Donnerstag, 10. April 2008 14:15
Der Zölibat wird von Kirchenfeinden gerne als Erfindung des letzten Jahrtausends hingestellt. In Wahrheit reichen seine Wurzeln bis in die Urkirche und tief in die Heilige Schrift.


Die altliberale Zukunft des Priestertums.
(kreuz.net) Er hat sein Leben im Zölibat während siebzig Jahren „nie ernsthaft“ bereut. Das erklärte
der deutsche Benediktinerpater Beda Müller (93) in einem Artikel für die ‘Frankfurter Allgemeine Zeitung’.
Der Pater ist seit 1935 Benediktiner in der Abtei Neresheim – im Osten des Bundeslandes Baden-Württemberg.
Trotz anderslautender Stellen im Evangelium glaubt er, daß Christus von seinen Jüngern keine Ehelosigkeit
gefordert hat.
Der erste Papst, Petrus, sei verheiratet gewesen und „vielleicht“ auch noch andere Apostel.
Daß Christus unverheiratet war, erwähnt er nicht.
Dann zitiert Pater Beda auch die Briefe des Heiligen
Paulus an Timotheus und Titus. Dort wird gesagt, daß ein Bischof nur einmal verheiratet sein soll.
Pater
Beda findet es jedoch „merkwürdig“, daß keine Frauen und noch weniger die Namen von Kindern genannt
werden.
Pater Beda:
„Im Blick auf die Kirchengeschichte muß man gerechterweise zugeben, daß der Zölibat
sich bewährt hat und zum großen Segen für die römische Kirche geworden ist.“
Auch hier verzichtet
der Benediktiner auf die Erwähnung der Auslegung, wonach die zitierten Bibelstellen eine Ehe zwischen
dem Bischof und der Kirche als Braut bezeichnen.
Dafür erwähnt er, daß schon von den bekannten Bischöfen
der Frühzeit keiner verheiratet war.
Er erklärt ferner, daß die Synode von Elvira in Spanien den Zölibat
bereits im Jahr 306 forderte. Das war die Zeit der Konstantinischen Wende, als die Christenverfolgungen
ein Ende fanden.
Der Benediktiner vermutet, daß mit der staatlichen Anerkennung des Christentums die
Gefahr eines Taufscheinchristentums entstand. Darum habe die Kirche von den Priestern ein persönliches
Opfer verlangt – den Verzicht der Ehe.
Die Umsetzung des Zölibats habe lange gedauert und sich nur im
Westen durchgesetzt, behauptet der Pater und folgert:
„Im Blick auf die Kirchengeschichte muß man gerechterweise
zugeben, daß der Zölibat sich bewährt hat und zum großen Segen für die römische Kirche geworden
ist.“
Himmel in SichtPater Beda erinnert auch an den Rat zur Ehelosigkeit des Heiligen Paulus im 7.
Kapitel des 1. Korintherbriefes.
Dort argumentiert der Völkerapostel mit dem Ausdruck „synestalmenos“.
Der aus der Matrosensprache entlehnte Begriff heißt übersetzt „die Segel einziehen“ und bezieht sich
auf das letzte Stück einer langen Schiffsfahrt vor dem Zielhafen.
„Das ist die Situation des Christen“ –
erklärt Pater Beda. Paulus bezeuge sehr anschaulich die Vorläufigkeit des irdischen Lebens. Die Hauptsache
komme danach.
Pater Beda findet die Interpretation der Einheitsübersetzung für die Stelle mit „Die
Zeit ist kurz“ farblos.
Die Vorzüge des ZölibatsIn seinem Artikel zählt der Pater auch eine Reihe
von Vorzügen des Zölibats auf. Er beginnt mit den Argumenten des Heiligen Paulus:
„Der Unverheiratete
sorgt sich um die Sache des Herrn. Er will dem Herrn gefallen. Der Verheiratete sorgt sich um die Dinge
der Welt; er will seiner Frau gefallen. So ist er geteilt. Das sage ich euch zum Nutzen, nicht um euch
eine Fessel anzulegen, vielmehr damit ihr in rechter Weise und ungestört immer dem Herrn dienen könnt.“
„Glücklicher ist zu preisen, wer nach meinem Rat unverheiratet bleibt, und ich denke, daß auch ich
den Geist Gottes habe.“Der Benediktiner nennt auch praktische Beispiele zugunsten des Zölibats.
Der
Ehelose sei etwa in Zeiten eines Kirchenkampfes weniger erpreßbar. Während der Zeit des National-Sozialismus
seien vorwiegend katholische Priester in Konzentrationslagern gesessen: „Die evangelischen mußten an
Frau und Kinder denken“ – kommentiert Pater Beda.
Auch die Beziehung von Seminaristen und jungen Priestern
zu Mädchen würde sich im Falle einer Abschaffung des Zölibates verändern. Pater Beda war selber als
Mädchenseelsorger tätig:
„Auf Freizeiten waren unsere Beziehungen völlig unbefangen. Kein Mädchen
hat im Traum daran gedacht, daß ich ihr potentieller Ehepartner werden könnte.“
Damals verglich der
Pater die Sexualität oft mit einem reißenden Strom:
„ Mit der Sexualität ist es wie mit einem Wildbach
in den Bergen, der die Landschaft verschönert und bewässert. Der Wildbach ergießt sich dann in einen
Fluß, der Schiffe trägt und schließlich ins Meer mündet. Damit kann man die Ehe vergleichen, die in
unserer Kirche ein Sakrament ist und viel mit Gott zu tun hat.
Aber es gibt noch eine ganz andere Möglichkeit:
Talsperre! Das angestaute Wasser wird in elektrischen Strom verwandelt, der sein ganzes Land mit Licht
und Kraft versorgt.“Ob ein unverheirateter katholischer Missionar lebenslang in einem Land wirke oder
ein verheirateter Protestant irgendwo im Ausland nur solange tätig sein könne, bis die eigenen Kinder
schulpflichtig würden, sei ein großer Unterschied – so Pater Beda abschließend.
© Benütztes Bild
für die Fotomontage: Flickr-Benützer „Sparky“, CC