Freitag, 18. Februar 2005 08:03
Vier Tage Bischofskonferenz
Zwischen Montag und Donnerstag tagte die Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Stapelfeld in der Nähe der niedersächsischen Stadt Cloppenburg. Karl Kardinal Lehmann, der Präsident der Bischofskonferenz, präsentierte die Ergebnisse bei der gestrigen Pressekonferenz im Bremer Rathaus.
(kreuz.net, Stapelfeld) Im Mittelpunkt der Frühlings-Vollversammlung der Deutschen Bischöfe stand am Mittwoch ein Studientag zum Thema „Entwicklung und gegenwärtige Sendung der Gemeinschaften des geweihten Lebens“.

Zuerst präsentierten Ordensobere Zahlen und Fakten. Mit etwa 3.500 Ordenspriestern stellen die Orden rund 20% der Priester in Deutschland. 65% der Ordenspriester stehen vertraglich in diözesanen Diensten. Etwa 300 Brüder leben in 14 verschiedenen Gemeinschaften. Sie führen 97 Werke, vor allem Einrichtungen für behinderte, alte und kranke Menschen. In ihren Einrichtungen beschäftigen sie insgesamt 20.000 Mitarbeiter.

Die aktuellen Probleme der Frauenorden ergeben sich aus der dramatischen personellen und demografischen Entwicklung. Heute gibt es in Deutschland knapp 27.000 Ordensfrauen. Am Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils waren es fast 100.000 Schwestern. 76% der Ordensfrauen in Deutschland sind über 65 Jahre alt. Das Durchschnittsalter liegt in vielen Gemeinschaften bei 75 Jahren.

Als Hoffnungszeichen sehen die Bischöfe, daß es in den letzten 10 Jahren in Deutschland 200 Neugründungen gab.

Zur Frage der EU-Verfassung kritisierten die Bischöfe erneut den fehlenden Gottesbezug in der Präambel. Auch hätte nach Meinung der Bischöfe manches, etwa zu Fragen des Lebensschutzes und der Familie, klarer formuliert werden können. Erfreulich sei jedoch, daß die Verfassung grundsätzlich vom jüdisch-christlichen Wertehorizont durchdrungen sei und dies auch deutlicher zum Ausdruck komme als in den bisherigen europäischen Vertragstexten.

Als Beispiel verweist die Bischofskonferenz auf den Beginn des Textes, wo es heißt, daß die EU unter anderem aus dem religiösen Erbe schöpfe, aus dem sich Menschenrechte, Demokratie, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit entwickelt hätten. Damit sei – so die Bischöfe -vor allem das jüdisch-christliche Erbe gemeint: „Wir würden es deshalb sehr begrüßen, wenn der Verfassungsvertrag in allen Mitgliedstaaten Zustimmung fände.“

Die Bischofskonferenz hat weiter die Absicht, eine Stellungnahme zum Thema des kirchlichen Religionsunterrichtes herauszugeben. Angesichts einer schwindenden religiösen Sozialisation von Kindern und Jugendlichen sei es wichtig, daß der Religionsunterricht den Schülern die Grundlagen des christlichen Glaubens beibringe. Es sei auch wünschenswert, daß ein Einblick in die innere Struktur und Logik des christlichen Glaubens vermittelt werde. Der Text der Stellungnahme soll voraussichtlich im April 2005 erscheinen.

Für den katholischen Religionsunterricht soll außerdem eine neue Internetplattform mit Unterrichtsmaterialen eingerichtet werden. Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt und wird in den nächsten Monaten umgesetzt.

Zu den katholischen Schulen meinte Kardinal Lehmann, daß sie bei der Bevölkerung ein hohes Ansehen genössen. Es sei vorstellbar, auch nichtkatholische Lehrer einzustellen, doch wolle die Kirche dies frei entscheiden.

Zum Thema der Liturgie beriet die Bischofskonferenz über die Revision des Gotteslobs, des Deutschen Meßbuchs, der Einheitsübersetzung und der Feier der Kindertaufe.

Die Arbeit am „Gemeinsamen Gebet- und Gesangbuch“ gehe gut voran. In Absprache mit den Diözesen wird im Augenblick die Zuordnung von Stamm- und diözesanen Eigenteilen abgestimmt.

Letzten November hat eine Bischöfliche Kommission ihre Arbeit an der Revision des Deutschen Meßbuchs aufgenommen. Es wirken dabei die Bischofskonferenzen von Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz sowie die konferenzfreien Erzbischöfe von Luxemburg und Vaduz mit.

Aufgabe der Kommission wird es sein, die dezentrale Revision des Meßbuchs zu unterstützen und dabei die notwendige Einheit zu gewährleisten. Der offizielle Beginn der Arbeiten wird im Rahmen einer Auftaktveranstaltung Ende März 2005 erfolgen. Fünf Arbeitsgruppen werden die Texte in einem gestuften Verfahren erarbeiten.

Die Revision der Einheitsübersetzung erfolgt zusammen mit den anderen Bischofskonferenzen im deutschen Sprachgebiet und hat eine gewisse Dringlichkeit, weil diese Übersetzung auch im neuen Messbuch Eingang finden soll. Die Bischofskonferenzen werden der Evangelischen Kirche in Deutschland Vorschläge für die Organisation dieses Projekts unterbreiten.

Der Text der zweiten Auflage des liturgischen Buches „Die Feier der Kindertaufe“ wurde von den deutschsprachigen Bischöfen in Zusammenarbeit mit der vatikanischen Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung erarbeitet. Bereits im Oktober letzten Jahres hatte die Liturgiekommission den Text geprüft und zur Approbation empfohlen. Dieser Empfehlung hatte sich im Januar das „Forum Liturgie im deutschen Sprachgebiet“ angeschlossen. Der Text wird nun von der Bischofskonferenz zur endgültigen Approbierung an die Liturgiekongregation geleitet.

Zur Frage, ob er nach 18 Jahren an der Spitze der Deutschen Bischofskonferenz für eine vierte Amtszeit zur Verfügung stehe, nahm der 68-Jährige Kardinal Lehmann nicht Stellung.

Die Deutschen Bischöfe werden bei ihrer Herbstvollversammlung in Fulda über ihren nächsten Präsidenten entscheiden. Die Amtszeit dauert jeweils sechs Jahre.
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