Montag, 31. März 2008 19:01
Die sexuellen Befreier der 60er Jahre stellten dem „Mief der Adenauerzeit“ die zügellose Unmoral der goldigen Hitlertage entgegen. Von Lisa Abelin.


Was sogenannte Schlangenmenschen mit ihrem Körper, machen andere mit der Geschichte.
(kreuz.net) Zehn Jahre nach Gründung der Bundesrepublik hatte sich Deutschland von der national- sozialistischen
Unmoral befreit und zu den Grundwerten Ehe und Familie zurückgefunden.
Nach einer Befragung von 1959
war die Zustimmung zum unehelichen Geschlechtsverkehr gegenüber den
bestürzenden Daten von 1949 signifikant
zurückgegangen.
Doch in dieser Zeit wagten es alte Nationalsozialisten und Jung-Sozialisten wieder vorsichtig,
aus ihren Löchern herauszukriechen.
Die Altnazis und Sexualpolitiker Hans Bürger-Prinz († 1976) und
Hans Giese († 1970) sowie der Eugeniker Hans Harmsen publizierten Schriften, welche die gesellschaftlichen
Werte wieder unterminierten.
Der ehemalige SS-Soldat und Schriftsteller Günter Grass (80) beschrieb
in seinem Werk „Die Blechtrommel“ genüßlich den Ehebruch seiner Protagonistin in der Zeit des Nationalsozialismus.
Grass hatte während der eigenen nationalsozialistischen Sozialisation in Jungvolk und Hitlerjugend mitbekommen,
daß die Jugend
zu Promiskuität ermuntert wurde.
Seine SS-Kameraden von der Division Frundsberg hatten
ihm zweifellos von den regelmäßigen Bordellbesuchen deutscher Landser vorgeschwärmt.
Sicherlich kannte
Grass auch Hitlers „Mein Kampf“ und dessen Bannspruch gegen die „unmännliche Prüderie“.
Bis heute schöpft
Grass aus dieser braunen Brühe „eklige Sexgedichte“ – so die deutsche Moderatorin Elke Heidenreich.
Gegenüber dem „Mief der Adenauerzeit“ – wie Grass und seine Genossen stereotyp den Wertekonsens der
50er Jahre angifteten – wollten sie zurück zur zügellosen Unmoral der Hitlerzeit.
Aber das konnte man
damals so direkt nicht sagen. Darum war es zuerst nötig, die antinazistische Umerziehung der Adenauerzeit
schlechtzureden.
Dazu erfand der marxistische Remigrant, Soziologe und Propagandist Theodor W. Adorno
seine sozialpsychologischen Phantasien.
Er erklärte, daß die Errichtung moralischer Grenzen und sexueller
Tabus gegen Unzucht und Prostitution angeblich die Feindseligkeiten gegen Minderheiten verstärkten, Vorurteile
und Voyeurismus schürten.
Das seien Syndrome gewesen, „die dem Nationalsozialismus die Massenbasis zu
verschaffen half“ – phantasierte Adorno vor sich hin.
Mit dieser Verdrehungstaktik schuf der Ideologe
einen Argumentationspfad, der es erlaubt, den Werten der Adenauerzeit die Schuld am Nationalsozialismus
zu geben.
Adornos Studenten brachten die geschraubten Wendungen ihres Chefideologen in plattem Freudianismus
unters Volk.
So hieß es in der Frankfurter Studentenzeitung ‘Diskus’ im Jahr 1962:
„Ohne Tabus kein
Triebverzicht, ohne diesen keine aufgestauten Aggressionen, die sich zu gegebener Zeit gegen Minderheiten
oder äußere Feinde – Juden, Kapitalisten, Kommunisten – dirigieren ließen.“
Man beachte, daß die
Studenten im Jahr 1962 noch Mitleid mit den „Kapitalisten“ hatten.
Auch der Studenteneinpeitscher Herbert
Marcuse († 1979) predigte – insbesondere in seinem Buch „Triebstruktur und Gesellschaft“ – seinem fanatisierten
Publikum die neue Welterklärungsformel: Sexuelle Repression ist die Wurzel allen Übels.
Schließlich
ließ der ‘Spiegel’-Herausgeber, Kirchenhasser und Medienmillionär Rudolf Augstein († 2002) seine Leser
wissen, Auschwitz sei von sexuell verklemmten und konservativen „Spießern“ erbaut worden – von Spießern
wie denen der Adenauerzeit, sollten die Leser assoziieren.
Adorno, Marcuse und Augstein kannten als Zeitgenossen
die nationalsozialistische Unmoral. Ihre Thesen von einer angeblich repressiven Sexualmoral der Nationalsozialisten
waren also gezielte Lügen.
Dagegen war die Nazizeit der von ihnen manipulierten Jugend nicht mehr unmittelbar
bekannt. Das nützten die drei Sexpropagandisten schamlos aus.
Ein krasses Beispiel für diese bewußte
Lügenstrategie war ein Hitlerbild, das der ‘Spiegel’ im Jahr 1966 mit dem Text untertitelte: „Sex-Kritiker
Hitler: Erstickendes Parfüm“.
Das war ein Bruchstück eines Hitler-Zitates aus „Mein Kampf“: „Das öffentliche
Leben muß von dem erstickenden Parfüm unserer modernen Erotik befreit werden, genau so wie von jeder
unmännlich, prüden Unaufrichtigkeit.“
Der zweite Teil des Hitler-Zitates mit der Kritik an unmännlicher
Prüderie wurde einfach weggelassen.
Bei Ausbruch der Studentenunruhen der späten 60er Jahre war unter
den jungen Leuten das Vorurteil zementiert, daß der Kampf gegen die Werte und Moral der Adenauerzeit
auch ein Kampf gegen den Faschismus wäre.
In dem vielgelesenen Buch „Die Gesellschaft und das Böse“
faßte der Schriftsteller Arno Plack (77) diese Vorurteilsverdrehung zusammen:
„Es wäre kurzschlüssig
zu meinen, alles das, was in Auschwitz geschah, sei typisch deutsch. Es ist typisch für eine Gesellschaft,
welche die Sexualität unterdrückt.“
Der Journalist Hannes Schwenger (66) stellt in seinem einflußreichen
Buch aus dem Jahr 1969 über die „antisexuelle“ Politik der christlichen Kirchen fest: in der Kritik der
Kirchen an „freier Liebe, vorehelichem Verkehr, Ehebruch und Ehescheidung“ erkenne man die „Sprache des
Faschismus“.
Tatsächlich waren ‘Freie Liebe, vorehelicher Verkehr, Ehebruch und Ehescheidung’ die
Eckpunkte
der nationalsozialistischen Unmoral.
Die Belastung der Kirchen als angeblich faschistisches Vorprogramm
bedeutet auch eine Entlastung der nationalsozialistischen Täter und Verbrecher.
Diese skrupellosen Verdrehungen
der historischen Wahrheit werden heute noch in Schule, Medien und Literatur propagiert.
© Titelbild:
Jerrold Bennett, CC