Dienstag, 29. April 2008 13:26
Eine französische Tageszeitung hat Spekulationen um die Gesundheit des Papstes in die Welt gesetzt und sich unter den Kardinälen bereits nach einem Nachfolger umgeschaut.


Papst Benedikt XVI. im Yankee-Stadium.
(kreuz.net) Während seiner Reise in die Vereinigten Staaten habe der Papst einen müden Eindruck gemacht.
Das erklärte die Pariser Tageszeitung ‘Le Figaro’ am 25. April in einem längeren Artikel von Hervé
Yannou unter dem Titel „Die Gesundheit des Papstes nährt bereits Gerüchte um seine Nachfolge“.
In den
Vereinigten Staaten habe der Papst seinen Mitarbeitern bei der morgendlichen Eröffnung des Tagesprogramm
geantwortet: „Ihr werdet mich erschöpfen.“
Während der Messe am Samstag in New York sei er sogar beim
Hinaufschreiten der Altarstufen gestützt worden. Als offizieller Grund dafür nannten die Organisatoren
das Gewicht der päpstlichen Paramente.
Während der Reise habe sich der Papst bei den Amerikanern auch
für die eingeschränkte Zahl der Reiseziele entschuldigt.
Benedikt XVI. habe sich auch strikt an sein
Tagesprogramm gehalten und sich von seinem Umfeld zu keinen zusätzlichen Ausflügen verleiten lassen.
Nach seiner Rückkehr nach Rom sei die Generalaudienz am Mittwoch gestrichen worden, um dem Papst einen
zusätzlichen Ruhetag zu verschaffen.
Benedikt XVI. mußte dann allerdings wegen der Beerdigung des verstorbenen
Kurienkardinals Alfonso Lopez Trujillo trotzdem in der Öffentlichkeit erscheinen.
Die „zerbrechliche
Gesundheit“ des Papstes sei im Vatikan kein Geheimnis – insbesondere sein „schwaches Herz“ – so ‘Le Figaro’.
Seit einigen Monaten reduziere der Papst seine Audienzen und habe auch die Zahl der Teilnehmer an diesen
Treffen eingeschränkt. Immer wieder verzichtet der Heilige Vater darauf, die Begrüßungsreden für Gruppen
selber zu halten.
Bei der vergangenen Karfreitagsliturgie habe er auf die Prostration zu Beginn der Liturgie
verzichtet und sei den Kreuzweg nicht zu Fuß gegangen.
Aus diesen Gründen macht sich ‘Le Figaro’ auf
die Suche nach einem geeigneten Nachfolger.
Unter den von Benedikt XVI. ernannten Kardinälen gibt es
nach Angaben der Tageszeitung keinen, der bedeutend genug wäre, um Chancen zu haben, nächster Papst
zu werden.
Würde heute ein Konklave stattfinden, stünden sich darin – so ‘Le Figaro’ – Staatssekretär
Tarcisio Kardinal Bertone (74) und der Erzbischof von Buenos Aires, Jorge Maria Kardinal Bergoglio (72)
gegenüber.
Kardinal Bergoglio habe bereits beim letzten Konklave Stimmen erhalten, habe die Kardinäle
damals aber wissen lassen, an einer Wahl nicht interessiert zu sein.
Einen weiteren möglichen Papst
sieht ‘Le Figaro’ im Erzbischof von Tegucigalpa in Honduras, Oscar Rodriguez Maradiaga (66).
Der Kardinal
ist Präsident des Dachverbandes des katholischen Hilfswerkes Caritas und marschiert – so ‘Le Figaro’ –
in den geistigen Fußstapfen des emeritierten liberalen Erzbischofs vom Mailand, Carlo Maria Kardinal
Martini.
Die Tageszeitung erwähnt das Interview-Buch von Kardinal Rodriguez unter dem Titel „De la difficulté
d’évoquer Dieu dans un monde qui pense ne pas en avoir besoin“ – Von der Schwierigkeit, von Gott in einer
Welt zu sprechen, die glaubt, ihn nicht zu gebrauchen“.
Das Werk erschien kürzlich in Frankreich. Darin
gibt der Kardinal vor allem politische Gründe, warum es an der Zeit wäre, daß der nächste Papst aus
Lateinamerika kommt.
Nach Angaben von ‘Le Figaro’ wäre Kardinal Rodriguez ein Papst, der die „Anliegen
der Dritten Welt“ einbringen könnte.
Der Kardinal kennt allerdings auch die Gegenseite gut: Er ist bereits
bei dem internationalen Manager-Symposium in der Schweizer Ortschaft Davos aufgetreten und pflegt als
Pilot von Privatflugzeugen ein mondänes Hobby.
Mit Hinweis auf die prallgefüllte römische Agenda des
Papstes dementierte der Vatikan am 26. April die Behauptungen von ‘Le Figaro’ über die Gesundheit von
Benedikt XVI.
© Bild: David Malantic, CC