Samstag, 19. April 2008 17:12
Sätze, wie sie Kant, Fichte oder Hegel konstruiert haben
Papst Benedikt XVI. ist Sympathieträger. Die problematischen Themen – Massenabfall der Gläubigen, Kinderabtreibung, Homo-Unzucht und Ehescheidung – spart er aus. Pressesplitter zum Papstbesuch.
Papst Benedikt XVI. besuchte zum zweiten Mal eine Synagoge.
Papst Benedikt XVI. besuchte zum zweiten Mal eine Synagoge.
Professoren-Latein

„Es ist eine leise Stimme, die sich hier zu Wort meldet. Es ist die Stimme eines Gelehrten, der nicht durch die Emphase der Rede überzeugen muss, sondern durch deren Inhalt. Es ist die Stimme eines bescheidenen und feinsinnigen Menschen, der nicht versucht, durch Lautstärke und Theatralik zu punkten. […] Er liest Sätze vor, wie sie Kant, Fichte oder Hegel konstruiert haben könnten. Es ist eine Rede, die das theologische Fundament liefert für die von seinem Vorgänger geforderte Uno als ‘moralisches Zentrum’.“

Alexander Schwabe in einem Kommentar „Rückfall ins Professoren-Latein“ für ‘Spiegel online’ vom 19. April.

Die Rede vor den Vereinten Nationen im Wortlaut

Endlich Klartext?

„Wie geht es nun weiter? Zwar hat die katholische Kirche in den USA dank der legalen wie illegalen Einwanderung von Millionen Katholiken aus Lateinamerika noch immer 65 Millionen Gläubige. Doch darauf darf sie sich nicht ausruhen. Das weiß Benedikt XVI. sehr wohl. Er weiß auch, daß seinen Worten Taten folgen müssen. Josef Ratzinger wird im Tonfall zwar sanft und freundlich bleiben, aber hinter verschlossenen Türen mit seinen Kollegen in den USA – vom einfachen Priester bis zum Bischof – Klartext reden. Endlich.“

Aus einem Kommentar von Peter Königsberger für die ‘Allgemeine Zeitung’ Mainz

Popularität statt Theologie?

„Dieser Papst aus Marktl am Inn, mag man nun Benedikt-Fan sein oder nicht, ist fähig und in der Lage zu großen humanen Gesten und herausragender Herzensgüte. Zwar hat er sich bisher nicht überall und immerzu beliebt gemacht, etwa durch die Regensburger Attacke auf Mohammed oder das jüngste Fürbitten-Ansinnen an die Juden, sie möchten doch Jesus als Gottes Sohn anerkennen. Doch über diese theologischen Feinheiten hinaus kann der Papst auch ins populäre Fach der Mitmenschlichkeit greifen.“

Aus einem Kommentar von Albert Franz in der Oberpfälzer Regionalzeitung ‘Der neue Tag’.

Historisches Ereignis

„Mit seinem Besuch in der Park East Synagogue von Manhattan hat Papst Benedikt XVI. am Freitag dem Dialog zwischen Juden und Christen einen neuen Impuls gegeben. Rabbiner Arthur Schneier, ein gebürtiger Wiener, der als Jugendlicher in Budapest die Hölle der nationalsozialistischen Judenverfolgung überlebt hat, hieß den Papst zu der knapp halbstündigen Begegnung willkommen und sprach von einem ‘historischen Ereignis’.“
Aus einem Bericht der österreichischen katholischen Nachrichtenagentur ‘Kathpress’ vom 19. April

Er kann nicht anders

„In ihrem Innern hält die Kirche bis heute wenig von den Rechten der Frauen, der sexuellen Minderheiten, aber auch von der Gewaltenteilung oder dem rechtlichen Gehör für fehlbare Gläubige. In den letzten Tagen liefen die Medien in den USA abermals Gefahr, Benedikt zum Weltgewissen zu überhöhen.“

Der antikirchliche Journalist des Schweizer ‘Tagesanzeiger’, Michael Meier, in einem Kommentar zur Papstrede vor der UNO.

Bewegende Bankrotterklärung

„Mit schamhaft gesenktem Haupt hörte sich Benedikt die Schicksale der Opfer an, hielt ihre Hände und betete gemeinsam mit ihnen das »Vater Unser«. Tränen flossen. Eine bewegende Begegnung, wie drei Betroffene später zu Protokoll gaben. […] Die Entschädigungszahlungen in Höhe von insgesamt mehr als zwei Milliarden US-Dollar führten sechs Diözesen in den Bankrott.“

Aus einem Artikel der Schweizer Regionalzeitung ‘St. Galler Tagblatt’ vom 19. April.
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