Sonntag, 11. Mai 2008 14:32
„Es ist denkbar, daß es mit der Katholikenzahl wieder aufwärts geht. Warum nicht?“ Der neue Wiener Weihbischof im Interview.


Der neue Weihbischof von Wien, Mons. Stephan Turnovszky
(kreuz.net) Er sei mit 43 Jahren sehr jung für das Bischofsamt: „Aber ich bin nicht der jüngste Bischof
in Österreich. Das ist Anton Leichtfried (40), der Weihbischof von Sankt Pölten.“
Das erklärte Mons.
Stephan Turnovszky, der am Pfingstmontag in Wien zum Bischof geweiht und anschließend als Weihbischof
tätig sein wird, am 8. Mai vor der Wiener Tageszeitung ‘Die Presse’.
Er sei sieben Jahre Pfarrer gewesen.
Das sei keine schlechte Vorbereitung auf das Bischofsamt.
Die Frage, ob er ein Job-Hopper sei, verneint
er: „Ein wichtiges Prinzip war – das unterscheidet mich vom Job-Hopper – daß ich meine Jobs nicht gesucht
habe, sondern gefragt wurde.“
Auf den Vorwurf, daß der Wiener Kardinal sich mit jungen Ja-Sagern ohne
viel Erfahrung umgebe, meint Mons. Turnovszky:
„Ich habe zur Ernennung zum Weihbischof ja gesagt. Es
gab manche Dinge, wo ich dem Herrn Kardinal signalisiert habe, daß das nicht das Meine ist.“
Keine Angst
vor MohammedMit dem Baum von Moscheen – „Minaretten“ in der Diktion von ‘Die Presse’ – hat der Weihbischof
keine Probleme: „Die freie Religionsausübung ist ein Grundprinzip unserer Demokratie und Gesellschaft
ist.“
Auf einen öffentlichen Streit mit Bischof Elmar Fischer von Feldkirch, der Moscheen als Provokation
bezeichnet hatte, läßt sich Mons. Turnovszky nicht ein:
„Ich möchte Einheit wahren unter den Bischofskollegen
und ihm persönlich sagen, was ich denke.“
Gleichzeitig hält es Mons. Turnovszky für gut, darauf hinzuweisen,
daß es Christen nicht auf der ganzen Welt möglich ist, ihre Religion frei auszuüben.
An die Adresse
der österreichischen Muslime wünscht er sich aber klare Stellungnahmen zur Unterdrückung von Christen
in anderen Teilen der Welt:
„Es ist selbstverständlich, daß wir aufschreien, wenn Muslimen wegen ihres
Glaubens Unrecht getan wird.“
Man dürfe auch erwarten, daß Moslems im Westen aufschreien, wenn Christen
Unrecht getan wird: „Ich erinnere an die
Ermordung des Erzbischofs von Mossul im Irak.“
Der Massenabfall
der Wiener KatholikenDer Weihbischof wird auch mit der Tatsache konfrontiert, daß die Zahl der Katholiken
in Wien unter fünfzig Prozent gefallen ist.
Eine „Offensive“ – Diktion von ‘Die Presse’ – will er aber
deshalb nicht: „Das klingt nach Zwang, Gewalt.“
Es gehe der Kirche um das Gegenteil: „Wir wollen die
Freiheit des anderen Menschen hochhalten, aber ihm aus Liebe und Interesse das Beste geben und zeigen,
was wir haben. Und das Beste, das wir haben, ist Christus.“
Mons. Turnovszky hält den gegenwärtigen
Trend nicht für unumkehrbar. Er sei aber gegenwärtig zu akzeptieren: „Es ist denkbar, daß es mit der
Katholikenzahl wieder aufwärts geht. Warum nicht?“
Daß die Kirche so wenig Gehör findet, führt der
designierte Weihbischof auf einen „Trend hin zu mehr Individualisierung“ zurück:
„Mitgliederschwund
trifft ja die evangelische Kirche genauso wie den Tennisverein.“
Von Kardinal Groër unberührtMons.
Turnovszky wird auch auf den ehemaligen Erzbischof von Wien, Hans Hermann Kardinal Groër († 2003), in
deren Zeit er Seminarist war, angesprochen.
„Persönlich habe ich Kardinal Groër als Seminarist immer
sehr aufmerksam empfunden.“
Er könne über ihn „nichts Schlechtes“ sagen: „Ich weiß natürlich, was
in den Medien gestanden ist und hätte mir auch mehr Klarheit von ihm gewünscht.“
Für ihn sei die damalige
Situation um den Kardinal „spirituell gesehen“ aber nicht von großer Bedeutung gewesen:
„Die spirituelle
Verwurzelung ist viel tiefer als die Wellen an der Oberfläche. Zweifel an meiner Berufung hatte ich nie.
Ich wollte nie in eine Schublade: Ist der konservativ, ist der progressiv?“
Genuin theologisch?Auf den
Hinweis, daß es heute innerkirchlich sehr ruhig geworden sei, winkt Mons. Turnovszky ab:
„Man spricht
genuin theologische Themen an. Unser Papst macht das bewußt und wiederholt: das Thema Vernunft und Glaube
ist viel stärker da.“
Den Einwand, daß der Schwung des Papst-Besuches in Österreich verpufft sei,
will Mons. Turnovszky nicht gelten lassen:
„Der Papst-Besuch war ein wunderbares Ereignis. Das ist, so
wie wenn man Weihnachten feiert: Das feiert man auch nicht das ganze Jahr. Nachher kommt der Alltag. Und
das ist gut so.“