Montag, 21. April 2008 13:38
Der Papst hat es schon gesehen
Alles begann mit einer „Traurigen Vorstellung des erschrecklichen Jüngsten Gerichtes“. Seit dreißig Jahren leitet ein örtlicher Malermeister das Geschehen.
Portrait zum aktuellen Stück: Josef Kößlinger (Augustinus) und Paula Aiblinger (Monika)
Portrait zum aktuellen Stück: Josef Kößlinger (Augustinus) und Paula Aiblinger (Monika)
(kreuz.net) Bad Endorf ist eine Marktgemeinde in Oberbayern – 15 Kilometer nordöstlich von Rosenheim. Seit zweihundert Jahren wird dort das geistliche Theater gepflegt.

Dieses Jahr steht das Stück „Heiliger Augustinus und Mutter Monika“ auf dem Programm. Konrad Schauer, erster Vorstand der Theatergesellschaft, stellte sich einigen Fragen.

Seit wann gibt es in Bad Endorf das religiöse Theater?

Die religiösen Schauspiele der Bad Endorfer Theatergesellschaft haben eine lange Tradition und gehen zurück auf das Jahr 1790.

Was war das erste Stück?

Das erste Stück war eine „Thraurige Vorstehlung dess Erschrecklichen Jingsten Gerichts“. Es wurde auf einer Wiese in Teisenham, einem Ortsteil von Bad Endorf aufgeführt.

Wie ging es weiter?

Ab diesem Zeitpunkt wird in Bad Endorf Theater gespielt. Anfangs wechselten sich christliche und nichtchristliche Stücke ab. Aber ab Ende des 19. Jahrhunderts wurden fast ausschließlich Werke aufgeführt, die das Leben von Seligen und Heiligen, sowie Episoden aus der Bibel beschreiben.

Lediglich während der beiden Weltkriege fielen die christlichen Stücke aus. Aber seit 1946 wurde Jahr für Jahr ohne Unterbrechung ein religiöses Theaterstück gespielt.


Wer ist der Autor von „Heiliger Augustinus und Mutter Monika“

Das Stück wurde von Hubert Bomba, einem unserer Hausautoren, verfaßt. Es kam im Jahr 1963 zum ersten Mal auf die Bühne.

Ist Bomba ein bayrisches Lokaltalent?

Nein. Herr Bomba ist ein gebürtiger Schlesier. Er kam Ende des Zweiten Weltkriegs nach Endorf. Im Laufe seines Lebens verfaßte er insgesamt dreizehn Stücke für das Bad Endorfer Volkstheater. Er verstarb leider für uns viel zu früh im Jahr 2005.

Sind katholische Themen wieder aktuell?

Ich möchte die Frage nicht nur auf „katholisch“ beschränken, sondern auf „religiöse Themen“ ausweiten. Wir leben heute in einer hektischen Zeit, oft oberflächlich und ohne nach dem Sinn des Lebens zu fragen. Zeit und Geld sind oft die wichtigsten Dinge unseres Lebens. Wir vergessen, daß es Wichtigeres gibt.

Steckt hinter der Aufführung auch ein geistliches Anliegen?

Ja. Viele Menschen suchen Auswege in der Esoterik oder in Sekten. Wir wollen mit unseren Stücken den Menschen die Möglichkeit geben, zur Besinnung zu kommen und Ruhe zu finden. Wie sagte der Heilige Augustinus: „Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in Dir“.

Und die Besucher?

Unsere Besucherzahlen sagen uns, daß es für viele ein Bedürfnis ist, sich mit religiösen Themen zu beschäftigen.

Wer sind die Schauspieler?

Unsere Darsteller sind alles Laien, Leute wie „du und ich“. Sie opfern – falls man hier überhaupt von einem Opfer sprechen kann – mit Begeisterung Jahr für Jahr viel Freizeit, um diese Themen darzustellen und damit die Zuschauer zu erfreuen und zu erbauen.

Gibt es Altersgrenzen?

Nein. Manche sind von Geburt an dabei. Andere kamen oder kommen später dazu. Für viele endet ihre Theaterkarriere nur aus gesundheitlichen Gründen oder mit dem Tod.

Nicht zu vergessen sind aber auch die vielen helfenden Hände hinter der Bühne. Sie tragen neben den Schauspielern auch sehr viel zum Gelingen der Aufführungen bei.

Wer ist der Regisseur?

Unser Spielleiter – wie wir sagen – ist Herbert Ramoser. Er stammt aus unseren eigenen Reihen und hat selber schon einige Hauptrollen gespielt. Der Spielleiter ist seit fast sechzig Jahren mit unserer Bühne verwurzelt. Seit etwa dreißig Jahren leitet er unsere religiösen Stücke.

Durch seine lange Zugehörigkeit ist er mit den technischen Möglichkeiten unserer Bühnen bestens vertraut. Genauso wichtig ist aber auch die Kenntnis über die Fähigkeiten der einzelnen Spieler.

Was macht Herr Ramoser im zivilen Leben?

Herbert Ramoser ist von Beruf Malermeister und gestaltet zugleich die Bühnenbilder.

Wo werden diese Stücke aufgeführt?

Die Theatergesellschaft ist stolz darauf, ein eigenes Theaterhaus mit 640 Sitzplätzen zu besitzen.

Wie kam das zustande?

Die Geschichte des Theaterhauses ist sehr bewegt. Im Jahr 1865 schlossen sich zwölf Spieler zusammen, um den Bau eines Theaterhauses zu finanzieren. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden die Stücke in einem Stadel, bzw. in einem Gasthof aufgeführt.

Diese zwölf Spieler heißen noch heute im Bad Endorfer Volksmund „die zwölf Apostel“.

Und dann?

Diese zwölf „Theaterer“ gründeten im Jahr 1910 eine Gesellschaft zur örtlichen Wasserversorgung und brachten ihren Eigentümeranteil am Theaterhaus in diese Gesellschaft ein.

Somit ging das Theaterhaus in den Besitz dieser Gesellschaft über. Im Jahr 2001 konnte die Theatergesellschaft das Gebäude zurückkaufen und somit den kommenden Generationen eine gesicherte Theaterheimat schaffen.

Was sind die Höhepunkte des Theatervereins?

Eigentlich bietet jedes Jahr Höhepunkte. Jedesmal, wenn wir Spieler spüren, daß wir es „rübergebracht“ haben, wenn wir die Ergriffenheit der Zuschauer erfahren, dann fühlen wir uns glücklich und zufrieden.

Besondere Theatergäste?

Zu den Höhepunkten der Vergangenheit gehören mit Sicherheit der Besuch von Josef Kardinal Ratzinger. Er sah das Stück „Heiliger Augustinus und Mutter Monika“ bei uns im Jahr 1981.

Weitere Denkwürdigkeiten aus der Vergangenheit?

Unvergeßlich war natürlich die 200-Jahrfeier mit Fahnenweihe im Jahr 1990, der Theaterhausrückkauf im Jahr 2001 sowie die Begegnung der Theatergesellschaft mit Papst Benedikt XVI. im April 2007 in Rom.

Zukunftspläne?

Für die Zukunft wünsche ich mir, daß die kommenden Generationen die Tradition fortsetzen, daß sie bereit sind, Zeit zu opfern, um auch weiterhin das Evangelium „spielerisch“ zu verkünden. Ich wünsche mir auch, daß die Heiligen, die wir darstellen, auch zukünftig ihre schützende Hand über unser Theater halten.

Bildergalerie vom Besuch Kardinal Ratzingers
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