Freitag, 18. April 2008 11:32
Wieviel Mitschuld hat das Erste Vatikanische Konzil an der Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanum. Und: Wäre es angebracht, das Fest der Heiligen Johanna von Orleans in Rot zu zelebrieren? Fragen, die Martin Mosebach dem Papst stellen würde.


Martin Mosebach im Vatican Magazin.
(kreuz.net, Vatikan) Die bekannte Monatszeitschrift ‘Vatican Magazin’ fragt in jeder Ausgabe eine mehr
oder weniger bekannte Person, was sie schon immer vom Papst wissen wollte. Die Artikelreihe läuft unter
dem Titel „Zehn Fragen, die ich Benedikt XVI. immer schon einmal stellen wollte…“.
Die zehn Fragen
in der April-Ausgabe stammen vom deutschen Schriftsteller Martin Mosebach, der sich schon seit Jahren
für die Alte Messe einsetzt.
Mosebach würde den Papst zuerst fragen, ob man den überzogenen Papalismus
nach dem Ersten Vatikanum nicht als eine Ursache für die Meßreform von Papst Paul VI. begreifen könnte.


Johanna von Orleans. Darstellung des französischen Klassizisten Jean Auguste Dominique Ingres († 1867)
Zweitens stellt er die Frage, warum das Fest der Heiligen Johanna von Orleans († 1431) nicht im Rot der
Märtyrer gefeiert werden darf: „Weil es katholische Bischöfe waren, die sie zum Martyrium verurteilt
haben?“
Als nächstes widmet sich Mosebach den „immer gründlicher scheiternden“ Versuchen der westlichen
Kunst, ein für die Liturgie taugliches Bild Christi zu schaffen. Er fragt, ob man nicht zu einem verbindlichen
Christusbild – etwa dem Turiner Grabtuch oder der Christusikone des Katharinenklosters auf der Halbinsel
Sinai – zurückkehren sollte.
Die vierte Frage Mosebachs brennt vielen Altgläubigen auf der Seele: „Hat
der Heilige Vater vor, in der Öffentlichkeit einmal eine Heilige Messe im Außerordentlichen Ritus zu
feiern?“ Mosebach
Mosebach hört von Bischöfen,
sie würden durchaus einmal eine Heilige Messe im Alten
Ritus zelebrieren, wenn erst der Papst eine solche Heilige Messe gefeiert habe.
erklärt, daß mehrere
Bischöfe nach eigener Aussage bereit wären, einem solchen Beispiel des Papstes zu folgen.
Die nächste
Frage beschäftigt sich mit dem Jesusbuch des Papstes. Dort bezeichnet Benedikt XVI. das christliche Kaisertum
als satanische Versuchung. Mosebach fragt, ob man das Kaisertum römischer und byzantinischer Prägung –
angesichts des unerschöpflichen Reichtums der von ihm hervorgebrachten christlichen Kultur nicht mindestens
als „felix culpa“ – glückselige Schuld – sehen müßte.
Sechstens fragt Mosebach, ob man das vorchristliche
Heidentum nicht ganz ausdrücklich als ein zweites Altes Testamtent begreifen müßte.
In seiner siebten
Frage widmet sich Mosebach dem interreligiösen Dialog. Er fragt, ob es dessen Ziel sein könne, das Kreuz
den Juden etwas weniger ärgerlich und den Heiden etwas weniger töricht erscheinen zu lassen.
Sein Gegenvorschlag:
Die Torheit und das Ärgernis des Kreuzes durch den Dialog noch sichtbarer werden lassen.


April Ausgabe des Vatikan-Magazins
In seiner achten
Frage behandelt Mosebach die
Abschaffung des päpstlichen Titels „Patriarch des Westens“ durch Papst Benedikt
im Juni 2006. Die orthodoxe Gemeinschaft betrachtete den Schritt als Aufhebung einer angeblichen Selbstbeschränkung
des Papstes gegenüber der Orthodoxie: „War diese Wirkung intendiert?“
Neuntens fragt Mosebach, ob die
theologische Verschwisterung von Glaube und Vernunft im Christentum als eine Religion der unauflösbaren
Paradoxien betrachtet werden könnte.
In der zehnten und letzten Frage Mosebachs geht es um das Gebet:
„Könnte der Heilige Vater nicht ein für den Westen neues Gebet, das orthodoxe Monologion, den orthodoxen
Rosenkranz, stiften?“