Samstag, 10. Mai 2008 17:06
Sie soll erhalten bleiben
Die Mundkommunion hält die Gefahr der Verunehrung der eucharistischen Gestalten fern. Sie fördert die Sorgfalt, mit der die Kirche stets die Fragmente des konsekrierten Brotes zu achten empfiehlt. Worte aus dem Vatikan.
Liturgieskandale sind heute gang und gäbe.
Liturgieskandale sind heute gang und gäbe.
(kreuz.net) Wenn sie das Gedächtnis des Herrn feiert, bezeugt die Kirche im Ritus selber ihren Glauben an Christus und ihre Anbetung.

Christus ist im heiligen Opfer gegenwärtig. Er wird denen als Speise gereicht, die am eucharistischen Mahl teilnehmen. Daher ist der Kirche an einer möglichst würdigen Feier der Eucharistie und an einer fruchtbaren Teilnahme an ihr sehr gelegen.

Sie wahrt dabei unversehrt die sich bis in unsere Tage entfaltende Überlieferung, deren Reichtum sich in ihre Praxis und ihr Leben überträgt.

Die Geschichte bestätigt, daß Feier und Empfang der Heiligen Eucharistie vielgestaltig waren.

So sind auch jetzt nicht wenige und nicht unbedeutende Änderungen im Ritus der Eucharistiefeier vorgenommen worden, die den geistlichen und psychischen Erfordernissen der heutigen Menschen besser entsprechen.


Wegen der gegebenen Verhältnisse wurde die Ordnung des Kommunionempfanges der Gläubigen erweitert durch Wiedereinführung der Heiligen Kommunion unter beiden Gestalten.

Dies war früher auch im lateinischen Ritus die übliche Form. Sie kam jedoch allmählich außer Gebrauch.

Das Konzil von Trient hat diesen vorgegebenen Befund dogmatisch anerkannt und als den damaligen Verhältnissen angemessen verteidigt.

Durch diese Wiedereinführung sind das Zeichen des eucharistischen Mahles und die vollständige Erfüllung der Weisung Christi durchsichtiger und lebendiger geworden.

Diese reichere Teilnahme an der Eucharistiefeier hat zudem hier und da im Laufe der vergangenen Jahre das Verlangen aufkommen lassen, zu jener Praxis zurückzukehren, daß das eucharistische Brot in die Hand der Gläubigen gelegt werde, die es dann sich selbst zum Munde führen.

Mehr noch: Ohne vorherige Zustimmung des Apostolischen Stuhles wurde dieser Ritus in einigen Gemeinschaften und mancherorts vollzogen, derart sogar bisweilen, daß es an der erforderlichen Vorbereitung der Gläubigen fehlte.

Es ist wahr, daß einst nach altem Brauch den Gläubigen gestattet war, die heilige Speise mit der Hand entgegenzunehmen und sich selber zum Munde zu führen, ja, in noch früherer Zeit, das Allerheiligste vom Ort der Opferfeier mit nach Hause zu nehmen, vornehmlich um es als Wegzehrung zu empfangen, falls sie um des Bekenntnisses ihres Glaubens willen ihr Leben einsetzen mußten.

Die kirchlichen Vorschriften und die Lehren der Väter bezeugen aber ausführlich die allergrößte Ehrfurcht und die höchste Vorsicht der heiligen Eucharistie gegenüber.

Denn „niemand genießt dieses Fleisch, er habe es denn zuvor angebetet“ – so Augustinus in den Enarrationes in Psalmos 98,9.

Jeder wird beim Empfang ermahnt: „Nimm es entgegen! Aber achte darauf, daß dir nichts verlorengehe“ – so Cyrill von Jerusalem in seinen Catecheses Mystagogicae 5,21.

„Denn es ist Christi Leib“ – so Hippolyt in der Traditio Apostolica 37.

Sorgsamer Dienst am Leib und Blut des Herrn war in ganz besonderer Weise den Geistlichen oder den eigens dafür bestellten Personen anvertraut:

„Nach der Danksagung des Vorstehers und nachdem das ganze Volk zugestimmt hat, teilen die bei uns sogenannten Diakone an jeden der Anwesenden von dem Brot und dem Wein mit Wasser aus, über welche die Danksagung gesprochen war, und bringen davon auch den Abwesenden“ – so Justin in seiner Apologia 1, 65.

Bald wurde der Dienst, die heilige Eucharistie den Abwesenden zu bringen, allein den Geistlichen übertragen.

So sollte beiden besser gedient sein – der dem Leib Christi schuldigen Ehrfurcht und der Situation der Gläubigen.

Mit dem tieferen Eindringen in Wahrheit und Bedeutung des eucharistischen Mysteriums und in die Gegenwart Christi in ihm, aus Ehrfurcht vor dem allerheiligsten Sakrament und aus Demut beim Empfang desselben wurde es später üblich, daß der Priester selber einen Teil des konsekrierten Brotes auf die Zunge des Empfangenden legte.

Diese Weise, die heilige Kommunion auszuteilen, soll – beim gegenwärtigen Stand der Kirche ganz allgemein betrachtet – erhalten bleiben.

Sie gründet nicht nur auf dem mehrere Jahrhunderte geübten Brauch. Sie ist auch Ausdruck der Ehrfurcht der Gläubigen vor der Eucharistie.

Sie schmälert keineswegs die personale Würde dessen, der zu einem so bedeutenden Sakrament hinzutritt.

Vielmehr dient sie auch der Vorbereitung, die ein möglichst segensreicher Empfang des Herrenleibes erfordert.

Solche Ehrfurcht gilt nicht „gewöhnlichem Brot und gewöhnlichem Trank“ – so Justin in seiner Apologia I, 66, sondern der Kommunion des Leibes und Blutes des Herrn, durch die „das Gottesvolk an den Gütern des österlichen Opfers teilnimmt, den neuen Bund, den Gott ein für allemal im Blute mit den Menschen geschlossen hat, erneuert und in Glaube und Hoffnung das endzeitliche Mahl im Reiche des Vaters im voraus zeichenhaft darstellt und bereits beginnt“ – so die Ritenkongregation in der Instruktion ‘Eucharisticum mysterium’, Nr. 3a aus dem Jahr 1967.

Diese herkömmliche Praxis gewährleistet auch zuverlässiger die erforderliche Ehrfurcht und die geziemende Würde bei der Spendung der heiligen Kommunion.

Sie hält die Gefahr der Verunehrung der eucharistischen Gestalten fern, unter denen „Christus in einzigartiger Weise ganz und unversehrt zugegen ist, Gott und Mensch, wesentlich und dauernd“.

Sie fördert die Sorgfalt, mit der die Kirche stets die Fragmente des konsekrierten Brotes zu achten empfiehlt: „Denn was du zugrunde gehen läßt, sollst du so betrachten, als ginge dir eines deiner eigenen Glieder verloren“ – so Cyrill von Jerusalem in seinen Catecheses Mystagogicae 5, 21.

Aus der Instruktion der vatikanischen Gottesdienstkongregation ‘Memoriale Domini’ vom 29. Mai 1969 über die Art und Weise der Kommunionspendung.

Nächstes Mal: Das Ergebnis einer Umfrage über die Handkommunion
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