Donnerstag, 15. Mai 2008 22:45
Ein Kurienkardinal findet, daß Priester an Sonntagen auch ohne Anfragen der Gläubigen Pfarrgottesdienste im Alten Ritus halten könnten. Die neue Karfreitagsfürbitte für den Alten Ritus will er nicht ablehnen.


Kardinal Castrillon zelebriert selber die Alte Messe.
(kreuz.net, Vatikan) Die Priesterbruderschaft St. Pius X. befinde sich „nicht in einem eigentlichen Schisma“.
Das erklärte der Präsident der päpstlichen Kommission ‘Ecclesia Dei’, Dario Kardinal Castrillon Hoyos,
kürzlich im Gespräch mit der italienischen Journalistin Vittoria Prisciandaro für die Zeitschrift ‘Jesus’.
Die deutsche Webseite
Summorum-Pontificum.de hat das ganze Interview übersetzt.
IrregulärKardinal
Castrillon beschreibt die Situation der Piusbruderschaft als irregulär. Sie sei durch eine „schismatische
Handlung“ – die vier unerlaubten Bischofsweihen durch Erzbischof Marcel Lefebvre im Jahr 1988 – entstanden.
Eine Versöhnung mit der Piusbruderschaft hält der Kardinal für möglich. Er steht in regelmäßigem
brieflichen und
Kardinal Castrillon
hat am 28. März den Brief eines nicht-katholischen Bischofs erhalten,
der mit anderen Bischöfen und Priestern zur Kirche kommen will.
telefonischen Kontakt mit dem Generaloberen
der Bruderschaft, Bischof Bernard Fellay. Es gebe noch „einige Meinungsverschiedenheiten.“
Der Kardinal
hofft, daß die Piusbruderschaft ihren kirchenrechtlichen Status als ganze regulieren wird: „Ich möchte
nicht, daß sie sich spaltet.“
Wenn dennoch ein einzelner Priester von der Piusbruderschaft komme, „müssen
wir“ ihn aufnehmen.
Kardinal Castrillon erwähnt auch den Brief eines „nicht katholischen“ – vermutlich
sedisvakantistischen – Bischofs, der mit andern altgläubigen Bischöfen und Priestern in die Kirche kommen
möchte. Das Schreiben sei erst am 28. März verfaßt worden.


Kardinal Castrillon
Neue Leseordnung für Alte MesseDie Idee,
in der Alten Messe die Leseordnung der Neuen Liturgie zu benützen, scheint Kardinal Castrillon zu gefallen.
Er möchte den „liturgischen Reichtum“ der neuen Leseordnung nicht „vergeuden“. In der reformierten Messe
werde über die Jahre praktisch die ganze Bibel gelesen. Unerwähnt läßt der Kardinal, daß es kaum
Priester gibt, die diesen Ritus täglich zelebrieren.
Die Lese-Ordnung des Neuen möchte er auch in den
Alten Ritus aufnehmen.
Angesprochen auf die von Kardinalstaatsekretär Tarcisio Bertone angekündigten
weltweiten Ausführungsbestimmungen zum Motu Proprio hält sich der Kardinal bedeckt.
Nur der Heilige
Vater werde entscheiden, ob und wann die Veröffentlichung eines solchen Dokumentes geschehen solle.
Er lehnt die Karfreitagsfürbitte nicht abEine Frage zum Karfreitagsgebet für die Juden beantwortete
Kardinal Castrillon mit einer Gegenfrage: „Ist es denn keine gute Sache, wenn wir für unsere Brüder,
die Söhne Abrahams, beten?“
Abraham sei der Vater des Glaubens, erklärt der Kirchenfürst: „Aber er
steht in einer Kette der Erlösung, die auf den Messias hofft. Und der Messias ist gekommen.“
Kardinal
Castrillon zitiert die Apostelgeschichte, wo sich 5.000 Juden
Vollkommene Neuschöpfung?
Kardinal Castrillon
hält die von Papst Benedikt XVI. für den Alten Ritus formulierte Karfreitagsfürbitte für „vollkommen“.
an einem Tag bekehrten.
„Ich lehne das Gebet in der Neuen Liturgie nicht ab. Aber ich halte die neuformulierte
Fürbitte des außerordentlichen Ritus für vollkommen.“
Der Kardinal selber betet „sehr gerne“ für
die Bekehrung befreundeter Juden: „Ich glaube wirklich daran, daß Jesus der Sohn Gottes und der Erlöser
aller Menschen ist.“
Den Hausverstand gebrauchenIm Interview bietet der Kardinal auch eine Lösung für
den Fall, daß es in einer Diözese wenige Priester gibt und nur drei oder vier Gläubige um eine Alte
Messe bitten.
Es sei schwierig einen einzigen Priester nur für die Altgläubigen einzuteilen.
Doch
der Papst betrachte die Alte Messe als Schatz zum Wohl der ganzen Kirche: „Wenn kein Priester speziell
abgestellt werden kann, wäre es wohl am besten, eine der Sonntagsmessen in einer Pfarrei nach dem außerordentlichen
Ritus zu feiern.“
Die Frage der Journalistin, ob Priester auch ohne Anfrage einer festen Gruppe eine
Alte Sonntagsmesse feiern könnten, bejaht der Kardinal.
Angesprochen auf eine Definition der „festen
Gruppe“ verweist er auf den gesunden Menschenverstand.
Der Kardinal fragt sich auch, warum es ein Problem
sein sollte, wenn die Altgläubigen aus verschiedenen Pfarreien zusammenkommen. Auch die Anzahl der Gruppenmitglieder
sei eine Sache des guten Willens.
Er hat auch gemerkt, daß auf dem Land zu einer Werktagsmesse im Neuen
Ritus häufig nur drei oder vier Gläubige kommen:
„Warum könnte es pastoral notwendig sein, ihnen eine
Alte Messe zu verweigern, wenn die gleichen drei Leute danach verlangen?“
Unpräzise TheologieKardinal
Castrillon äußerte sich im Interview auch zum Latein. Er bedauert, daß Seminaristen und auch „einige“
Priester kein Latein studiert hätten. Um die Alte Messe zu lesen, solle man zumindest den Kanon der Messe
kennen.
Die päpstliche Kommission Ecclesia Dei bereite derzeit Veranstaltungen, Kurse und auch elektronische
Hilfsmittel zur Erlernung der Alten Messe vor.
Der Kardinal stellt in der wissenschaftlichen Welt ganz
allgemein ein Interesse an der Rückkehr des Lateinischen fest.
In den vergangen Jahren seien nicht nur
die Sprache, sondern auch theologische Inhalte, die mit der semantischen Präzision des Lateinischen verbunden
sind, verlorengegangen.
Kardinal Castrillon ist darüber „traurig“.
Quelle Bilder: The new liturgical
Movement