Samstag, 3. Mai 2008 18:17
Seelische Qualen, die kein Ende nehmen
Frau Ilse Sixt ist eine bayrische Hobby- Schriftstellerin. Sie hat den schwülstigen Stoff entdeckt, aus dem die modernen Heimatromane gestrickt sind. Worum geht es? Natürlich um den Zölibat.
Zölibats-Schrift der schreibenden Großmutter Ilse Sixt.
Zölibats-Schrift der schreibenden Großmutter Ilse Sixt.
(kreuz.net) Ilse Sixt (71) wurde nach Angaben ihrer Webseite am Rosenkranzfest 1936 in Falkenstein im Vogtland geboren. Es handelt sich um eine Region zwischen den deutschen Freistaaten Sachsen, Thüringen und Bayern und dem tschechischen Egerland.

Ab dem 15. Lebensjahr arbeitete sie als Haus-Laden-Hilfe. Im Jahr 1957 heiratete sie. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. Frau Sixt bezeichnet sich als „schreibende Großmutter“ mit zehn Enkelkindern.

Die Hobby-Autorin hat zahlreiche Kurzschriften veröffentlicht, etwa zu folgenden Titeln: „Das Nähmaschinen-schubladl“, „Die kaffebraune Kuh Buttl“, „Der bairische Schutzengel“, „Jesus – Deine Sonne“, „Gebete aus dem Herzen“ oder „Die Eucharistie. Gedanken zum Mitfeiern“.

Ihre 98seitige Schrift „Der Zölibat“ erschien in einer zweiten überarbeiteten und erweiterten Auflage.

Vergangenen Jahr publizierte Frau Sixt das Buch „Das verbotene Herz“. Kürzlich erschien auf ihrer Webseite eine Vorstellung der Schrift.

Darin läßt Frau Sixt einen angeblichen Priester zu Wort kommen: „Da ich ein realistisch denkender Mensch bin,
Dramatische Empörung
„Wissen die Verantwortlichen der katholischen Kirche überhaupt, welchen Sumpf an Lügen, Sünden, Ängsten, Schmerzen und Tränen bis hin zum Töten Ungeborener sie sich an Schuld und Verantwortung aufladen?“
fühle ich mich an mein Zölibatsversprechen nicht mehr gebunden. Denn ich lebe seit einem Jahr mit meiner Freundin zusammen“ – so der angebliche Priester.

Als Pfarrer bemühe er sich weiterhin, seine Pflichten in der Gemeinde zu erfüllen: „Der Rest ist Privatleben, auf das mein Arbeitgeber »Kirche« keinen Zugriff hat.“

Dann wendet sich Frau Sixt im schwülstigen Stil eines Heimatromans der angeblichen Konkubine des angeblichen Geistlichen zu: „Wie aber sieht das Leben dieser Frau in Zukunft aus?“

Trotz „ehelicher“ Gemeinschaft sei es für sie zum Beispiel ein Muß, auf Kinder zu verzichten.

Für die Priesterkonkubine seien „seelische Qualen, die kein Ende nehmen werden“ vorprogrammiert – drückt Frau Sixt auf die Tränendrüse:

„Wissen die Verantwortlichen der katholischen Kirche überhaupt, welchen Sumpf an Lügen, Sünden, Ängsten, Schmerzen und Tränen bis hin zum Töten Ungeborener sie sich an Schuld und Verantwortung aufladen?“ – steigert sie dramatisch ihre Empörung und stellt die fromme Frage:

„Ist denn die »Heilige Familie«, in welcher der Menschensohn Jesus Christus herangewachsen ist, für das Oberhaupt der katholischen Kirche nicht Vorbild genug, um endlich auch für Priester ein Familienleben zuzulassen?“

Als Schuldige für das Zölibat entlarvt Frau Sixt meist selber verheiratete „fanatische Katholiken“, die auf ehelos lebenden Priestern beharren würden. Diese Katholiken würden – „in ihrer Gefühlsarmut“ – vergessen, daß auch Priester „Menschen mit Leib und Seele“ seien.

Aufgrund dieser scharfen und tiefschürfenden Analyse zeigt sich, daß auch die Heirat nicht die Lösung aller Probleme ist.

Abschließend ruft die Hobby-Autorin der angeblichen Priesterkonkubine eine furchtbare Drohbotschaft nach: „Wie wird wohl das Leben dieser Frau im Alter aussehen? – Ohne eigene Familie wird sie auf die Hilfe und Pflege fremder Menschen angewiesen und unendlich einsam sein.“

Eines ist klar: Die bahnbrechende Gedankenkraft der Hausfrauenliteratur von Frau Ilse Sixt garantiert ihr schon jetzt einen unsterblichen Platz im Olymp der deutschen Geistesgeschichte.

Im Nachwort ihres intellektuellen Feuerwerkes zitiert Frau Sixt auch den deutschen Schriftsteller Hermann Hesse († 1962): „Weich ist stärker als hart, Wasser ist stärker als Fels, Liebe ist stärker als Gewalt.“

Und was ist weicher als butterweich? Richtig: die Zölibats-Heimatromane von Frau Sixt.

Da bleibt kein Auge trocken. Man weiß nur nicht, ob vom Weinen oder vom Lachen.
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