Mittwoch, 16. April 2008 16:25
Besondere Merkmale des Alten Ritus sind die fehlende Wahlmöglichkeit bei Texten und Formen, die ausschließliche Verwendung von Latein, der nicht als Verkündigung zu erkennende Vortrag der Schriftlesung, die fehlende Mitwirkung der Laien, das Fehlen der Fürbitten und der Akklamation nach der Wandlung.


Alte Messe am Gründonnerstag in Maiden Lane.
(kreuz.net) Die Pfarrei Sankt Franziskus in München-Untergiesing hat den Zuschlag bekommen. Das berichtete
der dortige Pfarrer,
Hw. Simon Ascherl, im Februar-Mitteilungsblatt der Pfarrei.
Der ‘Initiativkreis
katholischer Priester und Laien’ mit Sitz in Augsburg habe ihm eine „doch beachtliche Liste“ mit Gläubigen
vor allem aus dem Münchner Süden und Südosten, übergeben, welche die Alte Messe wünschten.
Daraufhin
habe der damalige Erzbischof von München, Friedrich Kardinal Wetter, sein Einverständnis zur „Abhaltung“
einer Alten Messe gegeben.
Nach den Bestimmungen des Motu Proprio ‘Summorum Pontificum’ von Papst Benedikt
XVI. ist ein solches Einverständnis nicht notwendig.
St. Franziskus sei seitens des Initiativkreises
dabei als „geographisch gut plaziert“ angesehen worden.
„Dem Wunsch nach der Alten Messe darf ich mich
als Pfarrer laut ‘Summorum pontificum’ nicht verschließen“ – entschuldigt sich der Pfarrer: „An einem
der Sonntage nach Ostern soll nun in unserer Unterkirche zum erstenmal eine Messe im „alten“ Ritus gehalten
werden.“
Die angeblichen Unterschiede zwischen alt und neuDann erklärt Hw. Ascherl seinen Gläubigen
„auf die Schnelle“ die Unterschiede zwischen dem Alten und dem Neuen Ritus.
Die Alte Messe müsse in
Latein gefeiert werden: „Die neue Messe kann ganz oder in Teilen sowohl in der Kirchen- als auch in der
Landessprache gefeiert werden.“
Die gleiche Blickrichtung von Priester und Gemeinde sei „eigentlich“
kein Unterschied. Das sei angeblich auch bei der Neuen Messe möglich.
Die alte Liturgie kenne nur eine
Form des Bußaktes – die „erneuerte“ mehrere.
Die Lesungen des Wortgottesdienstes „müßten“ im Neuen
Ritus zum Volk hin und in der Landessprache vollzogen werden – nicht so im Alten Ritus.
Die neue Liturgie
habe eine „viel reichere“ Leseordnung, andere Gebete zur Gabenbereitung und kenne mehr Präfationen und
mehrere approbierte Hochgebete.
In der alten Liturgie müsse die Kommunion kniend und mit dem Mund empfangen
werden, in der neuen Liturgie sei diese Form angeblich „gleichberechtigt“ neben der Handkommunion und
dem Stehen.
Das Schlußevangelium des Alten Ritus entfalle im Novus Ordo.
Der Priester faßt zusammen:
„Keine besonderen Merkmale des Alten Ritus sind also: die lateinische Sprache, die Form der Gewänder
und Gefäße, die Ausrichtung des Altares, die musikalische Gestaltung in der klassischen Form.“
All
das gebe es im Neuen Ritus angeblich „genauso“. Das Zweite Vatikanum habe „all dies nicht nur nicht abgeschafft,
sondern die weitere Pflege nachdrücklich gewünscht“.
Als besondere Merkmale des Alten Ritus nennt Pfarrer
Ascherl: „in mehrerlei Hinsicht die fehlende Wahlmöglichkeit bei Texten und Formen, die ausschließliche
Verwendung der lateinischen Sprache, die nicht im engeren Sinne als Verkündigung zu erkennende Form des
Vortrags von Lesung und Evangelium, das Fehlen der Möglichkeit zur Mitwirkung von Laien vor allem bei
der Lesung, das Fehlen der Fürbitten und der Akklamation nach der Wandlung, sowie einige weitere nicht
sonderlich gewichtige Einzelheiten.“
Keine Erweiterung des rituellen ProgrammsBei den regulären Gottesdiensten
seiner Pfarrei ändere sich durch die Zelebration der Alten Messe „nichts“:
„In St. Franziskus haben
wir nun schon seit Jahren – vor allem bei Hochämtern – in vielerlei Hinsicht das verwirklicht, was der
Heilige Vater ebenfalls im Motu Proprio wünscht: die Befruchtung der beiden Riten miteinander“ – lobt
sich der Geistliche.
So hätten einige altehrwürdige, erlaubte und erwünschte „festliche Elemente“
in seiner Pfarrei schon lange wieder Eingang gefunden. Diese seien „eigentlich“ nie abgeschafft oder gar
verboten, sondern eventuell totgeschwiegen oder einfach schlichtweg vergessen worden.
Der Priester nennt
als Beispiele „die gute Kirchenmusik, die schönen alten Gewänder oder auch die lateinische Sprache bei
besonders festlichen Gottesdiensten.“
Der oft anzutreffende pure Experimentierdrang habe in seiner Pfarrei
keinen Platz:
„Wäre das überall geschehen, wäre der Ruf nach der alten Liturgie bei manchen vielleicht
nicht so exklusiv und zum Teil auch unversöhnlich ausgefallen“ – lobt er sich weiter.
Er sei als Pfarrer
fest der Meinung, „daß wir hier vor Ort für die Pfarrseelsorge keine Erweiterung des rituellen Programms
benötigen“ – wendet sich der Priester dann gegen Inhalt und Anliegen des Motu Proprio von Papst Benedikt
XVI.
Hw. Ascherl glaubt, „daß wir unseren Weg, Gottesdienst zu feiern, weitergehen sollen, ganz im Sinne
der Kirche, ihrer Lehre und Tradition, in Ehrfurcht vor dem heiligen Geschehen der Liturgie – und ! –
als Katholiken, die nach dem Zweiten Vaticanum leben wollen.“
Auf der anderen Seite sei es christliche
Pflicht, „herzliche Gastfreundschaft zu gewähren“.
Das wolle er als Pfarrer gerne und mit Freude tun:
„Zumal der Heilige Vater gerade in der Frage der Zulassung der »außerordentlichen Form 64er Liturgie“
Großzügigkeit wünsche.
Abschließend stellt der Priester fest, daß die Kirche die Messe in all den
Jahrhunderten angeblich „in immer wieder – ganz legitim – veränderter und ergänzter Form“ zelebriert
habe:
„Letztlich fällt es also nicht ganz so ins Gewicht, in welcher der von der Kirche erlaubten Formen
wir das tun, sondern
daß wir es tun, weil der Herr es uns aufgetragen hat“ – relativiert der Geistliche
abschließend sein Lob auf den Neuen Ritus.
© Bild: traditionalcatholic.org.uk