Sonntag, 4. Mai 2008 13:39
Im Bistum Aachen weitet sich der Widerstand gegen eine geplante Zwangsfusionierung der Pfarreien immer mehr aus. Müssen die Gemeinden für die Mißwirtschaft der Diözesanleitung büßen?


Webseite des Bistums Aachen. Vorne im Bild: Mons. Mussinghoff
(kreuz.net, Aachen) Der Diözesanrat der Katholiken und der Katholikenrat Aachen-Stadt kritisieren die
Fusion zahlreicher Pfarreien im Bistum Aachen. Das berichtete die Lokalzeitung ‘Aachener Zeitung’ am Dienstag.
Der Bischof von Aachen, Mons. Heinrich Mussinghoff, möchte die Anzahl seiner 537 Pfarreien bis zum Ende
des Jahres 2009 drastisch reduzieren. Dann soll es nur noch 72 „Gemeinschaften von Gemeinden“ geben.
Dagegen laufen zahlreiche Pfarreien Sturm. Mehr als 130 Gemeinden haben sich in dem
Aktionsbündnis „Kirche
vor Ort“ zusammengeschlossen.
Der Vorsitzende des Katholikenrats Aachen-Stadt, Anton Meyer, versteht
die Proteste gegen die Zwangsfusionierung. Der Bischof „muß seine Pläne neue durchdenken“.
Bischof
Mussinghoff wolle mit seinen neuen Großgemeinden das gemeinschaftliche Leben fördern – erklärt Meyer:
„Da sage ich ihm: Bischof, das ist gut, aber wie soll das gehen, wenn Strukturen zerschlagen werden.“
„Noch nie seit seiner Gründung im Jahr 1930 gab es so viel Angst und Trauer in unserem Bistum“ – erklärte
der Pfarrer von Mönchengladbach, Hw. Edmund Erlemann (73), Anfang April in einem offenen Brief an Mons.
Mussinghoff und Generalvikar Manfred von Holtum.
Der Pfarrer vergleicht die Situation der Priester mit
den Getöteten in der Vision des Propheten Ezechiel. Sie fühlten sich „entfremdet und wie im Exil“.
Plakat
an der Kirchenwand:
„Dialog statt Diktat. Wir sagen Nein zur Zwangsfusion“.
Laut der ‘Aachener Zeitung’
ist das Vertrauen im Bistum darum besonders empfindlich gestört, weil interne Gesprächsprotokolle aus
dem Generalvikariat belegen, daß bereits Mitte der 90er Jahre vor einer drohenden Finanzkrise gewarnt
worden war.
Bischof und Generalvikar hatten dagegen stets behauptet, von dem finanziellen Desaster nach
der Jahrtausendwende überrascht worden zu sein.
Protestaktionen der GläubigenVom 7. bis zum 13. April
läuteten die Glocken aller Kirchen in der Stadt Alsdorf, fünfzehn Kilometer nördlich von Aachen, gegen
die Fusionierung.
„Mit diesem Mahnläuten wollen unsere Kirchengemeinden auf die Pläne des Bischofs
aufmerksam machen, entgegen seiner früheren Aussage jetzt doch zum 1. Januar 2010 Pfarren zu fusionieren“ –
erklärte eine Pastoralreferentin vor der ‘Aachener Zeitung’ vom 4. April.
Der Pfarrgemeinderat und der
Kirchenvorstand von St. Mariä Heimsuchung in Herzogenrath – zehn Kilometer nördlich von Aachen und fünf
östlich von Alsdorf – gehen mit Protestplakaten an die Öffentlichkeit.
Das berichtete die ‘Aachener
Zeitung’ am 27. April.
Sie haben am Kirchenzaun und an der Außenfassade der Kirche St. Mariä Himmelfahrt
ein 3,5 mal zwei Meter großes Transparent befestigt: „Dialog statt Diktat. Wir sagen Nein zur Zwangsfusion“.
Die gut 4.000 Seelen Gemeinde St. Gregorius in der Stadt Aachen hat die Pfarreimitglieder in einem Sonderpfarrbrief
an 1.500 Haushalte über die geplante Fusion abstimmen lassen.
599 schickten den Brief zurück. 564 –
also 95 Prozent – stimmten gegen die Zwangsfusion.