Dienstag, 8. April 2008 20:55
Ein bekannter italienischer Vatikanist berichtete heute über die Skandal-Ausstellung im Museum der Erzdiözese Wien: Die Mohammed-Karikaturen wurden nicht in einem Raum neben einer Moschee ausgestellt.


Die Sonderausstellung „Religion, Fleisch und Macht“ im Wiener Dommuseum
(kreuz.net) Heute hat Andrea Tornielli – Vatikanist der Tageszeitung ‘Il Giornale’ – in dem Mailänder
Blatt über den
Skandal im Wiener Dommuseum berichtet.
Zu Beginn berichtet er, daß die Organisatoren
der Ausstellung angesichts der durch die gezeigten Bilder provozierten Reaktionen offenbar aus allen Wolken
gefallen sind.
Der Journalist hat dafür nur ein beschränktes Verständnis: „Es wären keine ungewöhnlichen
hellseherischen Gaben notwendig gewesen, um sich vorstellen zu können, daß die Ausstellung eines Letzten
Abendmahles mit Apostel, die auf dem Tisch ausgestreckt sind und sich gegenseitig masturbieren, das Entsetzen,
und die Kritik vieler Personen bewirkt hätte“ – so Tornielli:
„Vor allem weil das »Werk« (die Anführungszeichen
sind notwendig) ausgerechnet im Dommuseum von Wien ausgestellt wurde.“
Die in Wien mit der anfänglichen
Zustimmung der örtlichen Verantwortlichen zustande gekommene Inszenierung ist für Tornielli eine weitere
Schmähung und Verwundung des christlichen Glaubens in Europa, „wo man jeder religiösen Glaubensüberzeugung
den höchsten Respekt zollen muß – ausgenommen jenem Glauben, der am meisten
Andrea Tornielli fragt sich,
warum
es keinem Mitarbeiter des Kardinals auffiel, wie unangebracht die Ausstellung eines solchen Bildes in
einem Dommuseum ist.
zur Geburt dieser Zivilisation beigetragen hat“.
Der Journalist geht dann auf das
Hrdlicka-Bild „Das Letztes Abendmahl von Leonardo, restauriert von Pier Paolo Pasolini“ ein: „Die Szene
ist sehr explizit. Statt eines Mahles, das unter Freunden im Abendmahlssaal eingenommen wird, sieht man
eine homophile Orgie mit ausdrücklichen Sex-Szenen.“
Die österreichische Presse habe die Ausstellung
mit den bekannten Mohammed-Karikaturen verglichen: „Auch wenn letztere nicht in einem Raum neben einer
Moschee ausgestellt wurden“ – fügt Tornielli hinzu.
Am Ende sei das Bild nach einer Intervention des
Erzbischofs von Wien entfernt worden, „wobei andere als obszön betrachtete Werke des gleichen Künstlers
übrigblieben.“
Tornielli erwähnt auch, daß der Museumsdirektor es nicht für nötig befand, sich zu
entschuldigen, sondern statt dessen sowohl das „Letzte Abendmahl von Leonardo, restauriert von Pier Paolo
Pasolini“ als auch die Entscheidung verteidigte, es in einem katholischen Museum zu zeigen.
In diesem
Zusammenhang verteidigt der Journalist den italienischen Regisseur Pier Paolo Pasolini, der im Jahr 1975
bei einem Annährungsversuch an einen Homo-Strichjungen von diesem ermordet wurde:
„Eines ist sicher,
Pasolini, der Regisseur von ‘Evangelium nach Matthäus’, ein Film, dessen Schönheit es mit vielen jüngeren
Jesusfilmen aufnehmen kann, hätte niemals so etwas getan.“
Der Journalist beklagt auch, daß nach der
Eröffnung der Ausstellung acht Tage vergehen mußten, „bis die Diözesanverantwortlichen sich der Schwere
des Sachverhaltes bewußt wurden und das Bild abhängten: Es ist unvorstellbar, daß der Kardinal davon
nicht gewußt hat.“
Es sei aber auch angebracht zu fragen, wo die Mitarbeiter des Kardinals geblieben
seien „und vor allem, warum es keinem auffiel, wie unangebracht die Ausstellung eines solchen Bildes in
einem Dommuseum ist“.