Donnerstag, 22. Mai 2008 11:45
„Miteinander essen – das kann schön sein, froh zu Tische sitzen – lieben wir. Gaben laßt uns teilen und auch noch verweilen – schön daß wir zusammen sind.“ Von Christian L. Schutzer.


Prozession an Fronleichnam in Meckenbeuren 2007
(kreuz.net) Das Haß-Buch
„Wo bitte geht’s zu Gott? fragt das kleine Ferkel“ von Michael Schmidt-Salomon
verhöhnt die Religionen.
In dem Buch erklärt ein Bischof, daß Christus die Christen mit seinem Blut
von der Sünde gereinigt hat.
Darauf läßt Schmidt-Salomon das Ferkel sagen: „Mit Blut? Igitt. Und ich
hab’ immer gedacht, daß man sich mit Seife waschen soll!“
Dann eilt das Ferkel zum Altar, nimmt aus
einer goldenen Hostienschale „Plätzchen und ißt sie, weil ihm der Magen knurrt“.
Der Bischof stellt
sich dazwischen. „Das ist der Leib des Herrn“ sagt er und zeigt dabei auf das Kreuz: „Das ist das Fleisch
Jesu, der sich für uns geopfert hat.“
Da wird dem kleinen Ferkel richtig übel. Es spuckt die Plätzchen
wieder aus.
Der Kommentar im Buch: „Äpfel und Möhren mochte es ja essen, aber doch keinen Mann, der
vor vielen Jahren gestorben war!“
„Nur weg von hier!“ – ruft das Ferkel: „Das sind Menschenfresser! Wenn
die schon den Sohn vom Herrn Gott verspeisen, wer weiß, was sie kleinen Ferkeln antun.“
Ein argumentatives
GlanzlichtDer Ferkel-Autor produziert hier ein spektakuläres argumentatives Glanzlicht: Aus Menschenfresser-Katholiken
werden Tierfleischfresser.
Die antikatholische Menschenfresser-Anklage stammt aus der untersten Schublade
der sogenannten Aufklärung.
Der französische Enzyklopädist Denis Diderot († 1784) setzte von seinem
Artikel „Kommunion“ einen Verweis auf den Beitrag „Kannibalismus“.
Die Bischöfe halten sich bedeckt
Während Juden gegen Schmidt-Salomons Haßbuch einen Verbotsantrag wegen antijudaistischer Hetze stellten,
hielten sich die deutschen Bischöfe bedeckt.
Sie fühlten sich offenbar von der Kritik nicht betroffen,
weil das Ferkelbuch nicht mehr die aktuelle Lehre der deutschen Kirche wiedergibt
Denn in kirchlicher
Lehre und Praxis ist die Rede vom Leib Christi immer öfter rein symbolisch gemeint. Deshalb geht der
Vorwurf, die Katholiken würden den Leib Christi verzehren, weitgehend an der Kirche vorbei.
Kein Leib
Christ – nur gesegnetes BrotBei der Vorbereitung zur Erstkommunion vermeiden Katecheten die Bezeichnung
„Leib Christi“. Sie sprechen vom „
heiligen Brot“. Dessen gemeinsame Verspeisung sei der schönste Tag
im Leben der Erstkommunikanten.
In dem Fernsehbeitrag des Ersten Programms „Wort zum Sonntag“ vom 2.
April 2008 kam die Frankfurter Pastoralreferentin Verena Maria Kietz zu Wort. Sie präsentierte als katholische
Lehre, daß in der Hostie ein besonderer Segen stecke, den man nur mit dem Herzen fühlen könne.
Gemeinsame
Kau- und EssenserfahrungBei Jugendmessen kommt meistens Bröselbrot auf den Altartisch. So erscheint
die gemeinsame Kau- und Essenserfahrung möglichst alltagsnah.
Auch in normalen Gemeinde-Messen entsteht
der Eindruck, daß die Leute beim Kommunionempfang zum Plätzchen-Austeilen anstehen.
Die Macher von
Mahlfeier-Gottesdiensten vermeiden in Wort und Gesten jeden Hinweis auf die Wandlung des Brotes in den
Leib Christi.
Kniebeugen und Knien sind in Zeitgeist-Messen verpönt. Kniebänke werden in modernen Kirchen
nicht mehr eingerichtet. Gefaltete Hände will man nicht mehr sehen.
Eucharistische SchunkelliederDie
alten Sakramentslieder sind den heutigen Gottesdienstgestaltern ein Greuel.
Statt dessen hört man oberflächliche
Schunkellieder wie das folgende: „Miteinander essen – das kann schön sein, froh zu Tische sitzen – lieben
wir. Gaben laßt uns teilen und auch noch verweilen – schön, daß wir zusammen sind.“
Oder: „Jesus gab
ein Beispiel – für uns alle, aß mit vielen Menschen – brüderlich! Viele sind so einsam, wären gern
gemeinsam: Kommt, wir schließen keinen aus!“
Auch im Religionsunterricht will man die Gemeinschaftsfunktion
der Eucharistiefeier im gemeinsamen Feiern herausstellen.
Fronleichnam adeIn diesem Kontext haben Fronleichnamsprozessionen
jeden Sinn verloren.
Was soll gesegnetes Brot, das feierlich in einer Monstranz unter einem Baldachin
durch die Straßen getragen wird, wenn doch das „Schön, daß wir zusammen sind“ die Hauptsache ist?
Manche Pfarrer interpretieren diese Prozessionen deshalb als kirchliche Brauchtumspflege.
Sich selber
sehen sie als Folklore-Darsteller in einem Fest, das sich aus dem Mittelalter in die Gegenwart hinübergerettet
hat.
© Titelbild: Andreas Gälle