Samstag, 12. April 2008 14:22
Es ist schon ein Fortschritt, daß ein Bischof sagt, daß gewisse Dinge getan gehören. Ob und wie sie tatsächlich umgesetzt werden, steht noch einmal auf einem ganz anderen Blatt.


Bischof Vitus Huonder von Chur
(kreuz.net, Chur) Am 3. April sprach der Bischof von Chur, Mons. Vitus Huonder, in der Stadt Zürich vor
dem Synodenstamm der Römisch-katholischen Synode des Kantons Zürich.
Die sogenannte Römisch-katholischen
Synode des Kantons Zürich ist ein nach staatlichen Gesetzen organisiertes Kirchenparlament, das die Kirchenfinanzen
kontrolliert und eine zwielichtige und häufig kirchenfeindliche Rolle spielt.
Während seiner Ansprache
sagte der Bischof unter anderem:
• Handlungsbedarf besteht bei der Glaubensverkündigung – zunächst
bei der Einführung der Kinder und Jugendlichen in das katholische Glaubensverständnis.
• Handlungsbedarf
besteht aber auch in der Erwachsenenkatechese. Junge Eltern sind beispielsweise nicht mehr in der Lage,
ihren Kindern und Jugendlichen den katholischen Glaubensreichtum zu vermitteln. Ihnen müssen wir beistehen
und sie zur Weitergabe des Glaubens befähigen.
• Eine erneuerte Katechese kann alsdann zum Zentrum
des katholischen Glaubens führen – zum sakramentalen Leben. Das Bewußtsein der Bedeutung der Sakramente –
vor allem eines fruchtbaren, nicht nur äußerlichen Empfangs dieser Gaben Gottes – hat in den vergangenen
Jahren stark gelitten und bedarf einer neuen Sinngebung und einer Vertiefung.
• Handlungsbedarf besteht
in der Befähigung Erwachsener allgemein, ihr Glaubenszeugnis – das einen engsten Zusammenhang mit der
Firmung hat – in ihrer Umwelt abzulegen und dadurch die Gesellschaft christlicher – oder wiederum christlicher –
werden zu lassen.
• Handlungsbedarf ist angezeigt in der Ökumene, wo der Dialog bezüglich der ganz
entscheidenden Fragen erst ganz zaghaft angelaufen ist. Die grundlegenden Probleme sind bislange zu wenig
bezeichnet und erörtert worden.
• Handlungsbedarf besteht auch bei der Weckung und Förderung von
geistlichen Berufungen. Zum Teil stellen wir diesbezüglich – in gewissen Gegenden und Pfarreien – eine
große Sterilität fest. Berufung wachsen aus der Mitte unserer Gemeinschaften heraus.
• Handlungsbedarf
stellen wir auch im Bereich der Diakonie und der Caritas fest, beziehungsweise besteht die Notwendigkeit,
das in den vergangenen Jahren Erreichte weiterführen zu können. Der gesellschaftliche Wandel, vor allem
die ökonomischen Probleme, fordern unsere ganze Aufmerksamkeit. Hier ist vor allem die kompetente Laienmitarbeit
gefragt.
• Handlungsbedarf besteht auch bei der Weiterentwicklung des Verhältnisses Kirche – Staat.
Wie gestaltet sich dieses Verhältnis in Zukunft, und wie gestaltet es sich noch besser auf der Grundlage
des Zweiten Vatikanischen Konzils?
Hierher gehört auch die Frage, in welcher Form eine Kooperation von
Kirche und Staat bezüglich der staatlichen Ordnung mit Blick auf die jeweiligen kirchlichen Organisationen
in Zukunft möglich und sinnvoll sein wird.