Montag, 28. April 2008 16:07
Sie galten in der Öffentlichkeit schon fast als Freunde. Johannes Paul II. wurde nicht müde, für ihn um internationale Sympathie zu werben. Doch jetzt sind offenbar neue geschichtliche Tatsachen ans Licht gekommen.


Der frühere sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow im Jahr 2007
(kreuz.net, Warschau) Eine Urkunde aus dem Moskauer Archiv beweist angeblich, daß der spätere sowjetische
Staatschef Michail Gorbatschow 1979 einen Tötungsbefehl für Papst Johannes Paul II. unterschrieben hat.
Das berichtete das deutschsprachige Portal ‘polskaweb.eu’.
Der Befehl führte zu dem Attentat auf den
Papst im Mai 1981. Damals war Gorbatschow bereits Mitglied des Politbüro der ‘Kommunistischen Partei
der Sowjetunion’. Im März 1985 wurde er zu dessen Generalsekretär ernannt.
Im Dezember 1989 empfing
ihn Johannes Paul II. im Vatikan. Der Papst war dem Sowjetdiktator in der Folgezeit persönlich verbunden.
Bei dem jetzt gefundenen Dokument soll es sich um einen Brief des Zentralkommitees der ‘Kommunistische
Partei der Sowjetunion’ an den sowjetischen Geheimdienst ‘KGB’ handeln.
Der ‘KGB’ wird aufgefordert,
die neue politische Entwicklung „mit allen Mitteln“ zu bekämpfen. Desinformation und
Diskreditierung
reichten nicht aus – so der Brief.
Der Entdecker des Briefes, der US-Historiker John O. Koehler, interpretiert
diese Worte als „klaren Auftrag, den Papst zu töten“.
Nach Meinung des ‘KGB’ ging von Papst Johannes
Paul II. die größte Kraft aus, welche die Sowjetdiktatur destabilisierte.
Das polnische Boulevardmagazin
‘Wprost’ nennt weitere Personen, die außer Gorbatschow, den Brief unterzeichnet haben sollen: die graue
Eminenz und Nummer zwei der Kommunistischen Partei, Michail Suslow († 1982), der Generalsekretär der
Partei und spätere Sowjetdikatator Konstantin Tschernenko († 1985), ferner die Sowjetpolitiker Konstantin
Rusakow, Wladimir Ponomariew, Andrej Kirylenko, Iwan Kapitonow, Michail Zimianin sowie Wladimir Dolgich.
Mittlerweile haben sich auch Politiker zu dem Brief geäußert.
Der ehemalige polnische Vize-Premierminister
Przemysław Gosiewski forderte Gorbatschow auf, seine Zustimmung zu dem Attentat einzugestehen. Gosiewski
äußerte sich in der privaten Warschauer Radiostation ‘Radio Zet’.
Er verlangt sogar eine Strafverfolgung
der damaligen Sowjetpolitiker. Die Moskauer Staatsanwaltschaft werde eingeschaltet.
Die regierende Partei
‘Bürgerplattform’ forderte Gorbatschow auf, den 1990 erhaltenen Friedensnobelpreis zurückzugeben.
Kreml-
und Vatikanexperten erklärten, das Dokument sei schon lange bekannt. Gorbatschow selber hat einen Mordauftrag
immer bestritten.