Sonntag, 4. Mai 2008 13:39
95 Prozent sind dagegen
Im Bistum Aachen weitet sich der Widerstand gegen eine geplante Zwangsfusionierung der Pfarreien immer mehr aus. Müssen die Gemeinden für die Mißwirtschaft der Diözesanleitung büßen?
Webseite des Bistums Aachen. Vorne im Bild: Mons. Mussinghoff
Webseite des Bistums Aachen. Vorne im Bild: Mons. Mussinghoff
(kreuz.net, Aachen) Der Diözesanrat der Katholiken und der Katholikenrat Aachen-Stadt kritisieren die Fusion zahlreicher Pfarreien im Bistum Aachen. Das berichtete die Lokalzeitung ‘Aachener Zeitung’ am Dienstag.

Der Bischof von Aachen, Mons. Heinrich Mussinghoff, möchte die Anzahl seiner 537 Pfarreien bis zum Ende des Jahres 2009 drastisch reduzieren. Dann soll es nur noch 72 „Gemeinschaften von Gemeinden“ geben.

Dagegen laufen zahlreiche Pfarreien Sturm. Mehr als 130 Gemeinden haben sich in dem Aktionsbündnis „Kirche vor Ort“ zusammengeschlossen.

Der Vorsitzende des Katholikenrats Aachen-Stadt, Anton Meyer, versteht die Proteste gegen die Zwangsfusionierung. Der Bischof „muß seine Pläne neue durchdenken“.

Bischof Mussinghoff wolle mit seinen neuen Großgemeinden das gemeinschaftliche Leben fördern – erklärt Meyer: „Da sage ich ihm: Bischof, das ist gut, aber wie soll das gehen, wenn Strukturen zerschlagen werden.“

„Noch nie seit seiner Gründung im Jahr 1930 gab es so viel Angst und Trauer in unserem Bistum“ – erklärte der Pfarrer von Mönchengladbach, Hw. Edmund Erlemann (73), Anfang April in einem offenen Brief an Mons. Mussinghoff und Generalvikar Manfred von Holtum.

Der Pfarrer vergleicht die Situation der Priester mit den Getöteten in der Vision des Propheten Ezechiel. Sie fühlten sich „entfremdet und wie im Exil“.
Plakat an der Kirchenwand:
„Dialog statt Diktat. Wir sagen Nein zur Zwangsfusion“.


Laut der ‘Aachener Zeitung’ ist das Vertrauen im Bistum darum besonders empfindlich gestört, weil interne Gesprächsprotokolle aus dem Generalvikariat belegen, daß bereits Mitte der 90er Jahre vor einer drohenden Finanzkrise gewarnt worden war.

Bischof und Generalvikar hatten dagegen stets behauptet, von dem finanziellen Desaster nach der Jahrtausendwende überrascht worden zu sein.

Protestaktionen der Gläubigen
Vom 7. bis zum 13. April läuteten die Glocken aller Kirchen in der Stadt Alsdorf, fünfzehn Kilometer nördlich von Aachen, gegen die Fusionierung.

„Mit diesem Mahnläuten wollen unsere Kirchengemeinden auf die Pläne des Bischofs aufmerksam machen, entgegen seiner früheren Aussage jetzt doch zum 1. Januar 2010 Pfarren zu fusionieren“ – erklärte eine Pastoralreferentin vor der ‘Aachener Zeitung’ vom 4. April.

Der Pfarrgemeinderat und der Kirchenvorstand von St. Mariä Heimsuchung in Herzogenrath – zehn Kilometer nördlich von Aachen und fünf östlich von Alsdorf – gehen mit Protestplakaten an die Öffentlichkeit.

Das berichtete die ‘Aachener Zeitung’ am 27. April.

Sie haben am Kirchenzaun und an der Außenfassade der Kirche St. Mariä Himmelfahrt ein 3,5 mal zwei Meter großes Transparent befestigt: „Dialog statt Diktat. Wir sagen Nein zur Zwangsfusion“.

Die gut 4.000 Seelen Gemeinde St. Gregorius in der Stadt Aachen hat die Pfarreimitglieder in einem Sonderpfarrbrief an 1.500 Haushalte über die geplante Fusion abstimmen lassen.

599 schickten den Brief zurück. 564 – also 95 Prozent – stimmten gegen die Zwangsfusion.
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