09:34:31 | Montag, 19. Mai 2008
Die mit Rom im Streit liegende Priesterbruderschaft Sankt Pius X. hat Ende April in der lettischen Hauptstadt Riga einen spektakulären Exerzitienkurs durchgeführt. Unter den Teilnehmern: der örtliche lutherische Erzbischof.
(kreuz.net) Vom 20. bis 25. April hielt Pater Karl Stehlin, Distriktsoberer der Priesterbruderschaft Sankt
Pius X. für Osteuropa, in Lettland Einkehrtage. Das berichtete die Webseite der Bruderschaft am 17. Mai.
An den Exerzitien nahmen sieben einfache Laien, elf protestantische Pastoren und das Haupt der lutherischen
Kirche in Lettland, der Landes-Erzbischof von Riga, teil.
In seinen Exerzitienvorträgen sprach Pater
Stehlin über das Heilige Meßopfer, die Muttergottes, die Gnade, die sieben Sakramente und die alleinseligmachende
Kirche.
Es kam auch zu zahlreichen persönlichen Gesprächen über verschiedenste Themen des Glaubens
und des geistlichen Lebens.
Die Pastoren erklärten, sich an einen Traditionalisten gewendet zu haben,
weil ökumenische Begegnungen mit offiziellen Kirchenvertretern zwar meist aus schönen, aber leeren Worten
bestünden.
Man habe den Eindruck, die Katholiken seien eher bestrebt, die Protestanten nachzuahmen.
Dagegen erklärte einer der Pastoren: „Wir suchen die Wahrheit, die Klarheit über sehr viele Zweideutigkeiten
und Widersprüche innerhalb des protestantischen Glaubens.“
Man wolle die echte Lehre der katholischen
Kirche kennenlernen. Doch diese erhalte man heutzutage offenbar nur von traditionellen Priestern:
„Das
sind keine Ökumene-Schönredner, sondern sie verkünden einfach die katholische Lehre“ – so der Pastor.
Die Dankbarkeit der Exerzitienteilnehmer war nach Angaben der Webseite groß: „Besonders geschätzt wurde
die Exerzitienmethode des Heiligen Ignatius, der den wahren Zugang zur Heiligen Schrift vermittelt.“
Auch von der Mariologie seien viele Exerzitienteilnehmer berührt gewesen: „Mit tiefer Andacht wurde auch
der katholische Meßritus verfolgt.“
Die Sehnsucht nach der Fülle der Wahrheit sei bei allen spürbar
gewesen.
Nach den Exerzitien erhielt Pater Stehlin die Nachricht, daß einer der Teilnehmer zur katholischen
Kirche konvertiert war.
Der lutherische Erzbischof selber bat den Pater, bald wiederzukommen und die
Exerzitien einer größeren Gruppe von Gläubigen und Pastoren zu predigen.
Die Einkehrtage in Riga hatten
eine Vorgeschichte. Bereits im November 2006 predigte Pater Stehlin in Estland sieben lutherischen Pastoren
die ignatianischen Exerzitien.
Von den damals anwesenden Pastoren stammte einer aus Lettland. Er war
besonders von der Mariologie berührt und rief am Schluß ergriffen aus: „Ich habe die Mutter gefunden!“
Danach verlor sich der Kontakt mit dem Pastor. Doch vor einigen Monaten erhielt Pater Stehlin von ihm
eine Einladung, für eine Gruppe lutherischer Pastoren in Lettland Einkehrtage zu halten.