kardinal Castrillon.

Der Kardinal ortet die größten Schwierigkeiten nur bei der Interpretation der Konzilstexte und bei einigen ökumenischen Gesten.

Nur praktische Probleme?
Ferner erklärte Kardinal Castrillon, daß „einige“ Bischöfe Probleme mit dem Motu Proprio ‘Summorum Ponitifcum’ hätten. Aber das sei die Ausnahme.

Der Kardinal rechtfertigt Widerstände von Seiten der Bischöfe mit praktischen Problemen. Er erinnert an Priester aus Regionen, deren Sprachen weit weg vom Lateinischen sind.

Die Alte Messe könne nicht gefeiert werden, wenn die Priester nicht entsprechend ausgebildet seien.

Die Kommission ‘Ecclesia Dei’ wolle für Abhilfe sorgen. Sie plane, für Priesterseminare, Diözesen und Bischofskonferenzen Hilfsmittel zu organisieren. Konkret denkt der Kardinal an multimediale Mittel zur Erlernung des überlieferten Ritus.

Wie wichtig die Stille in der Liturgie ist, erklärt Kardinal Castrillon mit einem Beispiel, das er bei einem Managerkurs gelernt hat, den er noch als Diözesanbischof in Kolumbien besuchte.

Dort erfuhr er, daß Manager einen halbdunklen Raum haben sollten, um darin anstehende Entscheidungen zu überdenken.

Nicht tridentinisch, sondern gregorianisch
Im Interview betonte der Kirchenfürst auch, daß die Alte Messe bisher mehr als 1.400 Jahre in Gebrauch war. Er nennt sie mit Bezug auf Papst Gregor den Großen († 604) „gregorianisch“:

„Dieser Ritus inspirierte die Messen von Palestrina († 1594), Mozart († 1791), Bach († 1750) und Beethoven († 1827), die großen Kathedralen und wunderbare Werke der Malerei und Bildhauerei.“

Gleichzeitig erklärte Kardinal Castrillon, daß er den Novus Ordo „sehr liebt“. Er hat das Alte Meßbuch nach der nachkonziliaren Liturgiereform nie mehr benützt.

Nachdem er als Präsident von ‘Ecclesia Dei’ den Alten Ritus wieder manchmal zelebrieren mußte, habe er den Reichtum der überlieferten Liturgie entdeckt.

© Titelbild: traditionalcatholic.org.uk
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