Mittwoch, 9. April 2008 12:26
Die Ausstellung hat mich beeindruckt!
Hrdlicka ist kein Spötter, sondern ein suchender und ringender Mensch, der auch Christus finden wird, wenn die Bravlinge ihn nur nicht zu sehr verteufeln oder gar daran hindern. Von Pornojäger Martin Humer.
Bild aus der Hrdlicka-Ausstellung. Screenshot 'gloria.tv'.
Bild aus der Hrdlicka-Ausstellung. Screenshot ‘gloria.tv’.
(kreuz.net) Vom 12. März bis 10. Mai 2008 ist im Dommuseum in Wien die umstrittene Ausstellung „Religion, Fleisch, Macht“ zu sehen. Sie würdigt das künstlerische Schaffen von Alfred Hrdlicka anläßlich seines 80. Geburtstages.

Herr Dr. Bernhard Böhler – Direktor des „Dom- und Diözesanmuseums“ – erhielt dieser Ausstellung wegen viele böse Briefe. Ich wurde von Freunden aus den USA gebeten, die Ausstellung anzusehen und ihnen darüber zu schreiben und zu schimpfen.

Da ich über Hrdlicka zuwenig wußte, las ich zuerst die Kritiken über diese Ausstellung.

Dann fuhr ich nach Wien und erwartete eine Konfrontation, wie ich sie mit Hermann Nitsch oder Otto Mühl erlebte: moderne Schweinigeleien.

Doch welch ein Unterschied! Die Hrdlicka-Ausstellung hat mich beeindruckt! In den Werken spürte ich das Ringen eines Menschen, dem noch nicht der Durchbruch und Aufstieg zu Jesus Christus gelungen ist.

Hrdlicka stammt aus einer kommunistischen Familie. Der Kommunist Hrdlicka ist ein begeisterter Leser des Alten Testamentes. Von der Heiligen Schrift holte er sich viele Anregungen für sein Schaffen.

Wer das Alte Testament kennt, muß auch zugeben, daß diese Heilige Schrift in vielen Stellen nicht gerade eine Lektüre für Kinder und Jugendliche ist. Ebenso ist die Ausstellung für Kinder und Jugendliche nicht geeignet.

Kommunist und Bibelleser, wie kommt das? Beim Betrachten der Bilder mußte ich im Dommuseum an die großartigen Aufführungen von Goethes Faust denken, die ich vor vielen Jahren in Wien, im alten Ronacher, erlebte.

Faust Eins: Der Gang des suchenden Menschen durch die kleine Welt.
Faust Zwei: Der Gang des Menschen durch die Kulturen.

Daß der suchende, sozialorientierte und revolutionäre Mensch Hrdlicka sich gerade dem Alten Testament zuwendete, wurde mir sehr verständlich gemacht. Auch in der Bibel geht es nicht um Harmonie, sondern vor allem um die Wahrheit.

Das Alte Testament ist die Geschichte eines Volkes, das Gott auf den Erlöser vorbereitet. Diese Geschichte ist ein fürchterliches Auf und Ab von Ereignissen. Dabei scheuten die Verfasser sich nicht, auch arge Sünden des Volkes zu nennen.

Wenn ein Besucher der Hrdlicka-Ausstellung schöne Engelbilder erwartet, ist er selber schuld. Man muß zwischen religiösen und sakralen Kunstwerken unterscheiden.

Sakrale Kunst hat den Zweck, Gotteshäuser zu verschönern und Gottesdienste zu gestalten“ – bis hin zu einem Gesamtkunstwerk des Barock.

Religiöse Kunst hingegen setzt sich mit religiösen Themen auseinander. Dabei muß es nicht immer und unbedingt recht fromm zugehen.

Hrdlicka ist kein Spötter, sondern ein suchender und ringender Mensch, der auch Christus finden wird, wenn die Bravlinge ihn nur nicht zu sehr verteufeln oder gar daran hindern.

Es ist gut, daß das anstoßerregende Bild vom Abendmahl entfernt wurde.

Das Bild von den Folterknechten ist für mich weniger anstößig, weil es solche Wildlinge zu jeder Zeit gegeben hat. Diese Mietlinge waren nie anders, als ein grausamer und feiger Haufen.

Die Darstellung von Sexualität, Gewalt und Grausamkeiten waren in den ausgestellten Werken nie Selbstzweck, sondern Stilmittel, um die Menschen und ihre Geschichte so zu zeigen, wie sie immer war. Mit wenigen Ausnahmen.

Homo homini lupus – der Mensch ist dem Menschen ein Wolf.

Papst Johannes Paul II. fragte am 11. September 1983 anläßlich des österreichischen Katholikentages, seine Zuhörer im Donaupark in Wien:

„Ist nicht die ganze Geschichte der Menschheit nicht auch eine Geschichte der mißbrauchten Freiheit?“

Wir Christen sollten Alfred Hrdlicka nicht blind angreifen, sondern ihm helfen. Steigen wir zu ihm in die Grube, wie eine Geschichte aus Djakarta erzählt.

Machen wir ihm die Räuberleiter, damit er aus der tiefen Grube auch entkommen kann, so lange noch Zeit ist.

Der Verfasser ist Obmann der ‘Christlich-Sozialen-Arbeitsgemeinschaft Österreichs’ in Waizenkirchen, Oberösterreich.
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