Mittwoch, 16. April 2008 18:37
Bush bombt. Benedikt boomt. Doch in der Öffentlichkeit präsentieren sich die beiden als Dream-Team. US-Katholiken erwarten Kritik. Pressesplitter zum Papstbesuch in den USA.
Ein Imageproblem?„Benedikt ist nicht nur »nicht gut bekannt, man kennt ihn schlecht«. So offen beschreibt
der päpstliche Nuntius in den USA, Erzbischof Pietro Sambi, das Imageproblem und sein relatives PR-Versagen.
Der Papst gelte nach drei Jahren noch immer als »harter, fast inhumaner Mann«. Nun könnten die Amerikaner
endlich Benedikts vollständige Reden hören, nicht nur Auszüge, und ihren Irrtum erkennen. Denn, so
Sambi, der Papst sei »kein Mann des Blabla; er ist ein Denker, er denkt, bevor er spricht. Und er betet
viel.«“
Uwe Schmitt in der deutschen Tageszeitung ‘Die Welt’.Zwei Zentimeter geschrumpft„Weil die
Fabrikationszeit so knapp war, gab es keine Gelegenheit mehr, alle Exemplare [der Meßgewänder für die
Pontifikalämter in den USA] maßzuschneidern. Nach Stadelmaiers Meinung sei das auch nicht notwendig
wegen der weit fallenden Form der Gewänder. »Wir sind vor Ort dabei, um die Größen anzupassen, zu
verlängern, zu kürzen, zu erweitern«. Vom Papst selbst hatte das Atelier die Maße noch aus der Zeit,
daß er Kardinal Ratzinger hieß. »Es stellte sich heraus, daß er seitdem zwei Zentimeter kleiner geworden
ist. Das konnten wir jetzt rechtzeitig berücksichtigen«.“
Aus einem Artikel in der Onlineausgabe des
deutschen Boulevardmagazins ‘Stern’.In der Heckscheibe des Kardinals„Als Papst Benedikt XVI. noch
Kardinal Joseph Ratzinger war, hat er Amerika bereits besucht. Eine Zeit, zu der er noch unbehelligt von
Fernsehkameras durch New York fahren konnte. Aus dieser Zeit gibt es eine schöne Anekdote. Von einer
Konferenz in Dallas kommend, auf dem Rückflug nach Rom, legte der Kardinal in »Big Apple« einen Tag
Zwischenstation ein. Auf der Stadtrundfahrt fing der Automotor seines Mannes vor Ort an zu stottern. In
Queens eilte ein Mechaniker zu Hilfe, entpuppte sich als jordanischer Christ, wollte kein Geld. »Die
ganze Welt lebt in New York«, soll Ratzinger gestaunt haben, »und jeder ist hilfsbereit«. Die Pointe
kam noch. Als er am Flughafen ausstieg, fuhr einer dieser netten Weltbürger so vehement auf den Wagen
seines Gastgebers auf, daß die Heckscheibe zersprang.“
Frank Herrmann aus Washington für ‘Rp-Online’.
„Ich liebe meinen deutschen Schäferhund“„Man achte bei diesem Anlaß einmal darauf, was die Jubelnden
so alles schwenken. Die Kitschindustrie hat den Markt nämlich glatt überschwemmt, nicht nur mit Baseballkappen
mit päpstlichem Konterfei, päpstlichen Miniaturfiguren mit Wackelkopf und päpstlichen Teddybären,
sondern sinnigerweise auch mit T-Shirts, auf denen »Ich liebe meinen deutschen Schäferhund« steht.
Auch ein Pope Cologne gibt es, Kölnischwasser. Kostet 29 Dollar und 95 Cent.“
Frank Herrmann aus Washington
für ‘Rp-Online’.Heimliche Seelenverwandte„Die USA sind immer ein tief religiöses Land geblieben.
Glaube und Patriotismus sind das, was die Gesellschaft jenseits des Atlantiks zusammenhält. Und sosehr
auch gestritten wird über Gott und die Welt – für die Mehrheit der Amerikaner sind der Glaube an Gott
und das Leben in der Moderne kein Widerspruch. Deshalb sind die amerikanischen Katholiken für Benedikt
XVI. mehr als ferne Glaubensbrüder. Es sind die heimlichen Seelenverwandten des Papstes.“
Aus einem
Bericht der Tageszeitung ‘Welt’ vom 15. April.Ermahnung erbeten„Sein Nachfolger absolviert also eine
Art Antrittsbesuch, auf Neudeutsch könnte man sagen, eine Promotion-Tour. Vor allem aber ist es eine
politische Reise. Vor den Vereinten Nationen will der Papst die Prinzipien einer gerechteren Weltordnung
skizzieren. Und im Weißen Haus trifft er auf einen Präsidenten, mit dem er zwar beim Schutz ungeborenen
Lebens einer Meinung ist, nicht aber beim wichtigsten Konflikt, der die Amerikaner umtreibt. Bush übergibt
den Krieg im Irak an den nächsten US-Präsidenten ohne ein Ausstiegs-Szenario. Benedikt plädiert für
eine rasche Lösung. Viele Amerikaner hoffen, daß er seinen Gastgeber öffentlich wenigstens sanft ermahnt.“
Aus einem Kommentar von Frank Herrmann für die deutsche Tageszeitung ‘Rheinische Post’.Eine hohe Ehre
„Noch nie hat US-Präsident Bush hier [am Flughafen] einen Besucher persönlich abgeholt. Bush zieht
es geradezu zum Heiligen Vater. Als dieser ihm die Gangway herab entgegenkommt, spendet ihm Bush, noch
immer mit Zug vorwärts strebend, gar mit gehobenen Händen Applaus. Herzlicher kann ein Empfang kaum
sein.“
Aus einem Kommentar von Alexander Schwabe für ‘Spiegel online’.