Dienstag, 22. April 2008 17:57
Notschlachtung des Pfarrers geglückt
Der Beruf des Pfarrers ist heute ein Schleudersitzposten. Dabei ist der Hirte der Herde von Wölfen, die er zu betreuen hätte, meist ziemlich schutzlos ausgeliefert.
Der Schleudersitz beim Militär
Der Schleudersitz beim Militär
(kreuz.net) Im Januar wurde der Beschluß des Kirchenrates der katholischen Kirchgemeinde Horw bekannt, den Pfarrer von Horw, Hw. Markus Vogel (55), für die kommende Amtsperiode nicht mehr wiederzuwählen.

Horw ist ein südlicher Vorort der Innerschweizer Stadt Luzern. Der Ort gehört zum Bistum Basel. In der Schweiz müssen die Geistlichen von der Kirchgemeinde gewählt werden.

Gegen den Entscheid des Kirchenrates entstand Opposition. Am 19. März 2008 kam in Horw ein Referendum dagegen zustande.

Darauf ordnete der Synodalrat der römisch-katholischen Landeskirche Luzern – ein der Kirchgemeinde übergeordnetes staatskirchliche Gremium – für den 8. Juni 2008 eine Urnenabstimmung an.

Die Gemeinde Horw in der Innerschweiz
Die Gemeinde Horw in der Innerschweiz
Doch nun hat Hw. Vogel entschieden, sich dieser Wahl nicht zu stellen: Er würde auch bei einer Wiederwahl darauf verzichten, das Dienstverhältnis mit der katholischen Kirchgemeinde Horw für die kommende Amtsperiode 2008 bis 2012 zu erneuern – so der Priester.

Das Referendums-Komitee, das an der Seite des Priesters gekämpft hat, bedauerte diesen Entscheid in einer Stellungnahme „zutiefst“, kann ihn aber aufgrund der aktuellen Situation verstehen.

Denn seit dem Beschluß des Kirchenrates, den Pfarrer nicht wiederzuwählen und dem Zustandekommen des Referendums, seien weitere unerfreuliche Ereignisse und diffamierende öffentliche Verlautbarungen zu beklagen gewesen.

Diese hätten – so die Stellungnahme – leider dazu geführt, daß Hw. Vogel für sein Wirken in Horw keine Zukunft mehr gesehen habe.

Das Referendumskomitee erklärt sich über das Vorgehen und das Verhalten von Bistumsleitung und Kirchenrat enttäuscht, die noch Ende Februar die einseitigen Schuldzuweisungen an Pfarrer Vogel wiederholt hätten.

Auch ein – „vermutlich als Wahlkampf-Brief gedachtes“ – Schreiben des Kirchenrates vom 26. März 2008 an die stimmberechtigten Horwer Katholiken würde darauf hindeuten, daß der Pfarrer auch im Falle seiner Wiederwahl keine Unterstützung seitens der Behörden und der weiteren Seelsorge-Angestellten der Pfarrei hätte erwarten können.

Ebenso unverständlich seien die Einmischungen und Drohungen seitens der Bistumsleitung.

Das Referendumskomitee kritisiert besonders den Bischofsvikar, dessen Vertreter sich nie nach dem Befinden des Pfarrers erkundigten, jedoch sehr viel Zeit in seinen schnellen Abgang investiert habe.

Empörend sei auch, daß die Feinde des Pfarrers sogar Kinder und Jugendliche, die im Jugendchor oder als Ministranten tätigen sind, und deren Angehörige instrumentalisiert hätten und den Priester mit Hilfe der Infrastruktur der Kirchgemeinde schlecht gemacht hätten.

Das Fazit ist bitter: „Für die Mitglieder des Referendums-Komitees, für die Unterzeichnenden des Referendums, für viele Pfarreiangehörige aller Generationen und für alle, die das Wirken von Pfarrer Markus Vogel während der vergangenen vier Jahre sehr geschätzt haben, ist der bevorstehende Verlust ihres Pfarrers unverständlich und sehr schmerzlich.“

Man werde den Geistlichen in seiner zu Ende gehenden Amtszeit weiterhin mit allen Kräften unterstützen und damit ihre große Dankbarkeit für sein engagiertes und feinfühliges Wirken in der Pfarrei ausdrücken.
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