Mittwoch, 30. April 2008 12:28
Aber nicht mit dem neoprotestantischen Rom
Eine Ordensgemeinschaft des Alten Ritus möchte sich mit der Hierarchie aussöhnen. Ihre Seminaristen wurden bereits aus einem Priesterseminar der Piusbruderschaft abgezogen. Informelle Verhandlungen mit dem Vatikan wurden aufgenommen.
Transalpine Redemptoristen
Transalpine Redemptoristen
(kreuz.net, Papa Stronsay) Die ‘Transalpinen Redemptoristen’ haben am Montag eine Presseerklärung veröffentlicht, in der sie ankündigen, ihre Arbeit zur Rettung der Seelen künftig unter der Obhut der katholischen Hierarchie fortsetzen zu wollen.

Die Transalpinen Redemptoristen sind ein bis dato unabhängiger Orden mit 25 Mitgliedern und Verbindungen zur Priesterbruderschaft Sankt Pius X. Die Gemeinschaft lebt auf der kleinen Insel Papa Stronsay im äußersten Nordosten Schottlands.

In ihrer Mitteilung betonen die Ordensleute allerdings, daß sie nicht dem „Rom neomodernistischer und neoprotestantischer Ausrichtung“ folgen wollen:

„Darum halten wir an allem fest, was von der Kirche in Fragen des Glaubens, der Moral, des Gottesdienstes, der Katechese, der Priesterausbildung und der Ekklesiologie beständig gelehrt und praktiziert – und in Büchern kodifiziert festgehalten ist, die vor dem modernistischen Einfluß des Konzils publiziert wurden.“

Die Transalpinen Redemptoristen glauben, daß mit Papst Benedikt XVI. im mit dunklen Wolken behangenen Himmel über dem ewigen Rom ein kleines Licht erschienen ist. Der Papst erlaube es, der zeitlosen Tradition der Kirche völlig und kompromißlos anzuhangen.

Benedikt XVI. scheine bereit zu sein, das „Experiment der Tradition“ zuzulassen, um das Erzbischof Marcel Lefebvre († 1991) schon vor vielen Jahren gebeten habe. Als Beweis führt die Presseerklärung das Motu Poprio ‘Summorum Pontificum’ an.

Das Motu Proprio lade auch Gemeinschaften des Alten Ritus ein, die Versöhnung mit der Kirche zu suchen: „Es ist eine Einladung, mit dem Heiligen Vater in Gemeinschaft zu sein, während wir dabei einfach so bleiben, wie wir sind.“


Die falschen Lehren des Zweiten Vatikanums
Für die Transalpinen Redemptoristen bleibt klar, daß die Zweideutigkeiten des Zweiten Vatikanums geklärt werden müssen. Sie glauben auch, daß die Verantwortlichen in Rom immer deutlicher sehen, daß die zweitausendjährige Tradition der Kirche mit dem Zweiten Vatikanum versöhnt werden müsse.

Wie das genau geschehen müsse, sei eine der entscheidenden Fragen unserer Zeit. Diese könne weder leicht noch bald beantwortet werden. Das lehre auch die Kirchengeschichte. Diese zeige aber, daß falsche Lehren mit der Zeit aussterben, weil sie keine Früchte bringen.

Dann stellen die Transalpinen Redemptoristen die Frage: „Können Zweideutigkeiten und Verwirrung und die falsche Interpretationen, die sich daraus ergeben, die Rechtfertigung dafür sein, daß wir die sichtbare Einheit mit Rom nicht akzeptieren?“

Die Antwort: Solange Auslegungen, die der Tradition der Kirche widersprechen, ihnen nicht aufgezwungen würden, seien diese kein Hindernis für die Einheit: „Wir müssen einfach frei bleiben, um die ewige Lehre der Kirche zu verkündigen, während wir versuchen zu versöhnen, was versöhnt werden kann.“

Der Regierungsstil des Papstes
Die Einheit des Glaubens und der Gemeinschaft finde sich „in der Person“ des Nachfolgers Petri – nicht in der vatikanischen Bürokratie.

Die Transalpinen Redemptoristen fühlen sich auch aufgrund der Sichtbarkeit der Kirche gedrängt, Schritt auf Rom zu machen.

Während dieser langen Jahre der Krise habe ihre Position – so glauben sie – der Sichtbarkeit der Kirche nicht geschadet, weil es sichtbare Probleme gegeben habe, die einen scheinbar sichtbaren Bruch in der Einheit begründet hätten: „Wir in der Tradition waren das Objekt einer sichtbaren Ungerechtigkeit und eines sichtbaren Machtmißbrauchs.“

Nun habe sich der der Nachfolger Petri entschuldigt und die Hand nach ihnen ausgestreckt, um sie so anzunehmen, wie sie sind: „Welche weitere sichtbare Rechtfertigung werden wir finden, um die Gemeinschaft mit ihm abzulehnen?“

Man könne vom Papst nicht erwarten, daß er alle Probleme der Kirche löse. Dem Heiligen Vater seien – im Gegensatz zu den Päpsten frühere Zeiten – viele Kontrollmöglichkeiten geraubt worden. Er regiere jetzt mehr „über die Diplomatie als über eine monarchische Autorität“. Man könne den Kurs des Schiffs Petri auch nicht zu schnell ändern. Wenn das Ruder zu rasch herumgerissen würde, könnten noch mehr Seelen vom Deck ins Meer fallen.

Angesichts dieser Überlegungen, glaubt die Gemeinschaft, nicht länger im bisherigen Status einer angenommenen Jurisdiktion bleiben zu können. Wenn die römischen Autoritäten bereit seien, der Gemeinschaft die normalen priesterlichen Fakultäten zu verleihen, bestehe die bisherige jurisdiktionelle Notlage nicht mehr.

Allerdings könne nur die Zeit sagen, ob der Zeitpunkt für eine Übereinkunft mit Rom gekommen sei. Die Klugheit verlange es, langsam und vorsichtig voranzugehen und jeden Schritt der Diskussion gut zu überdenken. Dabei brauche die Gemeinschaft ihre Freunde aus dem Lager der Tradition.

Die Transalpinen Redemptoristen verstehen ihre Kontakte mit Rom nicht als Bruch der Freundschaft mit der Priesterbruderschaft Sankt Pius X. und mit anderen Organisationen des Alten Ritus.

Doch keine Freundschaft?
Abschließend erklärt die Stellungnahme, daß die Gemeinschaft bisher zwei inoffizielle Gespräche mit einem Redemptoristenbischof geführt habe, der für den Heiligen Stuhl arbeite.

Die Gemeinschaft hat auch ihre Seminaristen aus dem australischen Seminar der Priesterbruderschaft St. Pius X. nach Papa Stronsay zurückgerufen, um sie dort keinen „Druckversuchen“ ausgesetzt zu lassen.
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