Vom Schweizer Journalisten Roland Huber wurde er als Held und moderner Glaubensbote gefeiert. Doch inzwischen ist von seiner Medien-Herrlichkeit nicht mehr viel übriggeblieben.
Jubelreportage über den nigerianischen Priester Ilechukwu im Schweizer Fernsehen.
(kreuz.net) Bis vor einigen Tagen war Hw. Leonard Ilechukwu Chidi noch Priester in der Zentralschweizer
Gemeinde Seelisberg. Jetzt hat er sich aus dem Staub gemacht.
Hw. Ilechukwu erhielt Anfang März das
Kündigungsschreiben auf Monatsende, weil er sich an der Opferkasse seiner Pfarrei vergriffen hatte.
Wegen der relativ geringen Diebstahlsumme stieß dieser Schritt bei manchen Gläubigen auf Unverständnis.
Doch jetzt wurde bekannt, daß der Geistliche im Jahr 2005 – vor seiner Zeit in der Schweiz – im Erzbistum
Köln 60.000 Euro für sieben Projekte in seiner afrikanischen Heimat Nigeria kassiert hatte.
Das Lokalblatt
‘Neue Luzerner Zeitung’ zitierte den Pressesprecher des Erzbistums Köln, Stephan Schmidt:
„Von der Diözesanstelle
Weltkirche/Weltmission des Erzbistums Köln hat Leonard Chidi für insgesamt sieben Projekte Geld beantragt
und erhalten“.
Der Priester habe in Nigeria Dächer von Kirchen- und Pfarreibauten reparieren lassen.
Drei dieser Projekte seien abgeschlossen worden. Bei vieren sei nichts geschehen: „Es blieben offene Fragen“ –
so der Pressesprecher:
Es sei unklar, was mit den dafür ausgezahlten 60.000 Euro geschah: „Dies haben
wir Chidi auch gesagt. Er kam dann letztes Jahr nach Deutschland und hat uns Unterlagen vorgelegt. Die
waren aber nicht so ganz korrekt.“
Gegenwärtig läuft in der Erzdiözese Köln deswegen ein Verfahren:
„Erste Priorität hat für uns, daß wir das Geld wieder in unsere Hände bekommen, um diese oder ähnliche
Projekte in Afrika zu unterstützen.“
Pressesprecher Schmidt weiß nicht, wohin das Geld gekommen ist.
Er betont aber: „Wir haben derzeit keine Hinweise darauf, daß Chidi das Geld in die eigene Tasche gesteckt
hat.“
Der Priester erhielt ferner von einer 88jährigen Frau 11.000 Franken in bar und weitere 50.000
als Darlehens für eine Ausbildung. Auch von einem geschenkten teuren Auto war die Rede.
Vorläufig letzter
Akt des Dramas war der vergangene Weiße Sonntag in Seelisberg. Der dortige Gottesdienst mit den Erstkommunikanten
sollte Hw. Ilechukwus letzte Amtshandlung sein.
Doch der Priester tauchte für den Gottesdienst nicht
auf und war auch nirgends zu erreichen.
Ein zufällig anwesender 87jähriger Priester mußte kurzfristig
einspringen. Seither ist der Geistliche gemäß Medienberichten „verschollen“.
Der Kirchenratspräsident
hatte zunächst geglaubt, daß der Geistliche die Umstellung auf die Sommerzeit nicht bemerkt hatte.
Jubelbericht des Schweizer Journalisten Roland Huber