Mittwoch, 23. Februar 2005 15:06
Auf den Philippinen gibt es Pläne, die Verweigerung von Verhütung und Abtreibung zu kriminalisieren. Wie reagieren die philippinischen Bischöfe? Mit einem Pastoralbrief. Papier ist geduldig.

(kreuz.net, Manila) Der Erzbischof von Davao und Vorsitzende der philippinischen Bischofskonferenz, Fernando
Capalla (70), hat per Hirtenbrief einen papierenen Bannstrahl gegen einen neuen philippinischen Gesetzesentwurf
zur Bevölkerungsregulierung geschleudert. Das berichtete die Nachrichtenagentur ‘AsiaNews’. Davao liegt
im Südosten des Landes.
Vor rund einer Woche stimmte das philippinische Abgeordnetenhaus für eine sogenannte
„Zwei-Kind-Politik“.
In seinem Pastoralbrief bezeichnet Erzbischof Capalla das neue Gesetz als ungerecht,
willkürlich und unvernünftig. Es verletze die Selbstständigkeit der Ehepaare und entweihe die Heiligkeit
der Ehe.
„Die Regelung verhängt Geldbußen und Gefängnisstrafen für Eltern, Ehepartner und medizinische
Fachkräfte. Dadurch werden die ehelichen Rechte eines Ehepaares außer Kraft gesetzt“, erklärte der
Erzbischof.
Das Programm, auf welches sich das neue Gesetz stützt, heißt in der Amtssprache der Philippinen
„Lingtas Buntis“. Es beinhaltet Informationskampagnen über Methoden zur Fruchtbarkeitskontrolle und staatliche
Geldmittel für Paare, die sich entscheiden, nur zwei Kinder zu bekommen.
„Lingtas Buntis“ wird zunächst
rund zwei Millionen Philippiner im fruchtbaren Alter betreffen. Sozialarbeiter werden von Haus zu Haus
gehen und sich über die Verhütungsmethoden der Paare informieren. Die Umfragen werden mitprotokolliert
und die Ehepaare in Listen registriert.
Dieses Programm ist nach den Worten von Erzbischof Capalla mehr
als eine einfache Informationskampagne. Es verletze und verspotte die Privatsphäre und Selbständigkeit
von Ehepaaren und Familien.
Als Alternative zum Gesetzesentwurf verweist Erzbischof Capalla auf die Soziallehre
der Kirche. Man müsse die Eltern darin unterrichten, Selbstverantwortung zu übernehmen, statt ihre Lebensentscheidungen
über Verhütungsmittel zu regulieren. Genau in diesem Punkt liege der wunde Punkt der philippinischen
Gesellschaft.
In seinem Brief appelliert der philippinische Bischof an die christlichen Politiker. „Ein
geschultes christliches Gewissen erlaubt niemandem, Regelungen zu schreiben oder zu unterstützen, die
den Grundrechten der Familie widersprechen.“
Der Erzbischof rief alle Gläuben auf, die Wahrheit zu verteidigen.
Diese gebe dem Verstand Licht und bewahre vor Irrtümern. „Widersteht den Verlockungen der falschen Freiheiten
und Rechte. Verteidigt die Familie.“
Der Vorsitzende der Bischofskonferenz meinte, daß die Voraussetzungen,
die dem Gesetz zugrunde lägen, falsch seien: „Eine ungebrochene Reihe anerkannter Volkswirtschafter und
Demographen habe seit langem die maltusianistischen Mythen zurückgewiesen. Auch die zeitgenössische
Geschichte hat diesen Mythos niedergerissen.“
Der Sozialphilosoph Thomas Robert Malthus († 1834) behauptete,
daß die Bevölkerung tendenziell schneller wachse als der Bodenertrag. Die mögliche Größe der Bevölkerung
sei durch die Menge der verfügbaren Nahrungsmittel begrenzt.
Seit man in den 70er Jahren ein kostspieliges
Programm zur Bevölkerungskontrolle begonnen habe, habe sich das Wachstum der philippinischen Bevölkerung
deutlich verlangsamt. Die Bevölkerungszahl sei am Sinken. Trotzdem habe die Armut nicht abgenommen, entgegnete
der Erzbischof zu den Theorien Malthus.
Ende Januar meldeten katholische Nachrichtenagenturen, daß die
philippinische Staatspräsidentin – eine praktizierende Katholikin – jegliche Form der künstlichen Verhütung
ablehnen würde.
Die Staatspräsidentin setze auf die natürliche Familienplanung. Sie sei auch eine
Schule der Verantwortung. Die Philippinen bräuchten nicht mehr Verhütungsmittel, sondern mehr Verantwortungsbewußtsein,
meinte ein westlicher Priester, der seit Jahren im Lande arbeitet.