Donnerstag, 24. April 2008 11:31
Ordensgewänder und Kleidung sind natürlich nur ein Symbol. Was den Leuten gefällt, ist das, was das Symbol repräsentiert. Erzbischof Marcel Lefebvre im verbotenen Interview.


Mons. Marcel Lefebvre
(kreuz.net) Im Jahr 1978 machte ein US-Journalist ein Interview mit dem Gründer der Priesterbruderschaft
Sankt Pius X., Erzbischof Marcel Lefebvre († 1991). Das Gespräch durfte wegen einer Intervention hoher
kirchlicher Kreise nicht veröffentlicht werden. Hier der zweite Teil des Interviews.
Sie haben erklärt,
daß Sie den Grund für den Rückgang des Kirchenbesuchs und das fehlende Interesse an der Kirche kennen
und führen das auf die Dokumente des Zweiten Vatikanums zurück. Ist das richtig?Ich möchte nicht
sagen, daß das Zweite Vatikanum das, was heute in der Kirche geschieht, hätte verhindern können. Modernistische
Ideen sind schon seit langem überall eingedrungen. Das war für die Kirche nicht gut.
Aber die Tatsache,
daß einige Mitglieder des Klerus solche Ideen vertreten habe, daß heißt, die Ideen einer pervertierten
Freiheit, die Vorstellung, daß alle Wahrheiten gleich sind, alle Religionen dasselbe, daß in der Folge
alle moralischen Anschauungen gleich sind, daß jedermanns Gewissen gleich ist, daß jeder theologisch
beurteilen kann, was zu tun ist – das alles sind in Wahrheit laizistische Ideen. Das sind Ideen totaler
Willkür ohne jede Denkdisziplin. Sie führen zur Haltung, daß jeder tun und lassen kann, was er will.
All das ist dem katholischen Glauben völlig entgegengesetzt.
Sie haben gesagt, daß die meisten dieser
theologischen Berater und Experten nur vortäuschen, die Mehrheit der Gläubigen zu repräsentieren und
daß diese liberalen Theologen das Volk nicht vertreten. Könnten Sie das erklären?Mit „Mehrheit der
Leute“ meine ich alle Menschen, die ehrlich arbeiten, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Ich
meine die Leute auf dem Land, die einen gesunden Menschenverstand besitzen und im Kontakt mit der realen
Welt, mit der bleibenden Welt, stehen. Diese Leute sind die Mehrheit der Menschen. Sie ziehen Traditionen
und Ordnung dem Chaos vor.
Es gibt eine Bewegung dieser Leute auf der ganzen Welt, die sich langsam zu
einer totalen Opposition gegen diese Veränderungen vereinigen, die in ihrem Namen und im Namen ihrer
Religion durchgeführt werden.
Diese Menschen guten Willens und guten Gespürs wurden durch die dramatischen
Veränderungen so traumatisiert, daß sie nun widerwillig in die Kirche gehen.
Wenn sie eine modernistische
Kirche besuchen, dann treffen sie nicht auf etwas Heiliges, auf den mystischen Charakter der Kirche, auf
das, was in Wahrheit göttlich ist.
Was zu Gott führt, ist göttlich. Sie treffen Gott nicht länger
in diesen Kirchen. Wieso sollen sie an einen Ort kommen, wo Gott abwesend ist?
Die Leute verstehen das
sehr gut. Die liberalen Kardinäle und ihre Berater haben die Loyalität, welche die meisten dem wahren
Glauben entgegenbringen, ernsthaft unterschätzt.
Wie könnte man sonst erklären, daß – sobald wir
eine traditionelle Kapelle oder Kirchen eröffnen – alle aus allen Richtungen dorthin laufen? Wir haben
nur Stehplätze. Es gibt den ganzen Tag über Messen, um den Andrang zu bewältigen.
Warum? Weil sie
dort das finden, was sie brauchen: das Heilige, das Mystische, den Respekt vor dem Sakralen.
Ein Beispiel:
Am Flughafen haben Leute jene Priester angesprochen, die auf mich warteten. Sie – totale Fremde – haben
ihnen die Hände geschüttelt. Warum? Weil die Leute dort, wo sie einen Priester finden, einen Priester,
der sich wie ein Priester benimmt, der sich wie ein Priester kleidet, von ihm fasziniert sind und ihm
auf der Stelle folgen.
Das passiert hier in den Vereinigten Staaten. Das passiert in Europa und überall
auf der Welt. Menschen auf der Straße kommen, um einen Priester zu grüßen. Sie kommen, gratulieren
ihm aus dem Blauen heraus und sagen ihm, wie glücklich sie sind, einen echten Priester zu sehen. Sie
sagen ihm, wie glücklich sie sind, daß es noch immer einige Priester gibt.
Glauben Sie, daß Kleidung
und Ordensgewänder bezüglich der Qualität eines Priesters einen Unterschied machen?Ordensgewänder
und Kleidung sind natürlich nur ein Symbol. Was den Leuten gefällt, ist das, was das Symbol repräsentiert
und natürlich nicht das Symbol selbst.
Nächstes Mal: Wir bestehen nicht auf Rituale um der Rituale
willen