Montag, 21. April 2008 09:37
Ein gehässiges Plädoyer für die christliche Liebe
Altliberale Hinterbänkler, die dem Zeitgeist von vorvorgestern anhängen und sich als kirchliche kalte Krieger gefallen, haben kürzlich eine von den antikirchlichen Medien heiß bejubelte Knallpetarde gegen ihren Diözesanbischof gezündet.
Eine altliberale Teezeit
Eine altliberale Teezeit
(kreuz.net) Der kirchenfeindliche Lokalverein nennt sich etwas umständlich „Bündnerinnen und Bündner für eine glaubwürdige Kirche“. Kürzlich hat er dem Bischof von Chur, Mons. Vitus Huonder, einen undatierten Offenen Brief zugesandt.

Chur ist die Hauptstadt des Südostschweizer Kantons Graubünden. „Bündner“ ist die deutsche Bezeichnung der Bewohner dieses Kantons.

Das Schreiben ist von einem nicht näher identifizierten Urs Willi und einer gewissen Christine Bucher unterschrieben.

Die Gruppierung besteht inzwischen fast ausschließlich aus Pensionisten. Sie wurde im März 1992 von Erzfeinden des jetzigen Erzbischofs von Vaduz und damaligen Bischofs von Chur, Mons. Wolfgang Haas, gegründet.

Seit der Absetzung von Mons. Haas als Bischof von Chur durch Papst Johannes Paul II. im Jahr 1997 war der polemische Verein weitgehend in der Versenkung verschwunden.

Der Bischof von Chur, Mons. Vitus Huonder
Der Bischof von Chur, Mons. Vitus Huonder
Anlaß für seine jüngste Wiedergeburt waren die Namen von zwei möglichen Churer Weihbischöfen, die kürzlich in Umlauf gebracht wurden.

In dem Offenen Brief gibt die Gruppierung zuerst eine finstere und pessimistische Beurteilung der Lage im Bistum Chur:

„In den Leitungsgremien Domkapitel und Bischofsrat gehören praktisch alle neu Ernannten der konservativen, rückwärtsgewandten Richtung an“ – glauben die in die Jahre gekommenen altliberalen Nostalgiker.

Der Bischof versuche „offensichtlich“, das Rad der Zeit hinter das Zweite Vatikanische Konzil zurückzudrehen – unterstellt die Gruppe, ohne zu sagen, wie das praktisch gehen sollte.

Weniger kritisch sehen die Schreiber sich selber. Sie halten sich für „aktiv, engagiert und aufgeschlossen“.

Die Wahrnehmung der Wirklichkeit ist bei den Unterzeichnern auch in anderen Bereichen verzerrt.

Es scheint ihnen nicht aufgefallen zu sein, daß sich die Kirche seit dem Zweiten Vatikanum in der offenen Auflösung befindet. Statt dessen möchten sie konservativ die bestehenden Zustände im Bistum Chur zementieren und fragen den Bischof ungläubig:

„Welches sind die Glaubensgüter und die Substanz, die nach Ihrer Ansicht in der unmittelbaren Folgezeit des Konzils verlorengegangen sind und die nun eine konservative Wende erfordern?“

Die Churer Diözese hat wegen der liberalen Mißwirtschaft im Klerus seit dem Zweiten Vatikanum über 90% seiner Gläubigen verloren. Die heute noch praktizierenden Katholiken wurden zu fast 100% vor dem Zweiten Vatikanum kirchlich sozialisiert.

Kinder, Jugendliche und junge Familien haben sich seit den liberalen Umwälzungen in der Kirche fast zur Gänze verabschiedet.

Dann unterstellt der kurzsichtige Verein manichäisch, daß zwischen der „faszinierenden Botschaft Jesu“ und dem Kirchenrecht ein Gegensatz bestehe und daß dessen Anwendung dem Heil der Seelen grundsätzlich schade:

„Haben Sie den letzten Satz im Codex vergessen, der da lautet »das oberste Gesetz ist das Heil der Seelen«?“ – brüllt die Gruppierung dem Bischof in die Ohren.

Die „Bündner für eine glaubwürdige Kirche“ versuchen auch die Glaubwürdigkeit der erwähnten zwei Weihbischofs-Kandidaten in den Dreck zu ziehen.

Von einem der zwei behaupten die verbissenen Kirchenfeinde zum Beispiel, daß er „verbissen“ gegen die angeblich „demokratisch verfaßten Landeskirchen“ kämpfe.

Die Schweizer Landeskirchen sind vom Staat gewollte, von kirchenfernen Politikern kontrollierte Körperschaften, welche die üppigen Kirchensteuereinnahmen kontrollieren.

Anschließend zieht die Gruppe ein weiteres Mal an den Ohren von Mons. Huonder und vermißt in dessen bisherigem Wirken „das von Papst Johannes XXIII. geforderte »aggiornamento« der Kirche“.

Johannes XXIII. war ein Papst in der Mitte des letzten Jahrhunderts.

Den Begriff „aggiornamento“ definiert der Verein unter anderem als „waches Bewußtsein für die Herausforderungen der Gegenwart“. Letztere beurteilt der Verein nach Kriterien der späten 60er Jahre des letzten Jahrhunderts.

Es gelingt dem Offenen Brief somit nicht, nachzuweisen, daß das Bewußtsein für die Gegenwart bei Bischof Huonder geringer ausgebildet wäre als bei den „Bündnern für eine glaubwürdige Kirche“.

Nach viel Drohbotschaft, Pessimismus, Schwarzmalerei und militärischem Befehlston folgt in dem Offenen Brief abrupt und unvermeidlich der altliberale Hinweis auf die „Frohbotschaft“:

„Es ist Ihre Aufgabe, die Frohbotschaft vom Reiche Gottes zu verkünden, und nicht, Rom zu gefallen“ – befehlen die Unterzeichner dem Bischof, ohne ihren staubigen, antirömischen Affekt zu verbergen.

Schon Papst Johannes XXIII. habe auf dem Sterbebett – „elf Tage vor seinem Tod“ – von den „Zeichen der Zeit“ gesprochen, wobei der Brief übersieht, daß Johannes XXIII. ebenfalls ein römischer Papst war, dem man nach der Diktion des Briefes offenbar „nicht gefallen“ soll.

Unter „Zeichen der Zeit“ seien „sicher nicht Modeströmungen des Zeitgeistes zu verstehen“ – schulmeistert der Verein sodann:

„Ein populistisches Zeitgeist-Christentum“ – wie es im übrigen von dem Verein vertreten wird – „würde bald zu einem Seifenblasen-Glauben verkommen, der schillert, platzt und vergeht“, sehen die Unterzeichner ihr Schicksal voraus.

Dann identifiziert der Brief die „Zeichen der Zeit“ positiv mit „der Moderne“.

Die Moderne ist eine Epoche des Zeitgeistes, die mit dem Ende der großen Ideologien des vergangenen Jahrhunderts zu Ende gegangen ist.

Zum Abschluß jubeln die rabiaten Briefeschreiber der Aussage von Hw. Eugen Biser zu, wonach „das Christentum die Liebeserklärung Gottes an die Welt und an die Menschen“ sei.

Schade, daß Hw. Biser nie etwas von einer Liebeserklärung an Bischof Huonder geschrieben hat.

© Titelbild: Joe Goldberg, CC
© Bild Mons. Huonder: Bistum Chur
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