Samstag, 3. Mai 2008 14:22
Sie verschicken zwar noch Zeitschriften. Es ist aber unklar, was das ganze noch soll. Das letzte, was vom Missionsgedanken übriggeblieben ist, ist das Sammeln von Geld. Von Hubert Hecker.


Ernesto Cardenal
(kreuz.net) Die deutsche Zweimonatszeitschrift ‘kontinente’ wird von 24 deutschsprachigen Missionsorden
und -kongregationen herausgegeben.
Im Innenteil ist das zwölfseitige ‘missio-magazin’ vom ‘Internationalen
Missionswerk Aachen’ eingeheftet.
Im März/April 2008-Heft bringt die Missionszeitschrift unter der Überschrift
„Ich bin gegen Mission“ ein Interview mit dem suspendierten nicaraguanischen Priester
Ernesto Cardenal
(82).
Einleitend wird Cardenal als „ungebeugter Befreiungstheologe“ vorgestellt, der „gegen Mission und
für die Vielfalt der Religionen“ sei.
Ausdrücklich lehnt der ehemalige Erziehungsminister von Nicaragua
eine von der Kirche geplante „Kontinentalmission für Lateinamerika“ ab:

Titelseite der aktuellen Ausgabe von ‘kontinente’.
„Ich bin ein Anhänger des religiösen
Pluralismus. Denn alle Religionen tragen eine Wahrheit in sich, wenn auch in unterschiedlichem Maß und
die eine mehr als die andere. In diesem Sinn sind alle Religionen Wege zu Gott.“
Die relative Wahrheit
des Christentums besteht für Cardenal in einem radikalen Polit-Programm mit dem Ziel der sozialen Gleichheit
in einer perfekten, klassenlosen Gesellschaft.
Der alte Mann hält lernresistent an seinem marxistischen
Traum fest, der in siebzig Jahren Realität zu einem Albtraum von Verbrechen und Elend für die Völker
geworden ist.
Unbelehrbar schwadroniert er davon, Christus habe schon vor 2000 Jahren „mit seiner Rede
vom Reich Gottes viel eher das ausdrücken wollen, was unser Wort ‘Revolution’ meint“:
„Reich Gottes
und Revolution meinen ein anderes Regierungssystem oder eine andere Leitung der Welt, unterschieden von
allen, die wir bisher hatten.“
So ein anderes Regierungssystem sieht Cardenal durch den „Linksrutsch
in Lateinamerika“ heranwachsen. „In Venezuela ist unter Präsident
Hugo Chavez eine neue Revolution im
Gange.“
Die kirchlichen Hierarchien jedoch würden sich „diesen Veränderungen entgegensetzten – zum
Wohl der Reichen.“ Doch das müsse nicht befremden:
„Die Bischöfe und Kardinäle sind vom Papst ernannt
und die jüngsten beiden Pontifikate standen gegen jeden sozialen und politischen Fortschritt.“
Von den
neuen kirchlichen Gemeinschaften hält Cardenal nichts, weil sie sich nicht für soziale und politische
Probleme interessieren.
Eine „globale spirituelle Revolution“ dagegen könne man akzeptieren, wenn sie
zugleich materiell, sozial und ökologisch wäre.
© Bild: Holger Noß, CC