Montag, 5. Mai 2008 14:34
Die freundliche alte Dame neben dem Herrn Erzbischof von Hamburg war nicht etwa seine Haushälterin. Von Johanna Wieder.


Erzbischof Werner Thissen und Landesbischöfin Maria Jepsen spenden einen ökumenischer Segen.
(kreuz.net) Der Erzbischof von Hamburg, Mons. Werner Thissen ist bereits durch seinen besonderen Sinn
für den
Ökumenismus und durch sein
Fußball-Apostolat bekannt.
Kürzlich hat er erneut ungewöhnliche
Wege beschritten, um den katholischen Glauben zu verkündigen.
Dabei knüpfte er an die Tradition von
Papst Pius XII. († 1958) an. Dieser proklamierte im Jahr 1955 vor etwa 200.000 italienischen Arbeitern
das Fest von Sankt Josef dem Arbeiter. Seitdem feiert die Kirche das Fest weltweit am 1. Mai.
In Anlehnung
an das päpstliche Vorbild sprach Erzbischof Thissen am 1. Mai 2008 auf der Hauptkundgebung des ‘Deutschen
Gewerkschaftsbundes’ Grußworte. Sie fand in Hamburg-Sankt Pauli auf dem Spielbudenplatz an der Reeperbahn
statt.
Am Ende der Kundgebung wurde ein ökumenischer Gottesdienst abgehalten. Immerhin erschienen 1.500
Teilnehmer. Natürlich wurde die Veranstaltung in trauter Gemeinsamkeit mit der evangelischen „Nordelbischen
Evangelisch-lutherischen Kirche“ organisiert.
Dekorativ hing die Flagge des Erzbistums Hamburg zwischen
der Flagge des ‘Deutschen Gewerkschaftsbundes’ und jener der ‘Evangelischen Kirche in Deutschland’.
Die
freundliche Dame im Kostüm an der Seite des Erzbischofs war nicht etwa seine Haushälterin. Es handelte
sich vielmehr um die sogenannte Bischöfin der Nordelbischen Kirche Frau Maria Jepsen (63).
Nach der
Kundgebung kleidete sie sich für den Gottesdienst in liturgische Gewänder.
Was ist passender für einen
katholischen Erzbischof, als am Fest des Heiligen Josef des Arbeiters, das gleichzeitig das Hochfest Christi
Himmelfahrt war, gemeinsam mit einer protestantischen Bischöfin Maria beim ‘Deutschen Gewerkschaftsbund’
aufzutreten? Ein wahrhaft ökumenisches Ereignis.
Der Herr Erzbischof und Frau Jepsen forderten erwartungsgemäß
Solidarität, Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden ein. Das Übliche halt.
Der Erzbischof zitierte in
seiner Ansprache außerdem Anfragen, die er vor der Veranstaltung bekommen hatte: „Wer zieht hier eigentlich
wen über den Tisch? Die Kirche die Gewerkschaften? Oder umgekehrt?“
Dann wurde er überraschend katholisch:
Mons. Thissen erklärte, daß am Fest Christi Himmelfahrt die Pfingstnovene beginne. Er legte allen nahe,
gleich mit dieser Novene zu beginnen.
Ohne den Heiligen Geist könne man nämlich gar nichts tun und
verändern. Das Beten der Novene sei ganz einfach. Man müsse nur bei verschiedenen Gelegenheiten am Tag
„Komm, Heiliger Geist“ beten.
Das war mit Sicherheit die erste und einzige Mai-Kundgebung des ‘Deutschen
Gewerkschaftsbundes’, auf der die Teilnehmer von einem katholischen Erzbischof eine Katechese über Sinn
und Durchführung der Pfingstnovene erhielten.
Die örtliche Presse ließ die erzbischöfliche Katechese
in der Berichterstattung allerdings erwartungsgemäß unter den Tisch fallen.
Die Journalisten waren
mehr an den bunten Luftballons interessiert, die der Erzbischof gemeinsam mit Bischöfin Maria aufsteigen
ließ. Auf ihnen war eine Kirche vor einer Wolke gezeichnet und darunter der Slogan: „Kirche ist Spitze“.
Ähnlich wie diesen Luftballonen geht es der menschlichen Seele: Auch sie wird nicht ohne die Kirche
in den Himmel gelangen. Darum sagte der Heilige Bischof Cyprian von Karthago († 258 ) so schön: Außerhalb
der Kirche gibt es kein Heil.
Wir wünschen Erzbischof Thissen von Hamburg noch weiter so tolle Katechesen
in seinem Erzbistum.