Samstag, 7. Juni 2008 13:58
Johannes Paul II. wollte angeblich nicht von Rom, sondern von Medjugorje aus regieren. Warum dann setzte er einen Bischof über die Erscheinungen, der ein scharfer Kritiker des Phänomens ist?


Abendmesse in Medjugorje
(kreuz.net, Vatikan) Der französische Mariologe, Monsignore René Laurentin (90), hat den angeblichen
Erscheinungsort Medjugorie verteidigt.
Medjugorje ist ein 4000-Seelen-Ort in der westlichen Herzegowina.
Seit Juni 1981 soll dort die Muttergottes erscheinen.
Monsignore Laurentin antwortete in einem Interview
mit der italienischen Webseite ‘Petrus’ dem emeritierten Bischof der Diözese Isernia-Venafro nordöstlich
von Rom, Mons. Andrea Gemma (76).
Dieser hatte Medjugorje vor der gleichen Webseite als „
absolut diabolisches
Phänomen“ bezeichnet.
In der Vergangenheit hat sich Monsignore Laurentin für zahlreiche weniger bekannte
angebliche Erscheinungen und mystische Phänomene eingesetzt.
Er gilt auch als Verteidiger der in Schweden
lebenden angeblichen griechisch-orthodoxen Mystikerin Vassula Ryden (66).
Zu Beginn des Interviews erklärt
Monsignore Laurentin, nicht gerne über Medjugorje zu sprechen: „Ich ziehe es vor, die Linie des Schweigens
zu beachten, die von der Kirche weise befolgt wird.“
Doch in diesem Fall, könne er Bischof Gemma nicht
zustimmen:
„Gewiß ist die Anzahl der Erscheinungen der Muttergottes in Medjugorje exzessiv. Doch ich
glaube nicht, daß man von einem satanischen Betrug sprechen kann.“
In Medjugorje gebe es jährlich die
größte Anzahl Konversionen zum katholischen Glauben: „Was würde Satan daran gewinnen, daß so viele
Seelen zu Gott geführt werden.“
Wenn es um Erscheinungen gehe, sei die Tugend der Klugheit vordringlich:
„Aber ich bin überzeugt, daß Medjugorje eine Frucht des Guten, nicht des Bösen ist.“
Der Feststellung
von Mons. Gemma, daß sich die angeblichen Seher von Medjugorje an ihren Erscheinungen bereichert haben,
weicht Monsignore Laurentin aus.
In jedem Heiligtum gebe es Geschäfte mit religiösen Artikeln und Souvenirs –
erklärt er:
„Wenn wir dem Argument von Mons. Gemma zustimmen wollen, dann müßten wir auch sagen, daß
Fatima, Lourdes, Guadalupe und San Giovanni Rotondo von Teufel eingeflüsterte Betrügereien sind.“ Er
unterschlägt, daß die Seher dieser Erscheinungsorte keinen finanziellen Gewinn daraus gesucht haben.
Dann wischt der Mariologe das Urteil der beiden vom Papst eingesetzten Diözesanbischöfe von Mostar
vom Tisch, die bisher in der Zeit der Erscheinungen gewirkt haben: „Zwei Ortsbischöfe zählen, aber nur
relativ.“
Der Vatikan habe die Echtheit der Erscheinungen nie bestritten, sondern warte angeblich „auf
weitere Untersuchungen“.
Auch das Verbot der Glaubenskongregation von Medjugorje-Pilgerfahrten unter
dem damaligen Kardinal Joseph Ratzinger betreffe nur die Teilnahme von Bischöfen an Massenwallfahrten.
Abschließend erklärt Monsignore Laurentin:
„Ich möchte betonen, daß der polnische Papst gesagt hat:
»Es tut mir leid, daß ich die Kirche hier vom Vatikan aus führen muß und nicht von Medjugorje aus«.
Das ist für mich sehr bezeichnend.“
© Bilder: medjugorjegallery.blogspot.com