Samstag, 24. Mai 2008 17:08
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Die Pfingstpredigt des Juden und Heiligen Apostels Petrus an die zum Pfingstfest versammelten Juden in Jerusalem war nach ‘Spiegel-Online’ ein Mißverständnis. Ein Kommentar.
Plakat für den Katholikentag
Plakat für den Katholikentag
(kreuz.net) „Es müssen verschiedene Teufel gewesen sein, die den Papst geritten haben.“ Das erklärte Alexander Schwabe gestern auf ‘Spiegel-Online’ mit Bezug auf die neue Karfreitags-Fürbitte des Alten Ritus.

Auf dem Osnabrücker Katholikentag habe es eine gemeinsame Front mit deutschen Rabbinern gegen diese Fürbitte gegeben.

‘Spiegel-Online’ stört in der Fürbitte vor allem der Satz: „Lasset uns beten für die Juden, daß unser Gott und Herr ihre Herzen erleuchte, damit sie Jesus Christus als den Heiland aller Menschen erkennen“?

Das beinhalte jene „alte Vorstellung“, daß der jüdische Glaube defizitär sei, und impliziere eine Geringschätzung des jüdischen Selbstverständnisses.

Die Gewißheit der Kirche, daß das Judentum nur zu Gott kommt, wenn es an Jesus Christus glaubt, bezeichnet Schwabe als „Obsession“.

Dann beschwört er schon fast obligatorisch jene „bösen Schatten der Vergangenheit, in der Juden am Karfreitag im Namen Gottes verjagt und getötet wurden“ – Beispiele nennt er keine, schon gar nicht aus der neueren Zeit.


Rabbiner Henry Brandt hörte nach Angaben von ‘Spiegel-Online’ die Alarmglocken schrillen.

Am Donnerstag abend habe er mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, demonstriert, daß der angeblich schwer in Mitleidenschaft gezogene Dialog nicht ganz verstummen dürfe.

Es gehe nicht um Marginalien und Wortklauberei – beschwört ‘Spiegel-Online’, sondern um das Ewige Leben nach dem Tod: „Und der Papst sagt indirekt: Nein, ihr Juden werdet es nicht haben.“

‘Spiegel-Online’ sagt nicht, wo der Papst erklärt hat, daß Juden grundsätzlich in die Hölle kommen.

Sogar die „Erkenntnis seines Vorgängers“ und „vieler anderer“ – wer? – wird dem Papst entgegengehalten, wonach Juden keiner Mission durch Christen bedürften: „Denn sie sind längst bei Gott.“

Womit ‘Spiegel-Online’ definiert hat, daß Juden grundsätzlich in den Himmel kommen. Somit wäre jeder Katholik ein Tor, der nicht sofort zum Judentum konvertieren würde.

Die Pfingstpredigt des Juden und Heiligen Apostels Petrus an die zum Pfingstfest versammelten Juden in Jerusalem war nach ‘Spiegel-Online’ offenbar ein Mißverständnis.

Der während seiner Amtszeit vom ‘Spiegel’ vielgeschmähte Johannes Paul II. wird plötzlich zum Propheten einer neuen Religion hochstilisiert – gar in einem Atemzug mit Johannes XXIII. erwähnt.

Auch das Konzilsdokument ‘Nostra Aetate’ wird zitiert, wonach die Juden nach dem Zeugnis der Apostel immer noch von Gott geliebt sind – als ob Benedikt XVI. das jemals abgestritten hätte.

Der Regensburger Pastoraltheologe Heinz-Günther Schöttler rief der frommen Menge in Osnabrück zu, daß Benedikt XVI. die „substantielle Fortentwicklung der Israeltheologie“ durch Johannes Paul II. nicht mitgegangen sei.

Nach Quellenangaben sucht man bei Schöttler vergebens.

Rabbiner Brandt bezeichnete es als gewaltigen Rückschritt, daß „nun wieder“ für die Erleuchtung der Juden gebetet werden könne.

Daß in der Alten Liturgie schon immer und bis zum heutigen Tag für die Bekehrung der Juden gebetet wurde und wird, unterschlägt er – auch die Tatsache, daß Johannes Paul II. vor zwanzig Jahren mit dem Motu Proprio ‘Ecclesia Dei’ die Alte Liturgie wieder ermöglichte, ohne daß sich jüdische Stimmen gemeldet hätten.

Erzbischof Zollitsch bemühte sich zu beschwichtigen, so gut es ging: „Der Weg geht nach vorne, und dafür stehe ich hier!“ – gab er Durchhalteparolen von sich.

Gott sein dank kann ‘Spiegel-Online’ melden, daß sich Mons. Zollitsch nicht von der „Annahme“ distanziert habe, daß die Juden Jesus als Heiland bräuchten.

Damit habe sich Erzbischof Zollitsch mit dem Mann auf dem Stuhl Petri solidarisch gezeigt – so ‘Spiegel-Online’. Oder hat er sich nur an die Stelle im Evangelium erinnert, wo es heißt: „Ihr seid nicht Herren über den Glauben“?

In der Tat: Auch ein Bischof hat nicht das Recht, den katholischen Glauben neu zu erfinden.

Der Papst hatte nach Angaben von ‘Spiegel-Online’ keinen Fürsprecher auf dem Podium: „Der Veranstalter – das Zentralkomitee der deutschen Katholiken – wollte oder konnte in Deutschland keinen finden, der in dieser Frage papsttreu argumentiert hätte.“

Kurienkardinal Walter Kasper habe aus Termingründen abgesagt.

Und der Papst? Der sitzt nach ‘Spiegel-Online’ im Elfenbeinturm und treibe abgehobene Theologie. Als Dogmatiker sei er einem gewissen Starrsinn verfallen.

Im übrigen sei er ein Traditionalist.

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