Freitag, 11. April 2008 21:48
Eigentlich sollte die katholische Universität Eichstätt seit dem 1. April einen neuen Präsidenten haben. Aber der Vatikan hat gegen die Wahl des Kandidaten offenbar Bedenken.


Ulrich Hemel
(kreuz.net, Eichstätt) Die vatikanische Bildungskongregation hat „Bedenken“ gegen die Berufung von Ulrich
Hemel (51) zum neuen Präsidenten der katholischen Universität Eichstätt. Das teilte die Universität
am Freitag in einer Pressemeldung mit.
Hemel ist Professor für Religionspädagogik. Er wurde bereits
im Januar von den 16 Mitgliedern des Hochschulgremiums mit zwölf Ja- gegen vier Neinstimmen gewählt.
Sein Amt sollte er am 1. April antreten. Doch darauf mußte er vorerst verzichten.
Wie die Universität
mitteilte, wird Vizepräsident Stephan Schieren die Hochschule vorläufig leiten.
Die Gründe für den
Schritt der Bildungskongregation sind bislang nicht bekannt.
Deutsche Medien vermuten, die vatikanischen
Bedenken könnten damit zusammenhängen, daß der Papst ein besonderes Auge auf die Universität werfe.
Benedikt XVI. wolle, daß die einzige katholische Universität im deutschen Sprachraum eine der besten
Hochschulen Deutschlands werde – betonte auch der Präfekt der vatikanischen Bildungskongregation, Zenon
Kardinal Grocholewski, bei seinem letzten Besuch in Eichstätt.
Das Zögern des Vatikan könne aber auch
damit zusammenhängen, daß Hemel bereits in dritter Ehe lebt.
Der frühere Top-Unternehmenschef und
dreifache Vater ist derzeit mit einer Kolumbianerin verheiratet. Die Ehe ist laut dem Pressesprecher der
Universität allerdings kirchenrechtlich gültig.
Hemel selbst erklärte laut dem Boulevard-Magazin ‘Spiegel’:
„Es ist zu Verzögerungen gekommen. Ich bin überzeugt, daß die Bestätigung noch eingehen wird.“
Top-Manager
und Lions-ClubHemel studierte in Mainz und Rom katholische Theologie, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften,
Philosophie und Sprachwissenschaften. Danach promovierte und habilitierte er 1988 an der katholischen-theologischen
Fakultät der Universität Regensburg.
Dort war er anschließend als Privatdozent und außerordentlicher
Professor tätig.
1991 wechselte Hemel zur Unternehmensberatung ‘Boston Consulting Group’, bevor er 1996
in die Heidenheimer Medizin- und Pflegeproduktfirma ‘Hartmann AG’ eintrat.
Laut Pressestelle der Universität
Eichstätt gründete er 2006 gemeinsam mit seiner gegenwärtigen Frau die international tätige Stiftung
‘Kinder ohne Grenzen’, die sich unter anderem Kindern in den Elendsvierteln der kolumbianischen Millionenstadt
Medellín widmet.
In seinem Heimatort Laichingen 25 Kilometer westlich von Ulm engagiert sich Hemel außerdem
aktiv als Leiter des örtlichen Entwicklungs- und umweltpolitischen Aktionsprogramms ‘Agenda 21’, im katholischen
Pfarrgemeinderat Maria Regina sowie im Lions Club.
© Bild: Pressestelle Universität Eichstätt