Donnerstag, 24. Februar 2005 18:47
„Nur durch die wörtliche Rezitation der Einsetzungsworte nach einem der neutestamentlichen Zeugen oder in der historischen Mischform der biblischen Texte ist sichergestellt, daß das Sakrament gemäß seiner ursprünglichen Intention unverfälscht im Gottesdienst gefeiert wird und nicht durch individuelle theologische Deutungen oder liturgische Einfälle überlagert wird.“ Protestantische Nachhilfestunden.

Ebenso wie der neutestamentliche Taufbefehl (Mt 28,19- 20) konstitutiv zum Sakrament der Taufe gehört,
gehören die Einsetzungsworte seit dem frühen Christentum konstitutiv zur Abendmahlsfeier. Ihre konzentrierte
theologische Aussage macht in jeder Feier deutlich, daß im Abendmahl der gekreuzigte und auferstandene
Christus leibhaft gegenwärtig ist und mitgeteilt wird.
In den Bekenntnissen der Reformation ist die
Bedeutung dieser konstitutiven Elemente mit der Aussage unterstrichen worden, daß die Sakramente – und
also auch das Abendmahl – in der Kirche „dem göttlichen Wort gemäß gereicht werden sollen“ beziehungsweise
„laut dem Evangelium gereicht werden“ (Augsburger Bekenntnis von 1530, Artikel 7).
Das impliziert zunächst,
daß die entsprechenden Worte des Evangeliums – also die Einsetzungsworte – in unverfälschter Weise zitiert
werden müssen. Paraphrasen und andere Erläuterungen dürfen nicht an ihre Stelle treten.
Darunter fällt
nicht die in den Agenden und Gottesdienstordnungen festgehaltene Mischform, die eine Harmonie aus den
verschiedenen Fassungen der Einsetzungsworte herstellt und eine lange Tradition hat. In lutherischen und
unierten Gemeinden wird sie normalerweise verwendet.
Nur durch die wörtliche Rezitation der Einsetzungsworte
nach einem der neutestamentlichen Zeugen oder in der historischen Mischform der biblischen Texte ist sichergestellt,
daß das Sakrament gemäß seiner ursprünglichen Intention unverfälscht im Gottesdienst gefeiert wird
und nicht durch individuelle theologische Deutungen oder liturgische Einfälle überlagert wird.
Außerdem
wird auf diese Weise vollkommen klar, daß die gottesdienstlichen Handlungsträger nicht eigenmächtig
wirken, sondern im Auftrag Christi seine Worte laut werden lassen.
Aus dem Buch: Das Abendmahl. Eine
Orientierungshilfe zu Verständnis und Praxis des Abendmahls in der evangelischen Kirche. Vorgelegt vom
Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland Gütersloher Verlagshaus 2003.