Dienstag, 27. Mai 2008 17:50
Beim Letzten Abendmahl schaute Christus seinen Aposteln nicht ins Gesicht. Doch in der real existierenden Neuen Messe ist das nicht das einzige Problem.


Der Sekretär der Liturgiekongregation, Erzbischof Ranjith.
(kreuz.net) Am Mahltisch einer Kirche werde der Priester zum Darsteller der Messe.
Das kritisierte der
Sekretär der Liturgie- kongregation, Erzbischof Albert Malcolm Ranjith Patabendige Don (60), am 20. Mai
bei einer Gastvorlesung an der theologischen Universität Wien.
Die internationale Video-Webseite ‘
gloria.tv’
hat dazu am Montag Auszüge des englischsprachigen Vortrags veröffentlicht.
Die Priester betrachteten
ihre liturgische Aufgabe als gut erfüllt, wenn diese dramatisch ausgeführt sei – erklärte der Erzbischof
weiter: „Wenn sie die Leute anschauen, dann fühlen sie sich mächtig.“
Der Erzbischof warnte, daß viele
Priester mit ihrem eigenen Ego nicht richtig umgehen könnten. Wenn der Priester statt der Leute das Kreuz
anschaue, sei er in einer demütigeren Position.
In dem Vortrag erwähnte Mons. Ranjith auch die Debatte
um die Körperhaltung Christi beim Letzten Abendmahl.
Er entkräftete das Gerücht, daß der Heiland
bei dieser Gelegenheit den Aposteln gegenübergesessen sei. Diese Auffassung beruhe auf einer falschen
Vorstellung, wie ein antikes Mahl ausgesehen habe.
In der Antike hätten sich der Vorsitzende eines Banketts
und seine Gesellschaft niemals angeschaut.
Gastgeber und Gäste saßen an einem hufeisenförmigen Tisch.
Die gegenüberliegende Seite blieb leer, um dem Tischdienst den Zugang zu ermöglichen.
Das Argument,
daß der Priester – wie Jesus beim Letzten Abendmahl – den Gläubigen ins Gesicht schauen solle, bezeichnete
Mons. Ranjith als „nicht wissenschaftlich“.
Ein weiterer großer Schaden in der Liturgie ist für den
Erzbischof die gegenwärtige Rollenkonfusion im Presbyterium. Priester würden Aufgaben der Laien und
umgekehrt erfüllen.
Ferner bedauerte Mons. Ranjith, daß die lateinische Liturgiesprache in kürzester
Zeit fast komplett verschwunden sei.
Dabei sei die Verwendung einer eigenen Sprache als Ausdruck des
Sakralen eine alte Praxis.
Als Beispiele nannte Mons. Ranjith die toten Sprachen Sanskrit im Hinduismus
und Pali im Buddhismus.
Der Islam benützt das Arabische des Koran. Dazu erzählte Ranjith eine Begebenheit
aus seiner Zeit als Nuntius in Indonesien.
Damals benützte ein Imam in der Moschee die Landessprache.
Er wurde deswegen verhaftet und für drei Jahre eingesperrt.
In dem Vortrag zählte Mons. Ranjith weitere
Veränderungen auf, die der Liturgie geschadet haben:
• die Änderung der Zelebrationsrichtung,
•
die Handkommunion,
• ein ironisches Verständnis des Konzepts der „Participatio actuosa“,
• die Preisgabe
der Stille und Anbetung sowie der Gesten des Kniens und des Verbeugens.
Der Erzbischof kritisiert auch
ein Verständnis der Messe als großes Fest:
„Bringt eure Gitarren, bringt dies und das, bringt soviel
Lärm wie möglich.“