Sonntag, 1. Juni 2008 17:17
Eine bischöfliche Wortspende
Der Bischof von Graz hat dem Lebensschutz einen Hirtenbrief gewidmet. Über die Ursache des Übels, die Fristenendlösung, hat er allerdings nichts zu sagen.
Die ungeborenen Kinder haben noch keine Stimme.
Die ungeborenen Kinder haben noch keine Stimme.
(kreuz.net, Graz) Der Bischof von Graz-Seckau, Mons. Egon Kapellari, hat zum heutigen 1. Juni, dem Tag des Lebens, einen Hirtenbrief verfaßt. Darin erklärt er das laufende Jahr für seine Diözese zum „Lebensjahr“.

Bischof Kapellari steht seit Monaten unter Beschuß der Lebensrechtler seiner Diözese, weil er sich kaum ernsthaft für den Schutz ungeborener Menschen vor der Abtreibungsgewalt einsetzt.

Soziale oder tödliche Wunde?
In dem Hirtenbrief betont der Bischof, daß für den Schutz des menschlichen Lebens auch Allianzen mit nichtkirchlichen Institutionen gesucht werden müßten.

Der Hirtenbrief zeigt zwei einander widersprechende gesellschaftliche Entwicklungen auf.

Einerseits werde im reichen Westen viel für die Bewahrung des Lebens getan. Der Bischof erinnert an den Fortschritt in der Medizin und in anderen Wissenschaften:

„Im Dienst eines biologisch starken Lebens wird das schwache Leben der Ungeborenen, der Menschen mit Behinderung und der Menschen an der Todesschwelle vielfach aufs Spiel gesetzt oder zur Seite geschoben“.

Der Bischof wiederholt das vielzitierte Wort des umstrittenen Wiener Erzbischof Franz Kardinal König († 2004), daß die Kinderabtreibung als „tiefe soziale Wunde“ bezeichnet.

Der Papst habe in seiner Ansprache in der Wiener Hofburg im September 2007 dieses Wort vertieft – so Mons. Kapellari.

Wenn der Damm bricht
Zur Euthanasierung zitiert der Bischof ebenfalls ein Wort von Kardinal König: „Der Mensch soll nicht durch die Hand eines Menschen sterben, sondern an der Hand eines Menschen“.

Mons. Kapellari erinnert an das gebotene Mitleid mit dem tragischen Geschick unheilbar Kranker.

Doch das dürfe den Damm nicht unterminieren, der Menschen vor dem Druck ihrer Umgebung schützt, sich selber den Tod zu geben oder von anderen geben zu lassen.

Antihumaner Frevel
In der Forschung mit den Zellen geschlachteter Kleinstkindern sieht der Bischof eine „Gestalt von Egoismus im Dienst eines technischen Fortschritts, der zugleich ein schwerwiegender antihumaner Frevel ist“.

Er kritisiert auch den Versuch, menschliche und tierische Organismen zu kreuzen.

Diese Grenzüberschreitung werde nicht nur von bewußten Christen, sondern auch von vielen nicht religiösen Humanisten bekämpft – tröstet sich der Bischof.

© Titelbild: Flickr-Benützer „kkelly2007“, CC
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