Mittwoch, 9. April 2008 17:45
Der Skandal um das Wiener Dommuseum kratzt am Image des Wiener Kardinals. Das tut ihm leid. Der Direktor seines Dommuseums gießt weiter Öl ins Feuer.

Kunstwerk für eine bevorstehende Ausstellung im Wiener Dommuseum?
(kreuz.net, Wien) In Österreich braucht es keiner besonderen Begründung, daß ein kirchliches Museum
„dem bedeutendsten Bildhauer der Gegenwart“ eine Ausstellung widmet.
Das erklärte der Direktor des Wiener
Dommuseums, Bernhard Böhler, vor der österreichischen Nachrichtenagentur ‘APA’. Böhler ist der Erstverantwortliche
für die Skandal-Ausstellung des österreichischen Stalinisten Alfred Hrdlicka im Wiener Dommuseum.
Dir
Proteste begannen laut Böhler bei „fundamentalistisch christlichen Kreisen aus den USA“. Sie seien dann
in den deutschen Sprachraum übergeschwappt.
Der Museumsdirektor unterstellt den Kritikern, die „Ernsthaftigkeit
des Schaffens“ von Alfred Hrdlicka nicht zu kennen und die Ausstellung nicht gesehen zu haben.
In der
Ausstellung wurde ein Machwerk gezeigt, welches das Letzte Abendmahl Christi als Homo-Orgie hinstellt
und Jesus Christus bei der Geißelung als Masochisten mit erregiertem Geschlechtsteil.

Was wäre geschehen, wenn?
Die Schockbilder
der Ausstellung sind auf einem Protest-Video enthalten, das auf der Webseite ‘gloria.tv’ publiziert wurde.
Das Video wurde auf Deutsch und Englisch insgesamt von bereits mehr als 50.000 Menschen gesehen.
Böhler
hat das Ausmaß des Schadens immer noch nicht erkannt: Dort, wo Hrdlicka anerkannt sei, habe es auch für
die Ausstellung fast ausschließlich Lob gegeben.
Für einen kirchlichen Auftrag an die Kunst sei die
angebliche „Qualität“ ausschlaggebend, nicht die Frömmigkeit – versucht Böhler die Brutalität der
Blasphemien zu überspielen.
Der Erzbischof von Wien, Christoph Kardinal Schönborn, habe es im Vorfeld
begrüßt, daß es eine Ausstellung zu Hrdlicka gebe. Nach Böhlers Angaben schätzt der Kardinal den
Gotteslästerer auch „als Künstler, der immer die menschliche Figur und das Leiden Christi ins Zentrum
stellt“.
Die einzelnen Werke der Ausstellung habe der Kardinal nicht gekannt.
Eine angebliche „Hetze“
auf „diversen Websites“ versuche laut Böhler den Dialog abzuwürgen. Böhler selber war nach Bekanntwerden
des Skandals für den „Dialog“ tagelang nicht zu erreichen.
Außerdem förderte die Berichterstattung
im Internet die Diskussion über die Werke weltweit massiv.
Wie man solche Skandale künftig vermeidet
Der österreichische Journalist Ulrich Weinzierl verteidigte die Ausstellung in einem Artikel für die
deutsche Tageszeitung ‘Welt’.
Er bedauert, daß ein Bild aus dem Dommuseum entfernt wurde und betrachtet
das als „Kniefall Seiner Eminenz“.
Der Journalist zitiert die „überaus beschwichtigende Erklärung“
des Wiener Kardinals.
Darin kritisiert Kardinal Schönborn, daß Hrdlicka „im einzelnen“ die unbedingte
Schwelle der Ehrfurcht vor dem Heiligen nicht beachte.
Die acht Tage lang in seinem Dommuseum präsentierte
Darstellung des letzten Abendmahls als Homo-Sex-Orgie bezeichnet der Kardinal, nachdem der weltweite Skandal
ausgebrochen war, als „blasphemisch“ und „pornographisch“.
Er bedauert ausdrücklich, daß das für Christen
verletzende Bild gezeigt wurde.
Gleichzeitig nennt der Kardinal den Gotteslästerer Hrdlicka „einen der
bedeutendsten lebenden Künstler Österreichs“.
Das Fazit Weinzierls: „Der Intellektuelle Schönborn
besitzt viele Qualitäten, für die Stärke seines Rückgrats ist er nicht gerade bekannt.“
Um künftig
angebliche „Pseudoskandale“ zu vermeiden, empfiehlt Weinzierl die grundsätzliche Aussperrung zeitgenössischer
Kunst aus dem Dommuseum.
Dann würden „uns“ verheerende Glaubenswunden und auch der Glaubwürdigkeitsverlust
kirchlicher Würdenträger erspart bleiben.
Daß das Problem nicht die „zeitgenössische Kunst“, sondern
grobschlächtige Gotteslästerungen waren, will Weinzierl nicht für wahr haben.
Benütztes Bild für
die Fotomontage: feastoffools, CC