Donnerstag, 8. Mai 2008 11:40
Trotz Motu Proprio gibt es zahlreiche Priester, welche die Alte Messe nur im verborgenen zelebrieren. Sie möchten Repressionen von oben entgehen.


Alte Messe
(kreuz.net) „Pater Fuisting steht mit dem Rücken zur Gemeinde“ – das berichtete Karin M. Erdtmann in
einem Artikel unter dem Titel „Feierlich oder mittelalterlich?“
Der Artikel erschien in einem Kopfblatt
des ‘Kölner Stadt-Anzeigers’ und befaßte sich mit der tridentinischen Messe im Altenberger Dom. Diese
fand am letzten Freitag um 18.00 Uhr statt.
Frau Erdtmann scheint für die Berichterstattung über dieses
Thema nicht besonders qualifiziert zu sein:
„Rund fünfzehn Gläubige haben sich in der Marienkapelle
niedergelassen und warten auf ein Ereignis, das es seit vierzig Jahre so nicht mehr gegeben hat: die Messe
im alten, außerordentlichen Ritus“ – beginnt sie ihren Artikel.
Diese Messe sei von 29 Gläubigen erbeten
worden.
Für die Zelebration sei Pater Andreas Fuisting von der Petrusbruderschaft eigens aus Düsseldorf
angereist, um die Messe zu zelebrieren, die sich vor allem durch zwei Dinge von der üblichen Feier unterscheide:
„Pater Fuisting spricht Lateinisch und steht meist mit dem Rücken zur Gemeinde“ – bringt Frau Erdtmann
die angeblichen Unterschiede zwischen den beiden Riten etwas holprig auf den angeblichen Punkt.
Wenn
das allerdings die einzigen zwei Unterschiede wären, dann müßte man sich darüber wundern, warum das
päpstliche Motu Proprio zur Freigabe der Alten Messe so hohe Wellen geworfen hat.
Frau Erdtmann läßt
unerwähnt, daß alle großen liturgischen Traditionen der Christenheit die Heilige Messe zu Gott hin
feiern und Liturgiesprachen kennen.
Sie präsentiert die Sache schwarz-weiß: „Einen »besonders feierlichen,
würdigen Kult« sehen darin die Befürworter, einen Rückschritt ins Mittelalter die Gegner.“
Seit dem
päpstlichen Motu Proprio würden gut hundert Kirchen in Deutschland wieder alte Messen „anbieten“ – wie
sich Frau Erdtmann ausdrückt.
Viele Priester würden die Alte Messe nur im Geheimen zelebrieren, zitiert
sie die Laienvereinigung ‘Pro Missa Tridentina’.
Sie würden das tun, „um in Ruhe üben zu können und
auch um Repressionen von Pfarrgemeinderäten, Mitbrüdern und dem Ordinariat zu entgehen.“
Dann zitiert
Frau Erdtmann Kreisdechant Klaus Anders von Odenthal: „Es ist heute ja immer noch die gleiche Meßfeier,
nur mit vereinfachten Riten.“
Man habe die Zeremonien verändert, in denen es eine „Fülle von Einzelhandlungen
gab, die oft nur noch gedanken- und lieblos herunter gespult wurden.“
Der Priester läßt unerwähnt,
daß liebloses Herunterspulen keine Frage des Ritus und die lieblosen Herunterspuler nach dem Konzil die
ersten waren, die zum Neuen Ritus übergingen, um dort weiterzuspulen.
Er habe den Alten Ritus noch ganz
am Rande kennen gelernt – erklärt der Kreisdechant weiter: „Aber wir waren alle froh, daß wir ihn nicht
mehr ausüben mußten.“
Doch dann meint der Priester, daß man beides nicht gegeneinander ausspielen
solle.
Im Alten Ritus wende sich der Priester mit der ganzen Gemeinde dem Herrn zu. Nach dem heutigen
Ritus komme angeblich mehr „Der Herr ist in unserer Mitte“ zum Ausdruck.
Im übrigen gebe es bei ihm
in der Pfarrei Odenthal auch ein lateinisches neues Meßbuch.
Das kommt beispielsweise zum Einsatz, wenn
ein Priester aus dem Ausland zelebriere, der kein Deutsch könne.
Daß die meisten ausländischen Priester
noch weniger Latein können als die deutschen, verschweigt der Kreisdechant und behauptet dafür: „Latein
ist nach wie vor Kirchensprache.“
© Titelbild: „Lawrence OP“, CC