Mittwoch, 30. April 2008 10:42
Ein Apologet des gescheiterten Pastoralkonzils
„Die vom Konzil gewollte Liturgie wurde überall mit reger Anteilnahme und Enthusiasmus gefeiert“. Der ehemalige päpstliche Zeremonienmeister verteidigt seine liturgischen Ladenhüter.
Altliberale Geister gibt es immer noch.
Altliberale Geister gibt es immer noch.
(kreuz.net) Seit dem vergangenen 30. September ist der ehemalige päpstliche Zeremonienmeister, Erzbischof Piero Marini (66), Präsident des päpstlichen Komitees für die Internationalen Eucharistischen Kongresse.

Am 26. April interviewte ihn die vatikanische Tageszeitung ‘L’Osservatore Romano’.

Dabei wurde der Erzbischof auch auf die kritischen Bemerkungen des Papstes zu den vatikanischen Massenmessen angesprochen, die Mons. Marini während seiner Zeit als päpstlicher Zeremonienmeister sehr gefördert hat.

Der frühere Zeremonienmeister, Erzbischof Piero Marini
Der frühere Zeremonienmeister, Erzbischof Piero Marini
Das Problem der Massenmessen

Nach einer langen historischen Einleitung glaubt Mons. Marini zwei Faktoren gefunden zu haben, die zur Entstehung von Massenmessen führten – das Verhältnis zwischen Liturgie und Kirche, wie sie vom Zweiten Vatikanum hervorgehoben worden sei, und die Papstreisen, bei denen die Massenmessen zu einem charakteristischen Ausdruck der Ausübung des Petrusamtes geworden seien.

Die „vom Papst vorgestandenen Feiern“ seien auf diese Weise zu „Ikonen der Einheit und der Katholizität der Kirche“ geworden – preist Mons. Marini die umstrittenen Massenmessen.

Zum Problem der Massenmessen faßt er sich kurz. Dieses stelle sich inzwischen seit „mehreren Jahrzehnten“. Ihm sei mit einer „seriösen Untersuchung“ und liturgisch-pastoralen Richtlinien zu begegnen – meint Mons Marini.

Keine Kritik an der Liturgiereform
Der ehemalige päpstliche Zeremonienmeister wird auch auf die sogenannte liturgische Erneuerung angesprochen.

Deren Entwicklung sieht er völlig kritiklos und erklärt, daß er die Durchführung der „Liturgiereform“ seit dem Zweiten Vatikanum habe mitverfolgen können.

Über zwanzig Jahre habe er die „vom Konzil gewollte Liturgie“ anläßlich der Reisen von „Papst Wojtyla“ in über hundert Ländern feiern können.

Diese Liturgie sei „überall“ mit lebendiger Anteilnahme und mit Enthusiasmus gefeiert worden: „Jeder hat die Liturgie als der Ortskirche eigen und als Ausdruck der Universalkirche begriffen.“

Die Zelebrationspraxis habe bestätigt, daß die „Liturgiereform“ notwendig gewesen sei, weil sie auf „tiefen theologischen Prinzipien von ewiger Gültigkeit“ beruhe.

Insofern sei sie ein irreversibler Weg. Das letzte Konzil habe in dem Dokument ‘Sacrosanctum Concilium’ die Erneuerung der Liturgie als „Schreiten des Heiligen Geistes in der Kirche“ definiert.

Diese Aussage sei Teil des „heutigen kirchlichen Glaubens“. Die Feier der Liturgie könne folglich nicht vom Leben der Kirche getrennt werden:

„Sie ist die lebendige Kirche – ich zitierte Paul VI. – sie ist die Kirche von heute, nicht die Kirche von gestern oder die Kirche von morgen.“

Immerhin gesteht Mons. Marini ein, daß es „nicht einfach“ sei, die „vom Konzil gewollte Liturgie“ zu zelebrieren.

Einseitige Interpretation von ‘Summorum Pontificum’
In diesem Zusammenhang wird der Erzbischof auch auf das päpstliche Motu Proprio ‘Summorum Pontificum’ angesprochen.

Dieses müsse im Kontext gelesen werden, in das der Papst es gestellt habe – antwortet er.

Dem Papst geht es in dem Motu Proprio – so Mons. Marini – nicht um die Liturgie, sondern um die „Einheit der Kirche“.

Benedikt XVI. wolle nicht, daß „die Autorität des Konzils“ durch das Motu Proprio berührt oder die „liturgische Reform in Zweifel gezogen“ werde – dementiert er.

Im Gegenteil. Die Entscheidung des Papstes habe bisher keine Änderung in der „zelebrativen Praxis unserer kirchlichen Gemeinschaften“ bewirkt.

Das Motu Proprio sei „nur“ eine „Geste im Dienst der Einheit“.

Der Erzbischof schließt das Interview mit einem offenbar gegen die rückwärtsgewandten Altgläubigen gerichteten Durchhalteappell:

„Schauen wir als nach vorne und gehen wir den vom Konzil eingeschlagenen Weg mit Enthusiasmus weiter.“
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