Sonntag, 13. April 2008 10:59
Mit vielen Einerseits und Andererseits schlängelten sich die Deutschen Bischöfe im August 1968 durch die Enzyklika ‘Humanae vitae’ von Paul VI. Der zweite Teil der ‘Königsteiner Erklärung’.


Papst Paul VI. veröffentlichte die Enzyklika ‘Humanae Vitae’.
(kreuz.net) 4. Das neue päpstliche Rundschreiben hat in der Kirche und in der Welt sehr viel Zustimmung
gefunden – ein Zeichen für die Übereinstimmung vieler Gläubigen, ja auch nichtkatholischer Christen
mit den Zielen des Papstes und mit grundsätzlichen Gedanken und Forderungen seiner Enzyklika.
Die Enzyklika
ist aber auch auf Widerspruch gestoßen. Bei Katholiken beruht dieser nicht auf einer grundsätzlichen
Ablehnung der päpstlichen Autorität.
In den letzten Jahren sind die Themen, die jetzt in der Enzyklika
behandelt wurden, sehr eingehend diskutiert worden.
Neue Fragestellungen und neue Gesichtspunkte theologischer
und profaner Wissenschaften, die auch in Rom bei der Vorbereitung der Enzyklika erörtert wurden, sind
weiten Kreisen bekannt.
Sie fanden im Schrifttum ihren Niederschlag, haben die katholische Ehe- und Familienarbeit
mitbestimmt und sind in den verschiedenen Formen der Erwachsenenbildung und des Apostolates der Laien
wirksam geworden.
Königsteiner Erklärung
Das neue päpstliche Rundschreiben hat in der Kirche und in
der Welt sehr viel Zustimmung gefunden (…).Die Enzyklika ist aber auch auf Widerspruch gestoßen.
Sie
hatten auch ihre Auswirkung auf die seelsorgliche Praxis.
Die Methoden der Verwirklichung verantwortlicher
Elternschaft wurden vielfach dem verantwortungsbewußten Gewissensurteil der Eheleute überlassen, ohne
daß dabei dem Ungehorsam gegen die Kirche, dem Subjektivismus oder der Willkür das Wort geredet wurde.
So ist es verständlich, daß viele Priester und Laien vom Heiligen Vater eine andere Entscheidung erwartet
hatten. Das erklärt auch das zwiespältige Echo auf das Erscheinen der Enzyklika.
5. Viele Priester
und Laien nehmen die Enzyklika ohne Einschränkung an. Sie danken dem Papst für den Mut und die Klarheit
seines Wortes. Sie verteidigen, privat und öffentlich, die von ihm ausgesprochene Lehre.
Andererseits
hat keine Enzyklika der letzten Jahrzehnte so viel Widerspruch gefunden wie diese. Die Diskussion um die
strittigen Fragen ist nicht beendet, sondern aufs stärkste entfacht.
Bei vielen Priestern und Laien,
die ebenso in Liebe zur Kirche stehen wollen, herrscht große Ratlosigkeit. Sie leiden nicht nur unter
den Schwierigkeiten, diese Lehre zu leben oder in die seelsorgliche Praxis umzusetzen.
Sie haben vielfach
auch ernste Gewissensbedenken, die in der Enzyklika ausgesprochenen Verpflichtungen zu bejahen und zu
vertreten.
6. Für viele Kritiker der Kirche ist allerdings das Rundschreiben auch zu einem Anlaß billiger
und manchmal sogar böswilliger Abreaktion antikatholischer, antikirchlicher oder antiklerikaler Vorurteile
und Affekte geworden.
Königsteiner Erklärung
Für viele Kritiker der Kirche ist allerdings das Rundschreiben
‘Humanae Vitae’ auch zu einem Anlaß billiger und manchmal sogar böswilliger Abreaktion antikatholischer,
antikirchlicher oder antiklerikaler Vorurteile und Affekte geworden.
Emotionen und unkritische Stellungnahmen
werden jedoch dem Ernst der Frage nicht gerecht.
Das Echo auf die Enzyklika ist auch zu sehen im Zusammenhang
mit der Glaubenssituation vieler Christen, mit der großen Sensibilität des heutigen Menschen in Fragen
der Autorität, mit dem vielfach bestehenden Verdacht auf eine im Vergleich zum Konzil rückläufige Bewegung
in der Kirche. Die Massenmedien tragen dazu bei, daß die vielschichtige Diskussion täglich Millionen
erreicht und nicht selten verwirrt.
7. Dieses ganze Geschehen hat aber nicht nur negative Aspekte. Wir
dürfen in ihm auch einen heilsamen Läuterungsprozeß sehen. Die Einstellung zum Geschlechtlichen wird
sachgerechter.
Es bahnen sich neue Formen der Verwirklichung von Autorität und Freiheit in der Kirche
an. Das Ganze kann ein wirksamer Beitrag zur Erneuerung der Kirche im Sinne des II. Vatikanischen Konzils
sein.