Samstag, 3. Mai 2008 11:10
In der modernen Welt gibt es keine Eindeutigkeiten mehr. Doch erstens scheint der Kardinal die Welt mit der Kirche zu verwechseln und zweitens ist es sogar dort erlaubt, sich eindeutig gegen die katholische Tradition und Glaubenslehre zu stellen. Von Rosy Wickelmayr.


Homepage des Bistums Mainz
(kreuz.net) Im Bistum Mainz fragen sich die Gläubigen verstört, ob sich seine Eminenz nach einem Schlaganfall
im Dezember 2007 nun langsam auf seinen Abschied vorbereitet.
Hintergrund für diese Spekulationen ist
ein merkwürdiges Geleitwort für die Mainzer Kirchenzeitung ‘Glaube und Leben’ vom 4. Mai auf Seite 9.
Der Artikel steht unter dem Titel „AmbivaIenz – Signatur unserer Zeit“.
Der Kardinal meditiert darin
über das Wort „Ambivalenz“ und findet dafür die Synonyme Zwiespältigkeit, Zerrissenheit, Widersprüchlichkeit,
Ambiguität:
Der Mensch könne nicht gleichzeitig immer alles im Griff haben: „Aber wir finden uns damit
nicht so leicht ab.“
Man möchte zwar „ganz eindeutige und unumstößliche Ziele“ wie Harmonie, Sicherheit,
Wahrheit, Humanität verwirklichen. Doch gerade „die Moderne“ habe erfahren, daß man auf diesem Weg das
ersehnte Ziel oft nicht erreiche.
Das Fazit des Kardinals: „Man kann dem Teufelskreis der Ambivalenz
nicht entkommen und nicht alles durchschaubar machen.“


Kardinal Lehmann
Die Ambivalenz könne „in unserer modernen Welt“
nicht ausgeschaltet werden – steigert sich der Kardinal: Sonst drohe „irgendeine Form der Diktatur“. Darum
gebe es keine Bilanz „mehr“ ohne Verlustseite:
„Viele verherrlichen diese Entwicklung. Sie sprechen von
einer illusionslosen Moderne. Es sei das Ende der Eindeutigkeit und der Abschied von Prinzipien überhaupt.“
Soweit brauche man nicht zu gehen – so Kardinal Lehmann. Aber: „Die Zweideutigkeiten verlassen uns nicht.“
Als Beispiel nennt der Kardinal die Ambivalenz von Biosprit oder Kohlenkraftwerken.
„Was kann man daraus
lernen?“ – fragt der Kardinal.
Seine Antwort: Im Wissen darum, daß jedes Ding zwei Seiten habe, könne
man viele Lösungsvorschläge im Wissen um ihre Vorläufigkeit leichter angehen und anderen Vorschlägen
toleranter begegnen:
„Die Ambivalenz verträgt keine ideologisch motivierte Eindeutigkeit“ – folgert
der Kardinal unzweideutig.
Wer das begriffen habe, entdecke dann auch die positiven Seiten anderer Positionen.
Daneben gebe es in unserem Leben auch Entschiedenheit und Verläßlichkeit, Treue und Rückhalt im Glauben,
dreht sich der Kardinal wieder dialektisch, um sogleich das nächste Aber anzuschließen:
„Aber wir können
sie gerade auch als Kirche nur dann glaubwürdig und realistisch verkünden, wenn wir zugleich nüchtern
sehen, in wie tiefe Ambivalenzen die Menschen heute verstrickt sind.“
Der Artikel ist aufschlußreich.
So bringt es der Kardinal fertig, in seinen kryptischen Anmutungen rund um das Thema „Ambivalenz“ nicht
ein einziges Mal das Wort „Gott“ oder „Jesus“ zu erwähnen.
Das ist sogar für einen Kirchenmann vom
Schlage des Kardinals beachtenswert.
Dazu kommt, daß in dem Artikel nicht klar wird, worum es eigentlich
geht:
Ambivalenz ist – nach Meinung des Kardinals – mehr oder weniger ein ambivalentes Wort, wenn man
nicht sogar sagen müsse, daß der Ambivalenz primär etwas Ambivalentes anhaftet.
So sei es zum Beispiel
nicht klar, ob man – meint der Kardinal hier sich selber? – für oder gegen Biosprit oder Kohlekraftwerke
sein sollte, was in der Tat für einen Kirchenmann ein gravierendes Problem darstellt, wie jeder gleich
verstehen wird: Denn jede Sache habe eben zwei Seiten. Interessant.
Auch im Raum des Glaubens warnt der
Kardinal vor schnellen eindeutigen Lösungen, wenngleich er auch ein Stehenbleiben in der Ambivalenz nicht
empfiehlt.
Denn die Ambivalenz könne leicht zum Relativismus führen. Was denn nun? so fragt man sich
in Mainz und darüber hinaus.
Insgesamt ist der Artikel eine gute Selbstcharakterisierung des Mainzer
Oberhirten.
Doch da niemand weiß, warum dieser Artikel geschrieben wurde und ob sich der Kardinal hier
selber einbezieht, bleibt der Eindruck der Ambivalenz.
© Kardinal Lehmann: Wiki-Benutzer Schreibmayr,
CC