Dienstag, 1. April 2008 09:38
Nach jahrelangem Warten hat man einer großen Gruppe von deutschen Altgläubiger zwei Werktagsmessen pro Monat gewährt. Doch ein Pfarrer gönnt ihnen dieses kümmerliche Glück nicht.


In Gießen unterdrücken die Pfarrer das Recht der Gläubigen auf eine Alte Sonntagsmesse.
(kreuz.net, Mainz) Seit kurzem gibt es in Gießen im Bistum Mainz zweimal pro Monat eine Werktagsmesse
im Alten Ritus. Diese Regelung ist die mikrige Frucht jahrelanger
Bitten mehrerer hundert Altgläubiger
um eine Sonntagsmesse im Alten Ritus.
Doch auch nach dem Motu Proprio ‘Summorum Pontificum’ wollte keiner
der Gießener Pfarrer seine Kirche für den Alten Ritus zur Verfügung stellen.
Nun liest ein pensionierter
Priester, Hw. Bernhard Falck, die Alte Messe in einer schwer zugänglichen Altenheimkapelle.
„Es sollte
der Eindruck entstehen, daß die Alte Messe etwas für alte Pfarrer und für alte Leute ist“ – erklärte
ein Gottesdienstbesucher vor ‘kreuz.net’.
Faire LokalpresseEinen positiven Eindruck von der neuen Alten
Messe gewann die Lokalzeitung ‘Gießener Anzeiger’. Sie berichtete am 28. Februar durchaus objektiv darüber.
In dem Artikel begründete Hw. Falck seine Liebe zur überlieferten Liturgie:
• „Für die Kirche des
Westens ist es ein Verlust, daß sie ihre gemeinsame Sprache aufgegeben hat.“
• „In der Liturgie der
Heiligen Messe, die 1970 eingeführt wurde, widerspricht die Position des Priesters, der sich am Altar
der Gemeinde zuwendet, dem Prinzip, daß sich Menschen nicht zwischen Gott und andere Menschen drängen
sollen.“
• „In einer Messe nach der neuen Liturgie muß man schon eine sehr starke Motivation mitbringen,
um dem heiligen Geschehen – das ja nicht von dieser Welt ist, wirklich so folgen zu können, wie das sinnvoll
wäre.“
Vor dem ‘Gießener Anzeiger’ äußerte sich auch eine Altgläubige. Sie nennt die außerordentliche
Form der Messe lieber den „außerordentlich schönen Ritus“.
Verriß im PfarrblattDer Artikel stieß
dem liberalen Pfarrer von St. Bonifatius in Gießen, Hw. Josef Zorn, sauer auf. Er fühlte sich verpflichtet,
am 8. März in seinem Pfarrblättchen dagegen zu polemisieren.
Hw. Zorn erzürnte sich über das „andere
Liturgieverständnis“ in der Alten Messe. Diese sei angeblich eine „reine Klerikerliturgie“.
Die Gläubigen
könnten der Messe angeblich nur mit außerliturgischen Hilfsmitteln wie Schott, Vorbeter oder Kindermeßbüchlein
folgen.
Dagegen bezeichnet der Pfarrer den reformierten Ritus als angeblich „konsequente Gemeindeliturgie“.
Daß in einer deutschen Durchschnittspfarrei inzwischen mehr als 90 Prozent der Gemeinde diese „Gemeindeliturgie“
meiden, wischte der Priester unter den Tisch.
Die Meßbesucher feierten die Liturgie mit unterschiedlichen
Rollen mit – erklärt der Pfarrer, ohne zu sagen, worin sich das von der Alten Messe unterscheidet.
Dann
kommentiert er auch den Artikel im ‘Gießener Anzeiger’. Der Artikel erweise den Altgläubigen angeblich
einen Bärendienst. Er sei auf Polemisierung angelegt – erklärte der polemische Pfarrer.
Benedikt XVI.
habe mit dem Motu Proprio Zwietracht vermeiden und die Einheit fördern wollen.
Pfarrer Zorn behauptete
ferner, daß die Zeitung die Äußerungen von Hw. Falck unrichtig wiedergegeben habe.
Denn die Kirche
habe das Latein als „weltweite Amtssprache“ nie aufgeben – so Hw. Zorn. Wann er selber zuletzt in dieser
Sprache zelebriert hat, erwähnte er nicht.
Die Aussage, daß sich der Priester am nachkonziliären Mahltisch
zwischen Gott und den Menschen dränge, findet der Pfarrer „absurd“. Vielmehr werde eine „Tischgemeinschaft“
angedeutet.
Es ist unklar, wie eine solche Gemeinschaft in der Aufstellung „Priester gegen den Rest“
zum Ausdruck kommen sollte.
Zum dritten Argument von Hw. Falck meinte Pfarrer Zorn trotzig: „Schwer zu
folgen ist gerade der alten Liturgie und nicht der heutigen.“
Die in der neuen Liturgie in einem fast
ununterbrochenen Redefluß zum Volke hin gelesenen Texte, werden von den Anwesenden kaum rezipiert.