Montag, 21. April 2008 16:03
Der sogenannte islamische Terror forderte wesentlich weniger Tote als die britische oder die französische Revolution in Europa.


Wielange wird sich der Schleier der Musliminnen im Westen halten?
(kreuz.net) Einen Kampf der Kulturen gibt es nicht. Das erklärte der französische Historiker und Buchautor
Emmanuel Todd im Gespräch mit der Sonntagsausgabe der Schweizer Tageszeitung ‘Neue Zürcher Zeitung’.
Todd arbeitet seit 1984 am ‘Nationales Institut der Bevölkerungsstudien’ und wirkte sowohl für den
früheren konservativen Präsdienten Jacques Chirac als auch für die Kommunisten als einflußreicher
Wahlhelfer.
Der Historiker findet keine stichhaltigen empirischen Belege für den angeblichen Kampf der
Kulturen. Es gäbe lediglich ideologische Konstrukte der Politiker und Medienkonzerne:
„Da wird einfach
alles – Immigration, Terrorismus, Islamismus und die Situation in den muslimischen Ländern – in einen
Topf gemischt. Und schon sitzt der Mythos in den Köpfen.“
Die Leute im Westen fürchteten, von den Muselmanen
zahlenmäßig überholt zu werden.
Geburtenraten
„In Saudiarabien hat eine Frau heute im Durchschnitt weniger
als drei Kinder, in Tunesien und in Iran nur noch zwei. Das entspricht dem Wert der USA oder Frankreichs.
Aserbeidschan liegt mit 1,7 Kindern pro Frau wie England sogar unter dem Wert, der für die Erhaltung
der Bevölkerung nötig ist.“
Anhand der Geburtenrate enttarnt Todd diese These als Mythos. Die islamischen
Staaten näherten sich diesbezüglich dem tiefen europäischen Niveau an:
„In Saudiarabien hat eine Frau
heute im Durchschnitt weniger als drei Kinder, in Tunesien und in Iran nur noch zwei. Das entspricht dem
Wert der USA oder Frankreichs. Aserbeidschan liegt mit 1,7 Kindern pro Frau wie England sogar unter dem
Wert, der für die Erhaltung der Bevölkerung nötig ist.“
Laut dem Historiker sinkt die Geburtenrate
als Folge der Alphabetisierung: „Noch vor dreißig Jahren glaubte man, daß dies in der Dritten Welt nicht
passieren würde – und nun sehen wir aufgrund der empirischen Daten, daß es gleichwohl passiert.“
Todd
vermutet, daß die Abfolge von Alphabetisierung und Abnahme der Geburtenrate „in Richtung Demokratie“
führt.
Bei den Muselmanen sei ein Modernisierungsprozeß wie im Westen im Gang:
„Sogar wenn man den
algerischen Terror und die iranische Revolution mitrechnet, hat die islamistische Gewalt bis heute weniger
Blut gekostet als die Revolutionen in Frankreich und in England, der Protestantismus und der Nationalsozialismus.“
Als Beispiel nennt Todd den Iran. Dort habe mit dem Sturz der Monarchie eine echte Revolution stattgefunden.
Der Historiker vergleicht die iranische Revolution mit der französischen ab 1789.
Trotz der Appelle
des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad an die Gebärfreude hätten Iranerinnen im Schnitt nur
noch zwei Kinder. Todd erinnert auch daran, daß an den iranischen Universitäten mehr Frauen als Männer
studieren.
Die iranische Gesellschaft sei weit pluralistischer als ihr Ruf:
„Wir befinden uns in der
christlichen Welt historisch gesehen einfach in einer fortgeschrittenen Phase – und die muslimische Welt
ist daran, alle Etappen, die wir durchlaufen haben, ebenfalls zu durchlaufen.“
Europa bezeichnet Todd
als „faktisch entchristlicht“. Es gäbe zwar noch Gläubige, die beten und zur Kirche geben, aber sie
seien eine kleine Minderheit. Die Religion habe ihre soziale Bedeutung verloren: „Metaphysisch gesehen
leben wir in der absoluten Leere.“
Todds Fazit: „So wie Europa eine Entchristianisierung erlebt hat,
so dürfte es in der muslimischen Welt zu einer Ent-Islamisierung kommen.“
© Titelbild: Muslim Student
Association – Vanderbilt University, CC