Samstag, 26. Februar 2005 16:44
In seiner diesjährigen Dreikönigspredigt reihte der Erzbischof von Köln die Kinderabtreibung in die Tradition der großen Völkermorde. Statt mit dem Kardinal zu reden übte man sich in Entrüstung. Kleine Leserbriefe zum Thema bringen sogar die Lokalredaktionen von Tageszeitungen ins Schwitzen. Diskussionsverbot.

Sehr geehrte Frau N.,
entschuldigen Sie bitte, daß ich Ihnen bisher nicht geantwortet habe, ich habe
es einfach verschwitzt. Leider muß ich Ihnen mitteilen, daß wir Ihren Leserbrief nicht veröffentlichen
werden.
Wir haben Ihren Brief in größerer Redaktionsrunde beraten und sind mehrheitlich zu dem Schluß
gekommen, so zu verfahren.
Hintergrund für diese Entscheidung ist, daß aus unserer Sicht zwei völlig
unterschiedliche Themenbereiche, die weder gesellschaftspolitisch, noch moralisch etwas gemein haben,
miteinander verglichen werden: der millionenfache, verbrecherische Mord im Holocaust und das demokratisch
anerkannte und verbriefte Recht auf einen Schwangerschaftsabbruch.
Nun mag man wie auch immer zum Thema
Schwangerschaftsabbruch stehen; es jedoch in einen Topf mit dem Holocaust zu werfen, halten wir nicht
für geboten.
Wir bitten um Ihr Verständnis.
Mit freundlichen Grüßen
DIE RHEINPFALZ, Lokalredaktion