Donnerstag, 17. April 2008 15:20
Papst Benedikt XVI. hat während seines dreijährigen Pontifikats schon viel zu viele Fehltritte gemacht – meint eine kirchenfeindliche Truppe: Auch die Verweise auf das Zweite Vatikanum seien „im allgemeinen rituell erstarrt und manchmal tendenziös“.

Benedikt XVI. in Washington.
(kreuz.net) Die kirchenfeindliche Bewegung ‘Wir sind Kirche’ hat anläßlich des dritten Jarhestags zur
Wahl von Papst Benedikt XVI. am 19. April eine Pressemitteilung verfaßt.
Die Stellungnahme der Alt-68er
wurde passend zum gestrigen Geburtstag des Heiligen Vaters veröffentlicht.
Darin beklagt sich die Bewegung,
daß Benedikt XVI. die Säkularisierung der Welt nur negativ wahrnehme. Die kirchenfeindliche Vereinigung
sieht darin einen angeblichen Widerspruch zum Zweiten Vatikanischen Konzil, dessen Botschaft es sei, daß
die Gläubigen von der Welt auch lernen könnten. Der Säkularismus könne den Glauben „läutern“ – erklärt
der Verein, ohne dafür Beispiele zu geben.
Weiter stellen die die Alt-68er ein „striktes Zusammenwirken
zwischen der theologischen Orientierung Benedikts XVI. und dem kirchlichen Lehramt“ fest. Dieses habe
angeblich zu einer „Verhärtung“ der kirchlichen Doktrin und zu einer Neubetonung der „immer stärker“
hierarchisch und „autoritär“ ausgerichteten Struktur der Kirche geführt.
Für die Behauptung werden
auch „Beweise“ genannt.
Als erster Beweis wird die „Berufung ‘konservativer’ Bischöfe“ angeführt. Diese
würden anscheinend die „wichtigsten Ämter in der römischen Kurie“ bekleiden. Wieder fehlen handfeste
Beispiele.
Als zweiter Beweis dient die Wiedereinführung der Alten Messe „mit der zu spät und unglücklich
vorgenommenen Korrektur des Gebets für die Juden bei der Karfreitagsfürbitte“.
In einem dritten Punkt
wird die Wiederaufnahme der „Strafverfolgung“ von Theologen behauptet. Namentlich wird der notorische
Befreiungstheologe Jon Sobrino genannt.
Neben der Klage über ein angebliches moslemfeindliches Verhalten
des Papstes und einem wiederholten Festhalten an den Überzeugungen der vatikanischen Erklärung ‘Dominus
Jesus’ kommt die sexuelle Fixiertheit der Vereinigung als Hauptanliegen zur Sprache.
Sie kritisiert ein
angeblich „schleppendes Angehen großer und immer dringender werdender Probleme wie zum Beispiel die Rolle
des Bischofs von Rom und des Bischofskollegiums, die Ämterfrage, die Rolle der Frau in der Kirche, die
Sexual- und Familienethik“.
Der Gruppierung sind auch die Verweise des Papstes auf „das Konzil“ nicht
willkommen. Diese würden „im allgemeinen rituell erstarrt und manchmal tendenziös“ ausfallen. Der Heilige
Vater weigere sich außerdem, einen – bisher nicht näher bekanntgewordenen – „Erneuerungsweg im »Geiste«
des Konzils fortzusetzen“.
‘Wir sind Kirche’ sieht ein weiteres Problem darin, daß der Papst den „impliziten
Willen“ habe, „
eine christliche Kirche wiederzuerrichten“.
Außerdem sei Benedikt XVI. zu stark auf
den Westen orientiert: Die befreiungstheologisch inspirierte „Option für die Armen wird auf eine Nebensache
reduziert“, klagt die Organisation, ohne zu erwähnen, daß die Stammlande der Befreiungstheologie heute
den Sekten in die Arme fallen.
Auch die Ökumene sei „durch die übertriebene Betonung der Zentralität
der römischen Kirche“ auf einen „Tiefpunkt“ gelangt, heißt es in der Pressemitteilung. Diese Behauptung
wird jedoch durch die Feststellung, den orthodoxen Kirchen würden die Türen geöffnet, zwei Sätze später
wieder relativiert.
Ökumene im Sinn von „Wir sind Kirche“ wird offensichtlich einseitig als Ökumene
mit den toten protestantischen Gemeinschaften verstanden, während Ökumene mit den Orthodoxen abgelehnt
wird – „denn diese ergreifen wie Rom Partei gegen den Modernismus“.
Gegen Ende der Pressemeldung befürchtet
die Vereinigung, daß „Ratzinger – in Verkennung des Zweite Vatikanums – gewissermaßen den Weg einer
»Gegenreform« eingeschlagen“ habe.
Trotz dreiseitiger Jammerei gibt die Gruppierung die Hoffnung nicht
auf: „Wir wünschen uns sehr, daß dieses an Schattenseiten noch viel zu reiche Pontifikat einen Wendepunkt
erreicht.“
Seit jeher sei es das Anliegen der kirchenfeindlichen Gruppierung, daß der Bischof von Rom
durch seinen Verzicht auf historische Vorrechte zum „glaubhaften Zeugen“ des Evangeliums werden könne.