Donnerstag, 8. Mai 2008 10:25
Er weiß es besser als der Papst. Das erklärte kürzlich ein katholischer Bischof. Warum die von ihm empfohlene Therapie, trotz langjähriger Massenanwendung nicht funktioniert, erklärt er nicht.


Anglikanischer Altar zum Gedenken an Aidstote.
(kreuz.net, Rustenburg) Anfang April veröffentlichte die Webseite ‘U.S. News & World Report’ ein Interview
mit dem südafrikanischen Bischof, Mons. Kevin Dowling von Rustenburg. Die Stadt Rustenburg befindet sich
im Norden von Südafrika.
Das Gespräch stand unter dem Titel: „Warum der Papst in Sachen Kondomen danebenliegt.“
Der Bischof glaubt, daß die kirchliche Lehre über Kondome nicht akzeptierbar sei, nachdem er seit 16
Jahren in seiner Stadt die Ausbreitung von Aids beobachtet.
Dort würden sich viele verarmte Frauen mit
Aids anstecken, weil sie bei der sexuellen Unzucht keine Kondome verwenden.
Im Jahr 1996 eröffnete der
Bischof die erste Aids-Klinik. Inzwischen sind es neun mit etwa tausend Patienten.
Nach Angaben des Bischofs
sind die meisten befallenen Frauen Prostituierte, die sich Minenarbeitern für Geld hingeben.
Mons. Dowling
möchte die Tätigkeit der Damen nicht als Prostitution bezeichnen. Diese sei für die Frauen ein „einfacher
Mechanismus, um zu überleben.“
In seiner Diözese würden wöchentlich zahlreiche Jugendliche beerdigt,
die mit dem HI-Virus geboren wurden. In ländlichen Gegenden seien 15 Prozent der Bevölkerung mit dem
Virus angesteckt, in seiner Bischofsstadt etwa 25 bis 30 Prozent.
Dann gibt der Bischof zu, daß er selber
keine Kondome austeilen müsse, weil die Südafrikanische Regierung überall gratis Kondome verteile.
Die Frage, warum die Aids-Ansteckung dennoch so hoch ist, wird dem Bischof in diesem Zusammenhang nicht
gestellt.
Mons. Dowling gibt zu, Jugendliche über den Gebrauch von Kondomen aufzuklären: „Wir sagen
ihnen, daß Kondome zwar nicht hundert Prozent effektiv sind.“
In Südafrika laste auf jungen Männern
auch ein starker sozialer Druck, so vielen Mädchen wie möglich beizuschlafen.
Der Bischof gesteht,
daß die Kondomfrage „sehr schwierig“ ist: „Einige fürchten, daß man die Menschen in die Promiskuität
treibt, sobald die Türe ein bißchen aufgemacht wird.“
Dem Papst würde Mons. Dowling sagen, daß er
an das „Ideal“ glaube, vor der Ehe von sexuellen Beziehungen abzusehen:
„Mein Problem besteht darin,
daß die Förderung dieser Ideale in den verzweifelten Situationen, in denen ich arbeite, nicht den Bedürfnissen
entspricht.“
Man brauche statt dessen einen „realistischeren“ Ansatz: „Ich bin über Jahre verletzlichen
Frauen begegnet. Ich habe gesehen, wie sie und die Kinder in ihren Armen an Aids starben“ – erklärt der
Bischof.
Der Bischof wird im Interview nicht gefragt, warum dieses Problem trotz staatlicher Massenverteilung
von Kondomen weiterbesteht.
Statt dessen bezeichnet er jene, die Kondome ablehnen als Pharisäer. Er
glaube, daß Jesu Aufforderung an die Pharisäer ihn betrifft:
„Christus hat gesagt, daß die Pharisäer
ihren Leuten unmögliche Lasten aufladen: Aber werden sie einen Finger rühren, um ihnen zu helfen, diese
Lasten zu tragen?“
Der Bischof antwortet: „Sie nicht – ich möchte jener sein, der einen Finger hebt“,
empfiehlt er sich selber.
© Titelbild: Niall Battson, CC