Montag, 28. April 2008 11:31
Firm im Klettern
In manchen katholischen Gemeinden gibt es Brotbackkurse für Erstkommunikanten. Dafür haben die Kinder von dem, was während der Messe geschieht, keine Ahnung. Von Hubert Hecker.
Vermittelt die Kirche heute noch mehr als Irdisches?
Vermittelt die Kirche heute noch mehr als Irdisches?
(kreuz.net) Die Firmvorbereitungen in den Pfarreien laufen heutzutage nicht mehr so altmodisch ab wie anno dazumal. Der Religionspädagoge Hubertus Halbfas und andere haben vor vierzig Jahren den Katechismus mit seinen Glaubenssätzen zur Hölle verdammt.

Seither sind nur noch sogenannt reflexions-, erfahrungs- und erlebnisorientierte Zugangswege zur katholischen Glaubenslehre erlaubt.

Außerdem dekretierte die Synode von Würzburg (1971-1974) eine folgenschwere Arbeitsteilung: reflektierter Religionsunterricht in der Schule ohne überzeugende Katechese und katechetische Vertiefung des Glaubens in der gemeindlichen Vorbereitung für Erstkommunion und Firmung.

Beides funktioniert heute nicht mehr, weil Religionsunterricht und Sakramentenkatechese für die meisten Kinder die Erstbegegnung mit Glauben und Kirche ist.

In der schulischen Religionspädagogik reagiert man auf diese Notsituation mit der Forderung nach katechetischen Elementen in der Schule. Dazu gehören „performativer Religionsunterricht“, Einübung von Gebet und Gesten, Hinführung zu Liturgie und Caritas.

Angesichts der defizitären Glaubenssituation müßte sich die Sakramentenkatechese in der Gemeinde mit Energie der Einführung in den Glauben und die Liturgie widmen.

Firmvorbereitungen handeln heute fast nur noch über Solidarität, Soziales, Gerechtigkeit oder Bewahrung der Schöpfung.
Firmvorbereitungen handeln heute fast nur noch über Solidarität, Soziales, Gerechtigkeit oder Bewahrung der Schöpfung.
Doch in Wirklichkeit geschieht vielfach das Gegenteil: Man beschäftigt sich mit Randphänomenen.

Tragische Beispiele dafür sind Brotbackkurse für Erstkommunikanten, die gleichzeitig über die Messe und die Bedeutung der Eucharistie im Dunkeln gelassen werden.

Die Erstkommunionfeier wird ihnen als Versammlung um das „gesegnete Brot“ vermittelt. Dessen gemeinsames Verspeisen wird den Kindern als „schönster Tag“ in ihrem jungen Leben präsentiert.

In vielen Gemeinden gibt es keine Hinführung zur Beichte. Sie wird vielleicht durch ein pädagogisch-moralische inszeniertes Bußgespräch ersetzt.

Wenn die Kinder fünf oder sechs Jahre später die Firmung empfangen, ist gewöhnlich keine Glaubensbasis vorhanden. Die meisten Kinder sind „nicht kirchlich sozialisiert“ – wie das dann heißt.

In Pfarrgemeinden, die mit anderen zu einem „Pastoralen Raum“ zusammengefaßt sind, wird die Firmvorbereitung vielfach nach einem Kurssystem organisiert.

Es besteht zum Beispiel aus zwei gemeinsamen „Firmtagen“ in einem Jugendhaus, bei dem alle wesentlichen Inhalte der Firmvorbereitung besprochen werden. Außerdem stellt das Organisationsteam vierzig „Kursbausteine“ zur Auswahl, von denen die Firmlinge wenigstens drei auswählen müssen.

Als Bausteine werden Wochenend-Aktionen, Exkursionen, Lehrausflüge, Workshops oder andere Lernveranstaltungen angeboten, die mindestens drei Doppelstunden umfassen.

Die meisten Angebote laufen unter den Rubriken Bibel, Solidarität, Soziales, Friede, Gerechtigkeit oder Bewahrung der Schöpfung.

Nur wenige beschäftigen sich mit kirchlichen Themen im engeren Sinne. Entsprechend bleiben die Firmlinge darüber im Dunkeln.

Erwartungsgemäß sind Kurse wie Freeclimbing, Jesus in der Popmusik, Gott im Kino, kreatives Malen, Filmprojekt und Gerichtsbesuche Renner.

Ein Presseartikel zur Firmvorbereitung war zum Beispiel so überschrieben: „Glaubenskurs mit Erster-Hilfe-Einweisung beim Deutschen Roten Kreuz: ein ungewöhnlicher Weg zum Glauben“.

Zweifellos werden diese Kurse von engagierten Leuten veranstaltet. Doch wie soll diese Erlebnispädagogik glaubensfirme Katholiken heranbilden, wenn die katholische Mitte leer bleibt?

Als Alternative hatte der Autor den Baustein „Firm im katholischen Kernbereich“ angeboten. Er enthielt die drei Schwerpunkte:

▪ So sieht’s in der Kirche aus: eine Entdeckungsreise durch den Kirchenraum, abgeschlossen mit einem Kirchenquiz.

▪ So geht katholisch: Gebete, Gesten und Symbole katholischer Prägung, Grundgebete und Sakramentalien, abgeschlossen mit einer Bittprozession im Kirchenraum.

▪ So geschieht Erlösung: Hinführung und Erklärung der Heiligen Messe, Bedeutung des Meßopfers für unsere Erlösung, Segnung und Sendung ins christliche Leben.

Das Resultat: Angesichts der attraktiven Angebote entschied sich von 100 Firmlingen nur ein einziger für diesen Baustein.

So ist das eben bei der freien Wahl auf dem freien Markt der Möglichkeiten: Angebot schafft Nachfrage – oder auch nicht.

Wenn die Verantwortlichen für die Firmvorbereitung katholische Lernziele bestimmen und anschließend das tatsächlich Gelernte überprüfen würden – wie das bei jeder ernstzunehmenden Pädagogik üblich ist – würden sie wohl ihr blaues Wunder erleben.

Darum ein praktischer Vorschlag: Die Firmbewerber werden – gewissermaßen in der Rolle von Katechumenen – intensiv auf die Liturgie von Gründonnerstag, Karfreitag und Osternacht vorbereitet, um dann in den gemeinsamen Feiern das zentrale Ereignis unserer Erlösung nachzuerleben.

Der Autor ist Lehrer für katholische Religion, war zehn Jahre Pfarrgemeinderatsvorsitzender und mehrfach Firmkatechet.

© Titelbild: Michael Sarver, CC
© Bild Käfer: Flickr-Benützer „aussiegall“, CC
Copyright © 2008 kreuz.net