Donnerstag, 17. April 2008 10:55
Der designierte Präsident der Eichstätter Universität hat ein aus katholischer Sicht bedenkliches Leben hinter sich. Doch vielleicht wird seine Ernennung noch von anderen Faktoren verzögert.


Ulrich Hemel
(kreuz.net, Eichstätt) Der Journalist Georg Etscheit hat am Montag in der deutschen Wochenzeitung ‘Die
Zeit’ drei Gründe genannt, warum der Vatikan „Bedenken“
gegen die Ernennung von Ulrich Hemel zum neuen
Präsidenten der katholischen Universität Eichstätt haben könnte.
Eigentlich hätte der offizielle
Amtsantritt in Anwesenheit von Bischof Gregor Maria Hanke von Eichstätt bereits am 23. April stattfinden
sollen. Der Termin wurde aber abgesagt, weil das vatikanische ‘Nihil obstat’ noch nicht eingetroffen ist.
Obwohl Hemels aktuelle – dritte Ehe – mit einer Kolumbianerin kirchenrechtlich einwandfrei sei, hat Hemel
nach Etscheits Angaben dennoch einen für „einen möglichen Repräsentanten der katholischen Kirche eher
ungewöhnliche Lebenswandel“ hinter sich.
Hemels erste Ehe wurde vom Vatikan annulliert. Seine zweite
Frau heiratete er nur standesamtlich.
Mit seiner dritten Frau – der Kolumbianerin – ist er wieder kirchlich
verheiratet.
Als zweiten Grund für die Bedenken der Bildungskongregation nennt der Zeit-Journalist die
„freigeistigen Ansichten“ Hemels: Er sei zwar praktizierender Christ, habe aber an der Institution der
Kirche immer wieder „Kritik“ geübt.
Als Beispiel zitiert Etscheit ein Hemel-Interview, das ‘Süddeutschen
Zeitung’ im April 2005 nach der Wahl von Joseph Kardinal Ratzinger veröffentlichte.
Hemel habe diese
Wahl „alles andere als bejubelt“.
Laut Etscheit sei seine erste Reaktion eine „Mischung aus Freude, Sorge
und Hoffnung“ gewesen. Hemel damals wörtlich:
„Theologisch gesehen war Ratzinger eines der qualifiziertesten
Mitglieder im Kardinalskollegium, ein wacher Geist und hochgebildet.“
Aber er habe sich in den vergangenen
Jahren als Präfekt der Glaubenskongregation sehr deutlich an die Spitze einer konservativen Bewegung
in der katholischen Kirche gestellt und „sich teilweise zu fast schon radikalen Urteilen hinreißen lassen.“
Laut einem Bericht des ‘Bayerischen Rundfunks’ hat Hemel die katholische Kirche außerdem wiederholt
und öffentlich als äußerst schwierigen Arbeitgeber bezeichnet.
Schließlich erwähnt die ‘Zeit’ noch
einen dritten Grund, warum die Ernennung Hemels zum Präsidenten der Universität immer noch aussteht:
Hemel ist zwar habilitierter Professor, hat aber nur eine außerplanmäßige Professur für Religionspädagogik.
Die Grundordnung der Universität Eichstätt sehe aber vor, daß das Präsidentenamt nur von einem ordentlichen
Universitätsprofessor eingenommen werden solle.
Laut dem Pressesprecher der Universität, Constantin
Schulte-Strathaus, ist das jedoch keine „Muß-Bestimmung“.
© Bild: Pressestelle Universität Eichstätt