Donnerstag, 24. April 2008 18:53
Der erste Völkermord der Menschheitsgeschichte darf immer noch geleugnet und verharmlost werden – vermutlich, weil dabei nur schmutzige Christen ums Leben kamen.


Diskussion auf dem Kongreß der ‘Kirche in Not’ in Augsburg über die Lage der Christen in der Türkei.
(kreuz.net/Kirche in Not) Der Erzbischof der mit Rom nicht unierten armenisch-apostolischen Gemeinschaft
in Österreich, Mesrob Krikorian, hat einen EU-Beitritt der Türkei als „ungeeignet und gefährlich“ bezeichnet.
„Demographisch, kulturell und religiös“ habe die Türkei „mit Europa nichts zu tun“ – sagte Erzbischof
Krikorian beim Kongreß „Treffpunkt Weltkirche“ des katholischen Hilfswerks ‘Kirche in Not’ in Augsburg.
Die in türkischen Museen ausgestellten Kulturobjekte seien „den Byzantinern und Armeniern geraubt“ worden,
ergänzte der Erzbischof nach Angaben des Hilfswerks.
Sie hätten mit der „zentralasiatischen nomadischen
Vergangenheit“ der Türkei keine Beziehung.
Durch Einwanderung von einigen Millionen Türken infolge
eines EU-Beitritts und deren hohe Geburtenraten kämen vor allem kleinere Länder wie Österreich, Belgien
oder die Niederlande in Gefahr.
Wie ‘Kirche in Not’ weiter mitteilt, kritisierte der Erzbischof die türkische
Religionspolitik als „einseitig muslimisch“. Sie ignoriere die christlichen Kirchen und die jüdischen
Gemeinschaften und verweigere ihnen einen eigenen Rechtsstatus.
Besonders die christlichen Kirchengemeinschaften
würden zwar nach außen toleriert, in Wirklichkeit aber „durch verschleierte Methoden unterdrückt und
geschwächt“. So seien die griechischen und armenischen Priesterseminare seit Anfang der Siebzigerjahre
geschlossen.
Die letzten wenigen Klöster, Kirchen und historischen Friedhöfe würden zerstört und
ausgeraubt.
Für Umbauten, Renovierungen und die Nutzung alter Kirchen und Nebengebäude seien jeweils
Genehmigungen nötig, deren Erteilung sich oft so lange verzögere, bis die Bauten total verfallen seien.
Von einem Völkermord an den Armeniern zu sprechen, sei strafbar.
Am 24. April 1915 ließ die türkische
Regierung einen Großteil der armenischen Oberschicht in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, nach Syrien
deportieren. Fast alle etwa sechshundert Geistlichen, Schriftsteller, Ärzte, Journalisten, Rechtsanwälte
und andere Intellektuelle überlebten die Deportation nicht.
Die anschließenden Anordnungen der Regierung
führten „zur fast vollständigen Vernichtung der Armenier in Anatolien“, wie der Deutsche Bundestag in
einer von allen Fraktionen getragenen Entschließung feststellte.
Die Resolution spricht von mehr als
einer Million Opfern und stellt fest, daß „zahlreiche unabhängige Historiker, Parlamente und internationale
Organisationen“ die Vertreibung und Vernichtung der Armenier als „Völkermord“ bezeichnen würden.
Die
armenisch-apostolische Gemeinschaft ist die älteste und in ihrer Geschichte am meisten verfolgte christliche
Nationalkirche.
Schon Mitte des ersten Jahrhunderts brachten die Apostel Thaddäus und Bartholomäus
das Christentum nach Armenien und erlitten dort den Märtyrertod.
Anfang des vierten Jahrhunderts – zwanzig
Jahre vor Kaiser Konstantin – machte König Tridates III. das Christentum in Armenien zur Staatsreligion.
Zur Armenisch-apostolischen Kirche gehören heute etwa sechs Millionen Gläubige, davon fünf Millionen
in Armenien und siebzigtausend in der Türkei.
Der Streit um die wahre Natur Christi, der die armenisch-apostolischen
Christen zur Ablehnung des Konzils von Chalcedon brachte und von der katholischen Kirche trennte, gilt
durch die im Jahr 2001 herausgegebene gemeinsame Erklärung von Papst Johannes Paul II. und dem Oberhaupt
der Armenier, Katholikos Karekin II., als überwunden.
© Titelbild: Kirche in NotDer Vortrag von Erzbischof
Mesrob Krikorian im Wortlaut