Freitag, 2. Mai 2008 14:29
Beim Pontifikalamt zu Christi Himmelfahrt begann der Bischof von Aachen mit einer Predigt, die aber schnell zu einer politischen Ansprache degenerierte.


Angela Merkel
(kreuz.net) Gestern zelebrierte der Bischof Heinrich Mussinghoff von Aachen, das Pontifikalamt zu Christi
Himmelfahrt in erlauchter Gesellschaft.
Mit von der Partie waren die deutsche Bundeskanzlerin Angela
Sauer (geschiedene Merkel), der spanische König Juan Carlos I., der Präsident der Europäischen Kommission,
José Manuel Barroso, der Präsident des Europäischen Parlaments in Straßburg, Hans-Gert Pöttering,
und der Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, Jürgen Rüttgers.
In seiner Predigt ließ
der Bischof die – Zitat der diözesanen Webseite – „Gottesdienstbesucherinnen und -besucher“ in die Darstellung
des auferstandenen und wiederkehrenden Christus in der Kuppel des Aachener Doms hinaufblicken.
Kaiser
Karl der Große habe die ihm anvertraute Macht vor Christus verantwortet. Diese Sicht habe über tausend
Jahre der europäischen Geschichte bestimmt.
Im weiteren verlegt sich der Bischof darauf, mehr oder weniger
originelle politische Meinungsäußerungen von sich zu geben. Die Himmelfahrt ließ er dabei an sich vorbeiziehen.
Das klang etwa so: „Die Macht ist nicht zu eigen gegeben den Mächtigen in Politik und Wirtschaft, in
Kultur und Gesellschaft.“
Oder so: „Und es geht nicht an, daß die Macht das Recht hat, sondern, daß
das Recht die Macht hat, auch und gerade in unserer Europäischen Union.“
An die deutsche Bundeskanzlerin
gewandt erklärte er, daß der unter dem deutschen Ratsvorsitz ausgearbeitete EU-Grundlagenvertrag von
Lissabon die „Werte und Ziele“ erweitert habe, denen sich die Union angeblich verpflichtet fühle.
Auch
die Charta der Grundrechte bilde einen Beitrag zur Fortentwicklung der EU zu einer angeblichen Wertegemeinschaft –
unterstellte der Bischof.
Die katholische Kirche bedaure aber, daß die Präambel nur vom „kulturellen,
religiösen und humanistischen Erbe Europas“ spreche, aber den Beitrag des Christentums in Geschichte
und Gegenwart verschweige.
Hier bleibe das Desiderat, die „jüdisch-christlichen“ Wurzeln Europas, und
den „Anteil des Islam“ zu benennen.
Auch hätte sich die Kirche in der Präambel der EU-Verfassung einen
Gottesbezug gewünscht, weil dieser die Begrenztheit menschlichen und politischen Handelns verdeutliche
und Gott als letzte Appellationsinstanz über allen Mächten dieser Welt benannt hätte.
Er wisse aber,
sagte der Bischof, daß sie diese Forderungen immer unterstützt habe.
Besonders bedankte sich der Bischof
bei der Bundeskanzlerin, daß sie deutlich gemacht habe, daß sich die EU nicht von der übrigen Welt
abschotten dürfe, sondern Verantwortung für Entwicklung und Frieden in der Welt übernehmen wolle:
„Ich danke Ihnen für Ihr Engagement, das Gespräch mit den afrikanischen Staaten wieder aufzunehmen und
die Entwicklung dieses Kontinents aktiv zu fördern. Ich danke Ihnen für Ihr Engagement, mit Israelis
und Palästinensern zu verhandeln, um kleine Schritte auf etwas mehr Frieden und Sicherheit, Wohlstand
und Arbeit zu gehen.“
© Bild: Wiki-Benutzer „Aleph“, CC