Montag, 19. Mai 2008 11:10
Ein Jahr lang hat ein hoher römischer Prälat die Diözese Fulda im Auftrag von Papst Benedikt XVI. inkognito und – zur Tarnung – in Zivilkleidung visitiert. Nun sind die Folgen bekanntgeworden.


Lange Lügennase
(kreuz.net, Fulda) Wie ‘kreuz.net’ – die mit Abstand größte und einflußreichste katholische Webseite
des deutschen Sprachraumes – in Erfahrung bringen konnte, wurde die Diözese Fulda seit Mai 2007 einer
verdeckten Apostolischen Visitation unterzogen.
Bis zum Schluß drang über diese hochgeheime Aktion
nichts an die Öffentlichkeit.
Ausgelöst wurde die vatikanische Mission durch die skandalöse
Entlassung
der drei Patres der Servi Jesu et Mariae aus ihren Rhöner Pfarrgemeinden.
Außerdem hatten sich die
Klagen der Gläubigen über bischöfliche Willkürmaßnahmen, selbstherrliche Amtsführung und zahlreiche
Mißbräuche in der Diözese Fulda gehäuft.
Darum ließ sich die römische Kurie nicht länger von den
geschönten Berichten beeindrucken, die Bischof Algermissen in Rom ablieferte und schritt ein.
Am Schluß
seiner Mission widerstand der vatikanische Visitator sogar der persönlichen Referentin des Bischofs,
Frau Anne Schmitz, und drang bis in das Arbeitszimmer von Mons. Algermissen vor.
Dort legitimierte er
sich mit einem persönlichen Handschreiben des Papstes.
Als der Prälat dem Fuldaer Oberhirten seinen
Visitationsbericht stehend vorlas, zuckte Mons. Algermissen zuerst zusammen und erstarrte dann für einige
Sekunden vor Schreck und Scham.
Der Bericht, den er sich anhören mußte, legte die vom Bischof zu verantwortenden
zahlreichen Mißstände in der Diözese Fulda schonungslos offen.
Als der Visitator den Vortrag des Berichtes
beendet hatte, krähte ein Rabe, der sich auf einen naheliegenden Baum gesetzt hatte, dreimal. Der Bischof
begann bitterlich zu weinen.
Er wollte, laut schluchzend, seinen sofortigen Rücktritt einreichen, um
in einem geschlossenen Kloster Buße für seine schlechte Amtführung zu leisten.
Doch der Visitator
erklärte ihm, daß die beste Buße darin bestünde, den angerichteten Schaden wiedergutzumachen.
Er
forderte Bischof Algermissen auf, sofort einen persönlichen Brief an den Heiligen Vater zu verfassen.
Dort ist unter anderem zu lesen:
„Heiliger Vater,
Ich habe das Ausmaß des Schadens endlich erkannt,
den ich durch meine ungetreue Amtsführung in meiner Diözese angerichtet habe. Doch ich möchte mich
bessern und verpflichte mich deshalb:
• die drei entlassenen Patres der SJM wieder in meine Diözese
aufzunehmen, sie zu rehabilitieren und sie feierlich in ihren früheren Rhöner Pfarrgemeinden einzuführen
• keinen künstlichen Priestermangel mehr zu erzeugen und gesunde Priester, die über siebzig Jahre
alt sind, nicht mehr automatisch in den Ruhestand zu schicken
• Priester aus dem Ausland – besonders
aus Indien, Polen und Afrika – in meiner Diözese einzusetzen, damit jede Gemeinde ihren Pfarrer bekommt
und die Neuevangelisierung erfolgen kann
• die Orden der Ecclesia-Dei-Gemeinschaften in der Diözese
kirchenrechtlich zu errichten und mit der Seelsorge zu beauftragen
• Priester zu maßregeln, die ihre
Pfarreien vernachlässigen, um ihren privaten religiösen Hobbys nachzugehen
• theologisch fragwürdige
Fortbildungen, Bibelkurse und Exerzitienangebote in den diözesanen Bildungshäusern sofort zu verbieten
und durch glaubenstreue katechetische Angebote zu ersetzen
• liturgische Sonderwege und Mißbräuche
in den Pfarreien zu beenden, widerständige Priester abzuberufen sowie verpflichtende Intensivkurse über
die Instruktion ‘Redemptionis sacramentum’ durchzuführen
• dafür zu sorgen, daß alle Priesteramtskandidaten
und aktiven Diözesanpriester den Alten Ritus als selbstverständliche Form der römischen Liturgie erlernen
und zelebrieren
• wegen der bevorstehenden Rückkehr der Piusbruderschaft in die volle Gemeinschaft
mit Rom alle Vorkehrungen zu treffen, um dieser Gruppierung die Seelsorge in der künftig nicht mehr besetzten
Fuldaer Pfarrei St. Joseph zu übertragen
• den sogenannten „Pastoralen Prozeß“ in der Diözese Fulda
sofort zu stoppen und das gescheiterte Experiment mit den Pastoralverbünden zu beenden
• glaubenszersetzende
Priester – besonders die Mitglieder des sektenähnlichen ‘Fuldaer Kreis für eine offene Kirche’ – von
allen Leitungsfunktionen zu entbinden, ihren Austritt aus dieser kirchenfeindlichen Organisation zu veranlassen
und zur Teilnahme an einem sechsmonatigen Intensivkurs zur Nachschulung im katholischen Glauben zu verpflichten
• die Anwerbung von Domkapitularen, Professoren, Priesteramtskandidaten und Diözesanpriestern für
die Freimaurergründung der Rotarier zu beenden, alle aktiven Rotarierpriester zum Austritt zu bewegen
und schließlich selber aus diesem Netzwerk auszusteigen, um von falschen Abhängigkeiten frei zu werden
• mich nicht mehr hinter den Beschlüssen der Deutschen Bischofskonferenz oder des Fuldaer Domkapitels
zu verstecken, sondern in meiner persönlichen Verantwortung als Bischof selber zu entscheiden und dafür
auch öffentlich geradezustehen
• für meine Diözese die ‘Königsteiner Erklärung’ zu widerrufen
und mich für deren Widerruf durch die Deutsche Bischofskonferenz einzusetzen
• dafür zu sorgen, daß
der von Rom geforderte Treueeid meiner Priester geleistet wird und dies auch meinen bischöflichen Mitbrüdern
nahezubringen
• mit Beginn des neuen Kirchenjahres am ersten Adventssonntag 2008 die von Rom gewünschte
korrekte Übersetzung der Wandlungsworte mit „für viele“ statt fälschlich „für alle“ in der Diözese
Fulda umzusetzen und die Gläubigen darauf entsprechend vorzubereiten
• künftig alle römischen Vorgaben
peinlich genau zu befolgen
• Verbrüderungen mit dem sogenannten evangelischen Bischof der Landeskirche
von Kurhessen-Waldeck, Martin Hein, zu beenden und statt dessen eine Ökumene in theologisch verantwortbarer
Zusammenarbeit zu praktizieren.“
Der Apostolische Visitator nahm die unterschriebene Selbstverpflichtung
von Bischof Algermissen entgegen.
Er ließ den Bischof auch wissen, daß er bei Nichtbefolgen der Erklärung
mit seiner Ernennung zum Erzbischof einer noch einzurichtenden Erzdiözese Helgoland rechnen müsse.